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Chefarzt widerspricht: Stoffwechselstörung bei Alexej Nawalny – keine Vergiftung

  • Der Kremlkritiker Alexej Nawalny liegt wegen eines Vergiftungsverdachts in einer Klinik im sibirischen Omsk, doch dazu gibt es widersprüchliche Angaben.
  • Sein Team berichtete am Morgen unter Berufung auf einen Polizeibeamten, dass ein vermutlich "tödlicher Stoff" in dessen Körper gefunden worden sei.
  • Nun sagt der Chefarzt Alexander Murachowski, man habe eine Stoffwechselstörung diagnostiziert.
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Omsk. Die behandelnden Ärzte des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny haben nach eigenen Angaben bei dem Putin-Kritiker eine Stoffwechselstörung diagnostiziert. Das sagte der Chefarzt Alexander Murachowski am Freitag in einem Krankenhaus der sibirischen Großstadt Omsk der Agentur Interfax zufolge.

Die Mediziner hatten zuvor schon mitgeteilt, dass sie keine Spuren von Gift im Körper des 44-Jährigen entdeckt hätten. Nawalnys Team hatte dagegen unter Berufung auf einen Polizeibeamten davon gesprochen, dass sie einen “tödlichen Stoff” gefunden hätten.

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Nawalnys Frau: Alexej wird festgehalten
1:35 min
Ein behandelnder Arzt des Krankenhauses sagte am Vormittag, bisher seien keine Test auf giftige Substanz in Nawalnys Körper angesprungen.  © Reuters

Chemischer Stoff an Kleidung und Haut gefunden

Das Gift sei demnach nicht nur gefährlich für den 44-Jährigen selbst, sondern auch für die Umgebung, weshalb das Tragen von Schutzanzügen angewiesen worden sei, sagte der Chef von Nawalnys Anti-Korruptions-Fonds, Iwan Schdanow.

Chefarzt Murachowski sagte weiter, die Ärzte hätten einen chemischen Stoff an der Kleidung und der Haut von Nawalny gefunden. Das sei aber ein üblicher chemischer Stoff, der auch bei der Produktion von Plastikbechern eingesetzt werde. “Der wurde nicht im Blut, sondern an Nawalys Haut und der Kleidung entdeckt”, sagte er.

Nawalny liegt seit Donnerstag in einem Krankenhaus in Omsk. Er liegt im Koma und wird künstlich beamtet. Sein Team vermutet, dass er vergiftet wurde. Seine Sprecherin teilte bei Twitter mit, Nawalnys Frau und sein Bruder seien nicht genau über die Diagnose der Ärzte informiert worden.

Zu einer Behandlung in Deutschland werde es so schnell indes nicht kommen, hieß es zudem am Morgen. Seine Ärztehielten den 44-Jährige zunächst nicht für transportfähig. Sein Zustand sei noch nicht stabil genug, sagte der Murachowski am Freitag vor Journalisten. “Ich kann noch keine Prognosen abgeben.”

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Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hat eine “schnelle, unabhängige, transparente” Untersuchung gefordert. Falls eine Vergiftung bestätigt werde, müssten die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden, sagte eine Sprecherin des Spaniers am Freitag in Brüssel. Man sei sehr besorgt über die Gesundheit Nawalnys und wünsche ihm vollständige Genesung.

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Der Kreml stellt sich indes nach eigenen Angaben nicht gegen einen Transport ins Ausland. “Das ist ausschließlich eine medizinische Angelegenheit”, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Freitag der Agentur Tass zufolge. “Wahrscheinlich gibt es irgendwelche Formalitäten, die noch notwendig sind. Aber es gibt für niemanden irgendwelche Hindernisse. Das ist die Entscheidung des behandelnden Arztes.”

Deutschland bietet Hilfe an

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hat in jedem Fall medizinische Hilfe angeboten. “Wenn Herr Nawalny sich in Berlin behandeln lassen möchte und er nach Berlin kommen kann, steht die Charité selbstverständlich bereit”, sagte der SPD-Politiker am Freitag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

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Russischer Oppositioneller Nawalny im Krankenhaus
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Der russische Oppositionelle Alexej Nawalny ist offenbar mit Vergiftungssymptomen in ein Krankenhaus eingeliefert worden.  © Reuters

Auch die Bundesregierung setzt sich weiterhin für eine bestmögliche medizinische Versorgung des russischen Regimekritikers ein. “Die wichtigste Priorität ist natürlich, dass das Leben von Herrn Nawalny gerettet werden kann und dass er genesen kann”, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag. “Wir wünschen, dass ihm jede medizinische Hilfe, die ihn hoffentlich retten kann, auch zukommt.”

Aus dem Umfeld Nawalnys gebe es den Vorschlag, dass auch Ärzte seines Vertrauens einbezogen werden sollten, um zu klären, ob er transportfähig ist, sagte Seibert. “Das findet die Bundesregierung nachvollziehbar.” Der schwere Verdacht einer Vergiftung stehe im Raum, so Seibert. “Die Umstände des Falles müssen vollständig und transparent aufgeklärt werden.” Die Bundesregierung beobachte den Umgang in Russland mit Oppositionskräften sehr genau.

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Im Flugzeug das Bewusstsein verloren

Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch war bereits nach der plötzlichen Erkrankung am Donnerstag überzeugt, dass der Oppositionelle “absichtlich vergiftet wurde”. Sie warf den Ärzten vor, auf Zeit zu spielen - “bis das Gift in seinem Körper nicht mehr nachgewiesen werden kann”. Jede weitere Stunde ohne eine Verlegung sei eine Gefahr für Nawalnys Leben.

Nawalny wollte nach einer politischen Reise in Sibirien zurück nach Moskau fliegen. Am Flughafen in Tomsk habe er noch einen Tee getrunken, sagte sie. Während des Flugs habe er sich unwohl gefühlt und noch an Bord das Bewusstsein verloren. Das Flugzeug landete außerplanmäßig in Omsk.

RND/dpa

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