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Intensivstationen am Limit: Bundeswehr fliegt Covid-Patienten in andere Kliniken

  • Rund 50 schwer kranke Covid-19-Patienten sind seit Freitag in andere Kliniken verlegt worden.
  • An mehreren Verlegungen war auch die Bundeswehr mit Flugzeugen beteiligt.
  • Sie brachte mit dem „Spezial-Airbus“, der auch als „fliegende Intensivstation“ beschrieben wird, mehrere Patienten in andere Krankenhäuser.
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Stuttgart. In Bayern, Thüringen und Sachsen schaffen es die Krankenhäuser nicht mehr: Kliniken in anderen Bundesländern müssen einspringen, um wenigstens ein bisschen Entlastung auf den Intensivstationen zu schaffen.

Die seit Freitag laufende Verlegung von zunächst rund 50 schwer kranken Covid-19-Patienten in andere Bundesländer ist am Wochenende weitgehend abgeschlossen worden. Das teilte Hermann Schröder, seit Mai 2021 Vorsitzender des Arbeitskreises Rettungswesen, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung der Innenministerkonferenz, am Sonntag in Stuttgart mit. Eine Intensivstation besteht in der Regel aus zehn bis zwölf Betten. Demnach fehlen in einigen Regionen Intensivbetten in der Größenordnung von insgesamt fünf Intensivstationen.

Grundlage ist das sogenannte Kleeblatt-System für eine bundesweite Verteilung von Patienten aus Regionen, in denen der Kollaps von Krankenhäusern droht. Aus Sachsen und Thüringen waren auch Patienten dabei.

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Bundeswehr fliegt Covid-19-Patienten in andere Kliniken

Aus Bayern seien bis zum Samstag 24 Patienten verlegt worden, weitere sechs Verlegungen standen am Sonntag an, sagte Schröder. Fünf schwerkranke Corona-Patienten wurden vom Flughafen München aus nach Hamburg geflogen. Die Maschine landete am Nachmittag in der Hansestadt. Die Intensivpatienten aus Oberbayern und Schwaben sollen von Hamburg aus weiter nach Schleswig-Holstein gebracht werden, wo sie im Krankenhaus weiter intensivmedizinisch betreut werden, sagte eine Sprecherin des bayerischen Innenministeriums.

Im Einsatz dafür waren neben Intensivtransportwagen (ITW), ein Großraum-Intensivtransportwagen, Ambulanzflugzeuge und ein A 310 MedEvac Flugzeug der Bundeswehr. Dieser Spezial-Airbus, der auch als „fliegende Intensivstation“ beschrieben wird, hatte bereits am Freitag sechs Patienten von Memmingen aus nach Nordrhein-Westfalen gebracht.

Zudem wurden laut Schröder sechs Patienten aus Thüringen sowie 14 aus Sachsen in andere Länder verlegt. „Dieser bisher größte Intensivverlegungseinsatz in Deutschland hilft bei der Entlastung von Krankenhäusern in den besonders stark betroffenen Regionen“, hieß es in einer Pressemitteilung. Sachsen, Thüringen und Bayern sind von der vierten Corona-Welle besonders stark betroffen, sie weisen bundesweit die höchsten Inzidenzen auf.

Die Intensivstationen in Bayern sind wegen des hohen Infektionsgeschehens an der Belastungsgrenze. Auf den bayerischen Intensivstationen lagen laut Intensivregister am Sonntag 1053 Patienten mit einer Covid-19-Infektionen. Zur Aufnahme der Intensivpatienten hatten sich durch Vermittlung der Länder Krankenhäuser in Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland bereit erklärt.

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Umrüstung des Airbus A319 in eine "MedEvac"-Version.  @ Quelle: Bundeswehr/Maurice Heck

Eine Verlegung von Patienten mit anderen Erkrankungen ist nach einem Kriterienkatalog der Intensivmedizinervereinigung Divi nach dem Kleeblatt-System nur in Ausnahmefällen vorgesehen. Das Konzept war im Frühjahr 2020 unter dem Eindruck der ersten Corona-Welle ins Leben gerufen worden. Wenn allerdings auch in den Nachbarregionen keine Intensivbetten mehr frei sind, droht das System an seine Grenzen zu stoßen.

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In Zukunft könnten auch Verlegungen ins Ausland anstehen, sollten die Kapazitäten in Deutschland nicht mehr ausreichen, sagte der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen der „Welt am Sonntag“. „Anhand der Neuinfektionszahlen müssen wir davon ausgehen, dass Hunderte Intensivpatienten verlegt werden müssen“, sagte Dahmen der Zeitung. „Weil der Bedarf so eklatant ansteigen könnte, werden möglicherweise auch Verlegungen in EU-Nachbarstaaten notwendig“, fügte der Bundestagsabgeordnete hinzu.

RND/dpa/scs

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