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Erst nach vier Jahren unkenntlich gemacht: Soldat trägt in Bundeswehrvideo Neonazikleidung

Ein Soldat der Bundeswehr steht mit einem Sturmgewehr vom Typ G36 am Flughafen nahe des Stützpunktes in Gao im Norden Malis (Symbolbild).

Ein Soldat der Bundeswehr steht mit einem Sturmgewehr vom Typ G36 am Flughafen nahe des Stützpunktes in Gao im Norden Malis (Symbolbild).

Berlin. Fast vier Jahre lang war in einem Werbevideo der Bundeswehr aus dem Einsatzgebiet der MINUSMA-Mission in Mali ein Soldat in einer Hose der Neonazikleidungsmarke „Thor Steinar“ zu sehen. Trotz früherer Hinweise durch Zuschauer auf der Videoplattform Youtube machte die Bundeswehr das Kleidungsstück erst nach einer Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) unkenntlich.

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Mit ihren Webvideoserien will sich die Bundeswehr als „cooler“, moderner Arbeitgeber präsentieren. Mit Action, Abwechslung und einer guten Beschäftigungsperspektive. Denn die Truppe hat ein Nachwuchsproblem.

In den vergangenen Jahren hat die Bundeswehr deshalb einige Millionen Euro für Nachwuchswerbemaßnahmen ausgegeben. 1,7 Millionen Euro kostete allein die Produktion der 2016 gestarteten Videoserie „Die Rekruten“. Die Serie begleitet Rekrutinnen und Rekruten in kurzen Episoden bei ihrer Grundausbildung. Kritiker warfen der Bundeswehr vor, dabei ein unrealistisches und geschöntes Bild von sich zu vermitteln.

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Eine weitere auf der Videoplattform Youtube veröffentlichte Serie sollte 2017 einen Einblick in den Auslandseinsatz der Bundeswehr in Mali geben. Doch ausgerechnet aufgrund eines dieser Werbevideos wird die Bundeswehr nun von der Frage eingeholt, wie es um ihren Umgang mit Rechtsextremisten in den eigenen Reihen bestellt ist.

In Folge 21 begleitet die Kamera eine Übung für einen Rettungseinsatz, in dem Verletzte mit einem Helikopter geborgen werden. Außerdem werden die Vorbereitungen eines Soldaten und einer Soldatin für den „Malithon“ gezeigt – eine Sportveranstaltung mit 21-Kilometer-Lauf im Lager der MINUSMA-Truppen nahe der Stadt Gao.

Zu sehen war dabei auch die Sporthose eines Soldaten – eine Hose der rechtsextremen Kleidungsmarke „Thor Steinar“. Auf dem Hosenbein ist der Schriftzug „Nordic Brand“ der Marke zu sehen. „Thor Steinar“ ist eine der wichtigsten und die mit Abstand bekannteste rechtsextreme Kleidungsmarke in Deutschland, die von Neonazis für Neonazis vertrieben wird.

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Seit dem Erscheinen des Videos vor fast vier Jahren wiesen Zuschauer in den Kommentaren auf Youtube zweimal darauf hin, dass hier ein rechtsextremes Kleidungsstück zu sehen ist. Vom Social-Media-Team der Bundeswehr wurden diese Hinweise jedoch offenbar übersehen oder nicht beachtet.

Erst nach einer Anfrage des RND reagierte die Bundeswehr. Sie nahm das Video allerdings nicht aus dem Netz, sondern machte die Hose des Soldaten durch einen Unschärfefilter unkenntlich. So hatte sie schon 2017 das Oberteil der zweiten Soldatin verfremdet – um das darauf befindliche Logo des Sportartikelherstellers Nike unkenntlich zu machen.

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Keine Aussage bezüglich Konsequenzen für den Soldaten

Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums teilte dem RND mit, das Kleidungsstück sei dem Ministerium zuvor nicht bekannt gewesen, auch weil das Markenlogo nicht zu sehen sei. Ob der Soldat nun als Rechtsextremismusverdachtsfall überprüft wird, beantwortete der Sprecher nicht.

Ob eine Verdachtsfallbearbeitung des Militärischen Abschirmdienstes gegen einen Soldaten eingeleitet werde, hänge stets von der „Gesamtschau der vorliegenden Hinweise“ ab. Das Tragen szenetypischer Kleidung sei jedoch ein Baustein, der eine Überprüfung begründen könne.

Rechtsextremismus bei der Bundeswehr: Wehrbeauftragte sieht trotz 500 Fällen positive Entwicklung

Die Wehrbeauftragte der Bundesregierung Eva Högl hat am Dienstag ihren ersten Bericht vorgestellt.

Extremismus habe in der Bundeswehr keinen Platz, erklärte der Ministeriumssprecher weiter. Anspruch und Ziel der Bundeswehr sei es, „sowohl erkannte Extremistinnen und Extremisten als auch Personen mit fehlender Verfassungstreue aus der Bundeswehr zu entfernen beziehungsweise von ihr fernzuhalten“.

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