China-Taiwan-Konflikt: Der Westen darf jetzt nicht verbal eskalieren

  • Zwischen dem kommunistischen China und dem demokratischen Taiwan herrschen die schwersten Spannungen seit 25 Jahren.
  • Doch die Warnungen, dass der Konfrontationskurs bald zum Krieg führen könnte, sind nicht hilfreich.
  • Statt zur weiteren Eskalation beizutragen, muss der Westen eine vorausschauende und vor allem gemeinsame Strategie im Umgang mit China finden, kommentiert RND-Hauptstadtkorrespondent Steven Geyer.
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Berlin. Es sind beunruhigende Nachrichten, die dieser Tage vom China-Taiwan-Konflikt eintreffen: militärische Provokationen durch die Supermacht; die Drohung durch Chinas Präsidenten an Taiwan, „die vollständige Wiedervereinigung wird verwirklicht werden“; die Reaktion Taiwans, sich mit aller Macht zu widersetzen.

Schon fürchtet mancher einen nahenden Angriff auf Taiwan und spekuliert, ob Taipehs traditionelle Schutzmacht USA überhaupt noch militärisch gegenhalten würde.

Doch der Westen sollte sich hüten, die Dramatik zu übertreiben und damit zu beschleunigen. Zwar testet China tatsächlich die Grenzen in seinem Umgang mit Taiwan aus, gerade durch die notorische Verletzung des Luftraums der demokratischen Insel.

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Und auch die Sorge ist berechtigt, dass Chinas Armee inzwischen überlegen ist und dass Pekings Wirtschaftserfolge keinen Demokratisierungskurs auslösen, wie seine Unterdrückung von Hongkong zeigt. Da schmerzt der Autoritätsverlust der westlichen Führungsmacht USA, die durch Corona, innere Spaltung und Afghanistan ein klägliches Bild abgibt.

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Nicht zu viel interpretieren

Und doch muss man in Pekings Kurs noch keine Angriffspläne hineindeuten. So hat es keine neue Qualität, dass China auf Taipehs selbstbewusste Reden am Nationalfeiertag mit Rufen nach Wiedervereinigung antwortet. China hat Taiwan nie anerkannt, auch international ist seine völkerrechtliche Stellung umstritten.

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Natürlich bleibt es wichtig, China zu widersprechen, zu ermahnen und seine Provokationen nicht tatenlos zu dulden. All das geschieht ja bereits. So verstärkt Europa seine Präsenz im Pazifik, etwa durch Eurofighter-Übungen mit Japan und Australien.

Doch Säbelrasseln wäre die falsche Reaktion. Wachsamkeit, verlässlichere Kooperation statt wachsende Konkurrenz der westlichen Staaten untereinander sowie vorausschauende Diplomatie gegenüber China sind bessere Antworten, als den Konflikt seinerseits zu eskalieren.

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