UN‑Klimakonferenz in Ägypten

Mehr als 500 Euro pro Nacht: Deutsche NGO klagen über horrende Hotelkosten

Schild am Haupteingang zu den Tagungen der UN‑Klimakonferenz COP27 im ägyptischen Scharm el Scheich.

Schild am Haupteingang zu den Tagungen der UN‑Klimakonferenz COP27 im ägyptischen Scharm el Scheich.

Berlin. Die Weltklimakonferenz im ägyptischen Scharm el Scheich stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Die Urlauberhochburg mit riesigen Hotelanlagen und und langen Flaniermeilen am Rande der Sinaiwüste ist für viele der 45.000 Delegierten schon äußerlich ein befremdlicher Ort. Es sind jedoch vor allem die politischen Restriktionen im Polizeistaat, die vielen Teilnehmenden der COP27 die Arbeit erheblich erschweren.

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Während des Stelldicheins der Staats- und Regierungschefs im Badeparadies werden schätzungsweise 60.000 politische Gefangene – darunter auch Klima- und Umweltschützer – in ägyptischen Gefängnissen festgehalten. Besonders dramatisch ist der Fall des Demokratieaktivisten Alaa Abdel Fattah. Der Blogger, der in der Revolution 2011 in Ägypten zu den Führungsfiguren zählte, befindet sich aktuell bereits seit längerer Zeit im Hungerstreik.

Für Proteste und kritische Stimmen haben die Gastgeber überhaupt kein Verständnis. Dafür gibt es in Scharm el Scheich eine – verwaiste – Zone am äußersten Rand des Tagungszentrums. Protestiert werden darf hier nur zwischen 10 und 17 Uhr – und nur mit Anmeldung 36 Stunden vorher.

Erste Analyse zur Weltklimakonferenz: Deutschland mit schwerem Gepäck in Ägypten

Werden es mehr als nur leere Worte sein? RND-Redakteur Maximilian Arnhold sieht die Klimaversprechen des Bundeskanzlers auf der COP27 zwiegespalten.

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Willkürliche Überwachung bei der Klimakonferenz

„Von willkürlichen Inhaftierungen über Überwachung bis hin zu weiteren Hürden für Klima- und Menschenrechtsaktivisten – all dies geschieht hier im Kontext der COP“, berichtet Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch. „Aber die Achtung der Menschenrechte und eine lebendige Zivilgesellschaft sind Grundlage für Demokratie, Nachhaltigkeit und Klimagerechtigkeit.“

Germanwatch und andere Nichtregierungsorganisationen (NGO) erlebten jedoch auch an unerwarteter Stelle böse Überraschungen. Einige Teilnehmer und Teilnehmerinnen berichten über Videoüberwachung in Taxis und Durchsuchungen, so Bals. Zudem gebe es konkrete Hinweise, dass die offizielle COP27-App des Gastgebers Ägypten aufgrund weitreichender Zugriffsrechte auf Nutzerdaten missbraucht werden könnte, um die Handys zu überwachen.

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Eine Vertreterin des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu), die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben will, berichtete dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) zudem von horrenden Zuschlägen, die Monate im voraus gebuchte Hotels plötzlich vor Ort beim Check-in erheben würden. „Sie verlangen plötzlich zusätzlich bis zu 600 Euro mehr – pro Nacht. Alles cash, ohne Rechnung und sofort. Sonst gibt es kein Zimmer.“

Klimakonferenz in Ägypten: Organisationen „übernachten auf der Straße“

Die Germanwatch-Delegation bestätigt diese Angaben. Hier erlebten Teilnehmende plötzliche Stornierungen ihrer Buchungen und ebenfalls geforderte „Aufpreise“. Aus den Hotels sei zu hören gewesen, dies wäre von staatlichen Stellen vorgegeben worden.

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Nabu-Bereichsleiter Sebastian Scholz spricht von einer massiven Behinderung. Die finanziellen Forderungen der Hotels sowie der Umgang damit hätten dazu geführt, dass NGO wie der Nabu sich bislang kaum inhaltlich an der COP27 hätten beteiligen können. Vor allem aber für Organisationen aus dem globalen Süden seien diese Hürden unüberwindbar. „Sie übernachten auf der Straße.“

Aktivisten fürchten sich

Der nigerianische Klimaaktivist Olumide Idowu schreibt auf Twitter: „Die Leute sind jetzt gestrandet, schlafen auf der Straße, im Busbahnhof. Was ist das für eine Gemeinheit.“

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Die Menschenrechtsaktivistin Audrey Lenga berichtet, ebenfalls auf Twitter: „Viele Menschen teilen sich ihre Zimmer, um die Sicherheit der Aktivisten zu gewährleisten.“

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Der Organisation Watching the Hawks schreibt von obdachlosen Jugendlichen während der COP27: „Afrikanische Delegierte sind gezwungen, während der #COP27 auf der Straße zu schlafen, weil die ägyptische Regierung Hotels und Buchungsportale dazu ermutigt, Reservierungen ohne oder mit nur kurzer Vorankündigung zu stornieren.“

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Die Nabu-Delegierte schätzt ein, dass sich bei ohnehin gefährdeten Teilnehmern und Teilnehmerinnen das Unsicherheitsgefühl steigere. „Statt uns auf die Verhandlungen konzentrieren zu können, müssen wir uns täglich mit der Problematik auseinandersetzen, am Abend kein Zimmer mehr zu haben. In der Nacht in einer fremden Stadt, die schon weitgehend ausgebucht ist, eine Alternative zu finden, ist natürlich nicht einfach bis unmöglich.“

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