Verdienstkreuz für den Virologen: Bitte mehr Drostens

  • Christian Drosten, Leiter der Virologie der Berliner Charité, hat das Bundesverdienstkreuz erhalten.
  • Er habe sich “sich täglich an die Bürgerinnen und Bürger” gewandt, “um Entscheidungen zu erklären und für das bislang beste Medikament im Kampf gegen das Virus zu werben – für Solidarität“, erklärte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
  • Die Auszeichnung für Drosten ist ein Statement gegen die Angriffe auf den Virologen – und sollte eine Ermutigung für andere Wissenschaftler sein, kommentiert RND-Autor Thorsten Fuchs.
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Hannover. Die Welt könnte so schön sein, wenn da nicht die unkundige Öffentlichkeit wäre, der man immer mal wieder allgemeinverständlich erklären muss, was man weiß und den ganzen Tag macht: Diese Haltung wird unter Wissenschaftlern immer seltener – verbreitet ist sie immer noch. Sie ist der Hintergrund, vor dem man verstehen muss, warum die neueste Auszeichnung für Christian Drosten so verdient ist – und zugleich eine ernüchternde Note hat. Der Virologe der Berliner Charité hat das Bundesverdienstkreuz erhalten – bereits zum zweiten Mal nach 2005. Diesmal werden ausdrücklich seine kommunikativen Fähigkeiten gewürdigt, seine Bereitschaft, sein Wissen in innovativen Formaten mitzuteilen, vor allem dem Podcast, der in der Pandemie zum maßgeblichen Orientierungspunkt des Wissen über dieses neue Virus wurde.

Man könnte nun einwenden, es hätte diese Auszeichnung nicht gebraucht. Drosten hat es geschafft, internationale wissenschaftliche Anerkennung mit einer fast popstarhaften Beliebtheit zu verbinden, das ist schon nicht wenig Ruhm. Dennoch ist die Auszeichnung jetzt richtig. Sie ist ein Statement des Bundespräsidenten gegen die Angriffe und Schmähungen, denen sich der Virologe immer wieder ausgesetzt sah und sieht. Und sie ist eine Ermutigung an andere Wissenschaftler, die Mühen der Vermittlung ebenfalls nicht zu scheuen – und sich dabei auch mal auf den lustvollen Weg durch die Podcasts und andere neue Formate zu begeben.

Der Dünkel, das ist die ernüchternde Note, ist bei manchem noch immer groß. Dabei gibt es genügend Probleme, bei denen man die Stimme der Wissenschaft gerne deutlicher, verständlicher und unterhaltsamer vernehmen würde. In diesem Sinne würden der Welt ein paar mehr Drostens ganz gut tun.

“Staat, Sex, Amen”
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