Chile: Neue gewalttätige Proteste trotz Ministeraustauschs

  • Brennende Geschäfte, eine geplünderte Apotheke und versuchte Brandstiftung in einer U-Bahn-Station - die Proteste in Chile dauern an.
  • Auslöser war eine leichte Erhöhung der U-Bahn-Fahrpreise.
  • Präsident Piñera hat zwar inzwischen etliche Minister ausgetauscht und einige Maßnahmen angestoßen, doch das reicht den Aktivisten nicht.
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Santiago. Die teils gewalttätigen Proteste gegen soziale Missstände in Chile halten trotz Gegenmaßnahmen der Regierung an. Am Montag (Ortszeit) versammelten sich erneut Tausende Demonstranten im Zentrum der Hauptstadt Santiago. Eine Gruppe setzte ein Gebäude mit einem Fast-Food-Lokal und Geschäften in Brand. Die Feuerwehr kämpfte gegen die Flammen. Andere plünderten eine Apotheke, zudem gab es einen Versuch, eine U-Bahn-Station anzuzünden.

Ausgelöst wurden die Unruhen durch eine relativ geringfügige Anhebung der U-Bahn-Fahrpreise, die inzwischen zurückgenommen wurde. Doch weiteten sich die Proteste rasch aus in eine Massenbewegung gegen Ungleichheit in einem der wohlhabendsten Länder Lateinamerikas. Mindestens 20 Menschen wurden der Regierung zufolge bei den seit zehn Tagen anhaltenden Unruhen getötet. Es ist jedoch unklar, wie viele von ihnen durch die Polizei oder durch Plünderer umkamen.

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Chile: Anhaltende Proteste trotz versprochener Maßnahmen
1:26 min
In Chile halten die gewaltsamen Protestaktionen ungeachtet der Zusagen des Präsidenten an.  © AFP
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Mindestrenten aufgestockt und Kabinett umgebildet: Aktivisten wollen mehr

Um die Proteste einzudämmen, kündigte die Regierung von Präsident Sebastián Piñera Anhebungen beim Mindestlohn an, stockte die Mindestrenten auf und setzte eine Erhöhung des Strompreises aus. Zuletzt ersetzte Piñera zudem acht seiner Kabinettsminister durch jüngere Politiker, die als gemäßigter und zugänglicher gelten. Die Personalwechsel nahm der Staatschef in wichtigen Ressorts wie Inneres, Finanzen, Wirtschaft und Arbeit vor. "Chile hat sich verändert und die Regierung muss sich ändern", erklärte Piñera.

Aktivisten zeigten sich indes unzufrieden mit den jüngsten Maßnahmen der Regierung. "Ein neues Kabinett ist nicht genug, wir brauchen echten Wandel bei Gesundheitsversorgung, Bildung, Renten", sagte der 34-jährige Omar Soto, Inhaber eines Handy-Geschäfts.

RND/AP