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Der Mann an Serap Gülers Seite – Helge Brauns Kandidatur als CDU-Chef

  • Zwei bundespolitisch erfahrene Frauen hat Noch-Kanzleramtschef Helge Braun als Unterstützer für seine Kandidatur als CDU-Chef gewonnen.
  • Die bisherige nordrhein-westfälische Integrationsbeauftragte Serap Güler soll Generalsekretärin werden, die Digitalexpertin Nadine Schön die Programmarbeit übernehmen.
  • Güler fordert eine Partei, „die Kopf und Herz anspricht“ und Braun beginnt seine Vorstellung mit einem Witz.
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Berlin. Helge Braun bewirbt sich um den CDU-Vorsitz und er beginnt seine Vorstellung mit leisem Spott. „Schönen guten Tag, hier in Ostberlin“, sagt der scheidende Kanzleramtsminister und für sich genommen ist das noch keine Sensation. Der Saal der Bundespressekonferenz, in dem er Platz genommen hat, war mal DDR-Territorium. Aber das ist nicht Brauns Botschaft. Vor einer Woche hat Friedrich Merz sich als CDU-Chef-Kandidat vorgestellt und dabei mit dem Hinweis auf den Standort Ostberlin begonnen. Er hat sich damit komplett vertan. Fehler Merz, Vorteil Braun.

Kurzfristig hat der 49-jährige Hesse vor zehn Tagen seine Interesse an der Parteiführung verkündet, er gilt als Überraschungskandidat. Ob er Chancen hat, ist offen.

Kopf und Herz

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Umso interessanter ist es, wen er als Teammitglieder gewonnen hat. Die bisherige nordrhein-westfälische Integrationsbeauftragte Serap Güler, 41 Jahre, Mitglied im CDU-Vorstand, soll seine Generalsekretärin werden. Die bisherige Vizechefin der Bundestagsfraktion, Nadine Schön, 38 Jahre, Expertin für Familien- und Digitalpolitik aus dem Saarland, soll Programm und Strukturen der Partei weiterentwickeln.

Zwei jüngere Frauen also, beide mit Erfahrung auf der Bundesebene, eine davon mit türkischen Wurzeln. Merz hat Christina Stumpp, neu gewählte Bundestagsabgeordnete und bisher Kommunalpolitikerin aus Baden-Württemberg, als Vizegeneralsekretärin nominiert und den Berliner Ex-Sozialsenator Mario Czaja als Generalsekretär. Der dritte Vorsitzkandidat Norbert Röttgen tritt gemeinsam mit der Hamburger Kommunalpolitikerin Franziska Hoppermann an.

Braun sagt, er könne sich nicht vorstellen, Frauen nur auf Stellvertreterpositionen zu verweisen – noch so ein Rempler gegen Merz.

Bei Braun übernimmt Güler schnell einen Teil der Vorstellung. Verlässlichkeit, Verbindlichkeit und Herzlichkeit müsse man mit der CDU verbinden, sagt sie. „Wir müssen nicht nur den Kopf, sondern auch die Herzen ansprechen.“

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Braucht es einen Merz-Moment?

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Die CDU müsse mehr soziales Profil zeigen, hat Braun zuvor als Aufgabe formuliert.

Güler buchstabiert das aus. Sie sagt, sie sei als Kind eines Bergmanns und einer Putzfrau groß geworden. „Ich weiß, was es heißt, wenn am 17. eines Monats gesagt wird: Das können wir uns diesen Monat nicht mehr leisten.“ Sie erwähnt 60-Jährige, die ihre Miete nicht mehr zahlen könnten, und 16-Jährige, die sich von der CDU nicht angesprochen fühlten.

Ist das alles nicht zu liberal, ist da nicht zu wenig von dem Merz-Moment, nach dem sich ein Teil der CDU seit Jahren so sehr sehnt? Auch ein konservatives und ein wirtschaftspolitisches Angebot wolle er machen, sagt Braun und erwähnt die Sicherheitspolitik. Güler sagt, sie habe auch sehr wertkonservative Wurzeln und finde etwa, dass der Datenschutz nicht über dem der Menschen stehen solle.

Im Bundestagswahlkampf hat sie Ärger bekommen mit der Thüringen-CDU, als sie kritisiert hat, dass dort der Ex-Verfassungsschutzchef und Parteirechtsaußen Hans-Georg Maaßen als Kandidat aufgestellt wurde. Güler nimmt das in der Pressekonferenz nicht zurück. „Sie kann diskutieren, manchmal polarisieren und auch integrieren“, sagt Braun.

Güler hat noch ein paar Merksätze dabei: „Wir brennen für das, was wir hier tun“, sagt sie. Und sie verweist auf das symbolträchtige Datum für die Vorstellung: Vor 16 Jahren ist Angela Merkel an diesem Tag erstmals zur Kanzlerin gewählt worden. „Das ist vielleicht ein gutes Omen für uns“, sagt Güler.

Sie sitzt zwischen Braun und Schön und breitet häufig die Arme aus nach beiden Seiten. Ob sie nicht selbst als CDU-Vorsitzende kandidieren wolle, fragt ein Journalist: Das habe sie sich nie überlegt, sagt Güler. So wie das Team jetzt sei, sei es gut und sie könne ihre Arbeit auch gut als Generalsekretärin machen. Braun, der Mann an ihrer Seite, schaut zumindest ein wenig verdutzt.

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