• Startseite
  • Politik
  • Cannabis legalisieren: Bund Deutscher Kriminalbeamter für Modellprojekte – unter Bedingungen

Bund Deutscher Kriminalbeamter für Cannabis­modellprojekte – unter Bedingungen

  • Der Bund Deutscher Kriminalbeamter spricht sich für die Entkriminalisierung von Cannabis und für Modellprojekte aus – unter bestimmten Bedingungen.
  • Nach dem Vorbild Kanada sollen Präventionsgespräche in den Abgabestellen verpflichtend sein, sagt der kommissarische Bundesvorsitzende Dirk Peglow dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).
  • Er fordert zudem eine flächendeckende Drogenprävention an Schulen.
|
Anzeige
Anzeige

In die Debatte um eine Legalisierung von Cannabis könnte jetzt Bewegung kommen: Die Sondierungsparteien SPD, Grüne und FDP haben sich vor der Bundestagswahl für eine Legalisierung ausgesprochen und könnten dies in einer Ampelkoalition auch umsetzen. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter spricht sich zwar nicht für eine Legalisierung, wohl aber für eine Entkriminalisierung von Cannabis aus. Der Besitz und Konsum von Cannabis wäre dann keine Straftat, sondern nur noch eine Ordnungswidrigkeit. „Ich kann mir ein ähnliches Vorgehen wie in Portugal vorstellen, wo mit Cannabiskonsumenten gesprochen wird und sie Zugang zu Hilfsangeboten erhalten“, sagt der kommissarische Bundesvorsitzende Dirk Peglow dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

„Die Menschen wissen gar nicht, was sie für eine Cannabismischung auf dem illegalen Markt kaufen. Das ist ein regelrechtes Überraschungspaket.“

Dirk Peglow, kommissarischer Bundesvorsitzender des Bunds Deutscher Kriminalbeamter

Eine Entkriminalisierung von Cannabis sei wichtig, weil die Androhung von Strafen beziehungsweise die Strafverfolgung nicht die richtige Antwort auf ein solches Konsumverhalten sei. „Bislang konnte auch noch kein kausaler Zusammenhang zwischen polizeilicher Verfolgung und geringerem Konsum festgestellt werden“, betont Peglow.

Anzeige
Der Tag Was heute wichtig ist. Lesen Sie den RND-Newsletter "Der Tag".

Cannabisdebatte: Modellprojekte nur unter bestimmten Bedingungen

Peglow hält Modellprojekte für sinnvoll, bei denen lizenzierte Geschäfte Cannabis an Erwachsene abgeben. Allerdings nur unter bestimmten Bedingungen: „In den Abgabestellen muss es Präventionsgespräche geben, was man mit der Vergabe von Lizenzen verknüpfen kann, wie es zum Beispiel in Kanada praktiziert wird.“ Dort müssen die Abgabestellen diese Gespräche auch nachweisen.

Die Abgabe von kontrolliertem Cannabis durch lizenzierte Verkaufsstellen sei auch im Sinne des Gesundheitsschutzes ratsam. „Die Menschen wissen gar nicht, was sie für eine Cannabismischung auf dem illegalen Markt kaufen. Das ist ein regelrechtes Überraschungspaket.“ Die THC-Konzentration sei genauso unklar wie die mögliche Beimischung und Verunreinigung mit anderen Substanzen.

Anzeige

„Wir werden durch eine kontrollierte Cannabisabgabe nicht verhindern, dass die illegalen Drogenhändler ihr Geschäft aufgeben.“

Dirk Peglow, kommissarischer Bundesvorsitzender des Bunds Deutscher Kriminalbeamter

Apotheken hält der kommissarische Kriminalbeamtenvorsitzende als Abgabestellen nicht für geeignet, da dort keine ausführliche Drogenprävention erfolgen könnte. „Es braucht geschulte Fachleute, die Konsumenten in den Abgabestellen aufklären“, sagte er im Gespräch mit dem RND. Die entsprechenden Präventions- und Beratungskonzepte müssen allerdings im Vorfeld noch festgelegt werden. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter fordert daher eine Enquetekommission aus Expertinnen und Experten, die sich auch damit beschäftigt, unter welchen Bedingungen Cannabis kontrolliert abgegeben werden darf und welche Mengen.

Anzeige

Cannabisabgabe wird illegale Drogengeschäfte nicht beenden

Peglow betont, dass illegale Drogenhändler auch weiterhin verfolgt werden müssen, wenn es zu einer legalen, kontrollierten Abgabe von Cannabis kommt. „Wir werden durch eine kontrollierte Cannabisabgabe nicht verhindern, dass die illegalen Drogenhändler ihr Geschäft aufgeben“, sagt Peglow. Die Entkriminalisierung von Cannabis dürfe den illegalen Drogenhandel nicht legalisieren. „Was derzeit illegal verkauft wird, ist schädlicher als das, was kontrolliert herausgegeben werden könnte.“

Mit Blick auf Jugendliche gibt Peglow zu bedenken: „Cannabis ist eine gefährliche Substanz, die vor allem bei Jugendlichen zu nachhaltigen Gehirnschäden führen kann.“ Deshalb sei es wichtig, dass Jugendliche nicht zu Hause Zugang bekommen. „Da ist es egal, ob zwei Gramm oder 20 Gramm Cannabis zu Hause auf dem Tisch liegen“, macht er deutlich. Der Ersteinstieg des Cannabiskonsums passiere oft in sehr jungen Jahren und sei unter Jugendlichen heute nicht mehr so außergewöhnlich wie früher.

Anzeige

Drogenprävention: Fortbildungen für Lehrkräfte verpflichtend

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter beobachtet, dass die Drogenprävention regional sehr unterschiedlich sei. Man brauche jedoch eine verbindliche Drogenprävention an allen Schulen in Deutschland, stellt Peglow klar. An vielen Orten würden die Präventionsarbeit bereits Kolleginnen und Kollegen der Rauschgiftkommissariate leisten, aber die hätten eigentlich ganz andere Dinge zu tun.

Bei der Drogenprävention durch Lehrkräfte gäbe es derzeit einen großen Flickenteppich in Deutschland. „Es ist sinnvoll, wenn die Kultusminister sich darauf verständigen, dass alle Lehrkräfte Seminare zur Drogenprävention besuchen müssen“, sagt Peglow dem RND.

Der Cannabiskonsum bei jungen Erwachsenen ist zuletzt weiter gestiegen. Das ist eines der Ergebnisse des in der vergangenen Woche vorgelegten Jahresberichts der Bundesdrogenbeauftragten Daniela Ludwig. Unter den 18- bis 25-Jährigen stieg demnach der Anteil derjenigen, die nach eigenen Angaben in den vorangegangenen zwölf Monaten mindestens einmal Cannabis konsumiert haben, zwischen 2015 und 2018/19 von 15,3 Prozent auf 24,1 Prozent.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen