„Können Ihnen das gerne ausdrucken“: So lief die CDU-Fragerunde mit Friedrich Merz

  • Bei der CDU haben die Vorstellungsrunden der Kandidaten für den Parteivorsitz begonnen.
  • In einer Video-Townhall mit CDU-Mitgliedern macht Friedrich Merz den Anfang.
  • An der Fragerunde beteiligen sich vor allem Männer.
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Berlin. Die erste Frage an Friedrich Merz ist einfach: „Wie geht es Ihnen?“, will die Moderatorin wissen. Merz steht in der CDU-Zentrale, hier will er gerne demnächst das Sagen haben als CDU-Vorsitzender, aber zunächst muss er sich nochmal den Mitgliedern vorstellen – ein drittes Mal, nach zwei vergeblichen Anläufen. Die CDU hat das Videoformat organisiert, Merz ist als erster der drei Kandidaten zu Gast.

„Mir geht es gut“, sagt Merz. „Aber es ist dann gut, wenn dieses Jahr vorbei ist.“ Kann sein, dass er dann Chef ist, wenn er seine Konkurrenten Norbert Röttgen und Helge Braun mit absoluter Mehrheit bezwingt. Kann sein, dass er es dann nicht ist. Oder dass er in eine Stichwahl muss. Ob es dann gut ist für ihn, wenn das Jahr vorbei ist? Mal sehen.

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Zuerst muss er sich noch eine Wortwolke auf einem Bildschirm ansehen, gebildet aus Stichworten zur Erwartung der Konferenzteilnehmer an den CDU-Vorsitzenden. „Mir gefällt vieles“, sagt Merz und zählt einige der groß gezogenen Worte auf: „Klarheit, Erneuerung, Führungsstärke.“ Er finde aber auch beim Kleingedruckten einiges, wo er sich selbst wiederfinde: Teamgeist zum Beispiel und „keine zu starke Selbstdarstellung“.

„Wir können Ihnen das gerne ausdrucken“, sagt die Moderatorin.

Bitte um die E-Mail-Adresse

Dann sind die Mitglieder mit Fragen an der Reihe. 23 werden in anderthalb Stunden zu Wort kommen, davon sind 19 Männer und vier Frauen. Von drei weiteren Frauen heißt es, sie hätten eine ähnliche Frage gestellt wie ein anderes Mitglied. Was sind die drei Kernpunkte der CDU, will ein CDU-Mitglied wissen. „Wir haben ein Menschenbild“, antwortet Merz, lässt das christlich dieses Mal kurz weg und ist schon bei der sozialen Marktwirtschaft und bei der Generationengerechtigkeit. Es geht viel um Mitgliederbeteiligung, die Merz ausbauen will: „Geben Sie der Partei Ihre E-Mail-Adresse“, bittet er unter anderem. Nur die Hälfte der Mitglieder sei bislang so erreichbar.

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Friedrich Merz beim Format „CDU Live“ © Quelle: Kay Nietfeld/dpa

Bei der Bildungspolitik bekennt Merz, mittlerweile vom Gegner zum Befürworter von Ganztagsschulen geworden zu sein, weil damit auch Kinder bildungsferner Schichten erreicht werden könnte. Auch die Klimapolitik ist kurz Thema: Merz fordert, das Problem ernst zu nehmen und technologieoffen zu sein. Er wünscht sich mehr Risikobereitschaft von Studenten, die sich Firmengründungen zutrauen sollten und gibt sich überrascht, dass in Berlin die Startup-Szene floriere, obwohl in der Stadt doch sonst wenige funktioniere.

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Obergrenze und Zinspolitik

Ein Mann fragt nach der Obergrenze für Flüchtlinge: „Welche Zahl richtig ist, kann niemand beantworten“, antwortet Merz. Die Obergrenze sei ja eher „ein Notruf“ gewesen, „weil es zu viel wurde“. Einwanderung von Facharbeitern sei nötig. Auch für Flüchtlinge müsse man offen bleiben, Grenzen müssten hier europäisch definiert werden.

Apropos Europa: Da sei es ja schwierig mit Ländern wie Polen, Ungarn, Rumänien und Bulgarien, die offenbar mit falschen Erwartungen in die EU eingetreten seien. Damit die EU global handlungsfähig bleibe, müsse sie gegebenenfalls mit kleineren Staatengruppen agieren, wenn nicht alle 27 Mitgliedsstaaten einig würden. Und der Euro werde übrigens keinen Bestand haben, wenn die Europäische Zentralbank nicht bald mal ihre Zinspolitik ändere.

Bei der Union schaffen die Uneinigkeit schon die beiden Schwesterparteien CDU und CSU. Sollte man die lieber zusammenschließen, fragt ein Mitglied. Bloss nicht, findet Merz. Man decke mit diesem „strategisch gemeinten Antagonismus“ ein großes Wählerpotential ab. „Wenn der eine beim anderen einmarschiert, ist nichts gewonnen.“

15 Männer haben bis dahin gesprochen oder sind ihre Fragen schriftlich losgeworden. Die erste Frage einer Frau wird verlesen. Sie sei neu eingetreten in der Partei und jetzt angesichts der Männerdominanz doch etwas perplex, lässt sie wissen und bittet um Auskunft zum Thema. Er werde ein Parteichef sein, der „sich auch dann mal vehement für eine junge Frau einsetzt“, sagt Merz. Auch bei der Aufstellung von Kandidaten werde er in den Konflikt gehen mit männlichen Platzhirschen und denen sagen, dass die CDU nicht „die Partei der alten Männer“ werden dürfe.

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Sie selber gehe im kommenden Jahr mit 64 Jahren in den „wohlverdienten Ruhestand“, sagt eine Frau zum Abschluss. Mit 66 Jahren zum dritten Mal als Parteivorsitzender kandidieren – „muss man sich das noch antun?“, will sie wissen. „Das haben mich Teile meiner Familie auch gefragt“, sagt Merz. Aber er sei nun mal in seinem Hochsauerlandkreis gebeten worden, für den Bundestag zu kandidieren. Der amtierende CDU-Direktkandidat musste zurückstecken. Merz sagt, nun habe es den Wunsch gegeben, dass er nochmal für den Vorsitz antrete. „Ich kann dann auch nicht Nein sagen, wenn ich von so vielen Mitglieder gebeten werde“, sagt Merz. Aber etwas Irrationales habe das Ganze natürlich schon.

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