Corona-Krise hat Folgen für Einsatzbereitschaft der Bundeswehr

  • Weniger Übungen und mehr Zeit zum Reparieren – die Corona-Krise hat überraschende Folgen für die Bundeswehr.
  • Die Einsatzbereitschaft der Waffensysteme habe sich wegen der Pandemie zum Teil verbessert, heißt es im Quartalsbericht des Generalinspekteurs.
  • Aber es gibt auch Probleme – und eine Entwarnung in einem Pannensektor.
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Berlin. Die weitgehende Stilllegung des öffentlichen Lebens durch das Corona-Virus hat die Bundeswehr ihren Mangel an einsatzfähigen Waffensystemen zumindest teilweise behoben. Durch verbesserte Planung habe sich die Einsatzbereitschaft Anfang des Jahres bereits bis zu zehn Prozent erhöht, heißt es im Halbjahresbericht zur materiellen Einsatzbereitschaft der Bundeswehr.

„Die Monate März/April 2020 setzen diesen Trend weiter fort, leider bisher auch durch die ersten Auswirkungen der Covid-19-Pandemie beeinflusst, da weniger Ausbildungen und Übungen in den Einheiten und Verbänden zu einem geringen Nutzungs- und Nachfrageverhalten der jeweiligen Hauptwaffensysteme führten.“

In der Bundeswehr hieß es dazu, es habe unter anderem mehr Zeit gegeben, um Reparaturen durchzuführen.

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Die Pandemie könnte aber laut Bundeswehr auch negative Auswirkungen auf die Einsatzbereitschaft haben: In einigen Bereichen gebe es „massive Störungen internationaler Lieferketten, so dass wichtige Ersatzteile fehlen“. Dies habe bereits Folgen gehabt: Der Flugbetrieb des Eurofighters habe wegen mangelnder Ersatzteile zeitweise reduziert werden müssen.

Zudem habe sich die Ablösung einer Korvette im UN-Einsatz zur Überwachung der Küsten des Libanon verzögert. Explizit hingewiesen wird darauf, dass es zu verlängerten Werftliegezeiten bei reparaturbedürftigen Schiffen kommen könne.

Gemischte Bilanz für Einsatzbereitschaft der 68 Hauptwaffensysteme

Für die Funktionsfähigkeit und Einsatzbereitschaft der 68 Hauptwaffensysteme zieht der Generalinspekteur der Bundeswehr, Eberhard Zorn, in dem Bericht eine gemischte Bilanz. Die Einsatzbereitschaft habe „in den vergangenen sechs Monaten leicht zugenommen und liegt bei knapp über 70 Prozent“. Allerdings sei diese Zahl „aufgrund der großen Streuung zwischen den einzelnen Waffensystemen nicht zufriedenstellend“.

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So könnten fabrikneue ungeschützte Lkw zu über 90 Prozent eingesetzt werden. Von den Hubschraubern stünden jedoch nur weniger als die Hälfte zum sofortigen Einsatz zur Verfügung. Die Quote liege hier bei 40 Prozent.

Gut entwickelt habe sich die Einsatzbereitschaft beim Kampfpanzer Leopard, die „endlich wieder bei über 70 Prozent“ liege. Für den Eurofighter wird die Quote mit 60 Prozent angegeben, was der Generalinspekteur ebenfalls positiv bewertet. Auch beim bislang sehr fehleranfälligen Transportflugzeug A400M habe es eine „Erhöhung der Fähigkeiten und der Verlässlichkeit“ gegeben. Zudem seien beim A400M „die Flugstunden seit 2017 vervierfacht“ worden.

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Nach wie vor stark verbesserungswürdig sei die Einsatzbereitschaft des Schützenpanzers Puma, der Betriebsstofftransporter der Marine sowie von mobilen Sanitätseinrichtungen, heißt es in dem Bericht weiter.

Als Grund für die Probleme werden in dem Bericht unter anderem Materialdefizite, veraltete Systeme, unzureichende Ersatzteil-Vorräte benannt. Ein Problem stelle auch die Wehrindustrie da: Deren Vertrags- und Liefertreue sei „eine regelmäßige Herausforderung“. Durch die Konzentration auf einzelne Rüstungsprojekte könne zudem ein Mangel an anderer Stelle entstehen. Indem man viel Geld und Personal darauf konzentriert habe, den Kampfhubschrauber Tiger zu einer Maßanfertigung zu machen, sei die Entwicklung und Pflege anderer Hubschrauber vernachlässigt worden.

Um künftig mehr Panzer, Hubschrauber und Flugzeuge zur Verfügung zu haben, hat das Ministerium unter anderem Verträge mit der Industrie verändert. Zudem soll es künftig einen 30-Tage-Vorrat an Ersatzteilen geben und Reparaturen wieder vermehrt durch die Bundeswehr erfolgen statt durch andere Firmen.

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Für ein Sorgenkind der vergangenen Jahre gibt der Bericht Entwarnung: Die Flugbereitschaft der Bundeswehr, die immer wieder mit technischen Pannen und Ausfällen aufgefallen war, habe „erneut auf dem gewohnt hohen Niveau“ gearbeitet, heißt es.

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