„Combat 18“: Das Verbot kommt Jahre zu spät

  • Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die rechtsextremistische Gruppe „Combat 18“ verboten.
  • Das Verbot war lange erwartet worden.
  • Es hätte wesentlich früher erfolgen müssen, kommentiert Markus Decker.
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Berlin. Am Donnerstagmorgen schritt Bundesinnenminister Horst Seehofer zur Tat – endlich, wie seine Kritiker sagen. Der CSU-Politiker ließ „Combat 18“ verbieten. Das Verbot wurde flankiert von Durchsuchungen in sechs von 16 Bundesländern.

Das Verbot ist richtig. Einerseits. Andererseits hat es kein Lob verdient. Denn es wirft ernste Fragen auf. Von Seiten der Sicherheitsbehörden spielte die Gruppe, die sich selbst als „bewaffneter Arm“ von „Blood & Honour“ bezeichnet, bis in die jüngste Vergangenheit hinein kaum eine Rolle. Im letzten Verfassungsschutzbericht tauchte sie gar nicht auf. Dabei ist „Blood & Honour“ schon seit dem Jahr 2000 verboten.

Fachleute sehen überdies eine Verbindung von „Combat 18“ zu den Taten des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Die Razzien in Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen sprechen für den Stellenwert der rechtsextremistischen Organisation.

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Razzien in sechs Bundesländern

Jedenfalls besteht ein Widerspruch zwischen der bisherigen offiziellen Nichtbeachtung und der Tatsache, dass die Gruppe in größeren Teilen Deutschlands präsent war. Die Bedeutung von Rechtsrockkonzerten, die „Combat 18“ organisieren half, ist ohnehin bekannt. Sie dienen zur Mobilisierung der Szene sowie als Geldquelle, aus der weitere Aktivitäten wie der Kauf von Immobilien finanziert werden.

Nein, man kann seit einiger Zeit nicht mehr sagen, dass die Sicherheitsbehörden auf dem rechten Auge blind wären. 2015 wurde die „Oldschool Society“ zerschlagen, bald darauf die „Gruppe Freital“. Bundesamt für Verfassungsschutz und Bundeskriminalamt haben den Schalter glaubwürdig umgelegt.

Was man aber sagen kann, ja sagen muss, ist, dass die Verantwortlichen mit Blick auf „Combat 18“ eine lange Leitung hatten – und zwar eine sehr lange. Die Verbotsmitteilung vom Donnerstag kommt Jahre zu spät.

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