CDU-Rennen um Vorsitz: Röttgens Ehrgeiz ist Laschets Problem

  • Mit seiner überraschend angekündigten Kandidatur für den CDU-Vorsitz bringt Norbert Röttgen einiges durcheinander.
  • Hauptleidtragender ist sein alter Rivale Armin Laschet, kommentiert Andreas Niesmann.
  • Der NRW-Ministerpräsident muss sich nun neu sortieren.
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Berlin. Das Gesicht Armin Laschets am Dienstagmorgen hätte man gern gesehen.

Seit Tagen bastelt der Chef der NRW-CDU an einer gütlichen Einigung in der Frage, wer die Bundespartei künftig führen soll. Teamlösung hieß bislang das Zauberwort, alle Rivalen sollten irgendwie eingebunden werden: Der Sauerländer Friedrich Merz, der Münsterländer Jens Spahn und er, der Rheinländer Laschet, strebten an die Spitze.

Führungsstärke hätte das demonstriert, auch Handlungsfähigkeit, und ganz nebenbei hätte die CDU sich und dem Land einen quälenden Prozess nach dem “Vorbild” der SPD erspart.

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Hätte, hätte, Fahrradkette, um die Worte des früheren SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück noch einmal zu bemühen. Mit der Ankündigung, beim nächsten CDU-Parteitag für den Vorsitz zu kandidieren, hat Norbert Röttgen die Gedankenspiele seines rheinischen Landsmannes gehörig durcheinandergewirbelt.

Wechselvolle Beziehung

Ausgerechnet Röttgen. Ihn und Laschet verbindet eine wechselvolle Beziehung. Als Mitstreiter in der sogenannten Pizza-Connection kämpften die beiden Männer in den 1990er-Jahren um eine Öffnung der CDU zu den Grünen, als Konkurrenten stritten sie 2010 um die Führung des wichtigen CDU-Landesverbandes NRW.

Röttgen gewann in einem Mitgliedervotum gegen Laschet und verlor zwei Jahre später die Landtagswahl gegen SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft – jene Frau, die Laschet fünf Jahre später aus dem Amt drängen sollte.

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Die Machtfrage zwischen den beiden Rivalen sollte damit eigentlich geklärt sein, doch Röttgens Gewicht ist noch groß genug, um Laschets schönen Plan aus den Angeln zu heben. Und nicht nur das: Der Alleingang könnte dazu führen, dass sich nun auch die anderen Kontrahenten nicht mehr an eine Teamlösung gebunden fühlen.

Zu allem Überfluss steht Laschet auch noch wie jemand da, der den eigenen Landesverband nicht im Griff hat.

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Aus partizipatorischer Sicht ist wenig gegen Röttgens Kandidatur zu sagen, im Gegenteil. Sie könnte dazu beitragen, den Prozess der Führungssuche in der CDU zu demokratisieren.

Ob das der kriselnden Partei in ihrer aktuellen Lage hilft, ist allerdings keineswegs sicher. Sicher ist nur, wem es nicht hilft: Armin Laschet.


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