CDU-Frauen streiten über Prostitutions­verbot

  • Die Bundes­vorsitzende der Frauen-Union, Annette Widmann-Mauz, hat ein Verbot von käuflichem Sex gefordert.
  • Aus NRW kommt dazu Widerspruch.
  • Die Arbeit freiwillig Prostituierter solle man nicht herabwürdigen, sagt die Landtags­abgeordnete Simone Wendland.
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Berlin. Die CDU-Frauen in Nordrhein-Westfalen haben dem Vorstoß der Vorsitzenden der bundesweiten Frauen-Union für ein Prostitutions­verbot widersprochen. „Die CDU-Frauen in der FU NRW und der CDU-Landtags­fraktion sehen die Frage eines Prostitutions­verbots anders“, sagte die Rechtsexpertin im NRW-Landtag, Simone Wendland, dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND).

„Verbote treiben Frauen aus Not in die Illegalität. Die Pandemie hat gezeigt, wohin das führt. Im Lockdown war Prostitution wegen der körperlichen Nähe verboten“, betonte die Juristin. Die Prostituierten hätten nicht gewusst, wovon sie leben sollten.

Wendland betonte: „Es gibt Frauen, die sich freiwillig prostituieren und sagen: ‚Das ist mein Beruf.‘ Diese Haltung sollten wir nicht herabwürdigen oder ablehnen.“ Sie forderte aber, dass gegen Zwangs­prostitution und Menschen­handel viel schärfer vorgegangen werden müsse, als der Bund das bisher tue. „Wir fordern dazu einen nationalen Aktionsplan gegen Menschen­handel und eine nationale Bericht­erstatter­stelle“, erklärte Wendland.

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Zuvor hatte die Vorsitzende der Frauen-Union ein Verbot der Prostitution sowie gesundheitliche und psychologische Betreuung für alle Aussteigerinnen gefordert. Auf die Frage, warum aus Sicht der CDU-Frauen über Zwangs­prostitution hinaus perspektivisch generell jeder Sexkauf verboten werden solle, sagte die Vorsitzende Annette Widmann-Mauz dem RND: „Die Frage ist doch, ob der Staat die Würde der Frau und ihr Intimstes zur legalen Ware macht.“ In den meisten Fällen seien Frauen nicht freiwillig Prostituierte.

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„In Wahrheit bildet die angemeldete Prostitution nur einen Bruchteil der realen Verhältnisse ab. Und auch dort werden Frauen erniedrigt, gedemütigt, entwürdigt – und das ist durch ein Gesetz auch noch rechtlich abgesichert“, beklagte Widmann-Mauz, die auch Integrations­staats­ministerin der Bundesregierung ist. In einem ersten Schritt sollte der Sexkauf von Schwangeren und Frauen unter 21 Jahren verboten und dafür die Freier­bestrafung erweitert werden.

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Am Samstag beschäftigt sich der digitale Bundes­delegierten­tag der Frauen-Union in einem Leitantrag mit dem Thema. Kanzlerkandidat Armin Laschet tritt als Gastredner auf.

Widmann-Mauz sagte: „Die Frauen wollen wir auf ihrem Weg aus der Prostitution deutlich besser unterstützen.“ Viele Frauen seien schwer traumatisiert und benötigten zunächst gesundheitliche und psychologische Betreuung. „Manche Prostituierten sind auch drogen­abhängig. Es braucht daher sehr individuelle Konzepte und Angebote für neue berufliche Perspektiven.“

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