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  • Bundestagswahlkampf: Armin Laschets Zukunftsteam der Union kommt zu spät

Das Team der Union kommt zu spät

  • Laschet konnte am Freitag in Berlin eine vorzeigbare Mannschaft für seinen Wahlkampf präsentieren.
  • Den Trend werden die vier Männer und vier Frauen aber kaum noch umkehren können.
  • Die Umfragewerte der Union fallen gerade wie ein Steinschlag vom Berg.
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Die Truppe ist gut aufgestellt, die Kanzlerkandidat Armin Laschet nun als sein Wahlkampfteam präsentiert hat. Alles dabei, was eine Volkspartei im Wahlkampf braucht: neue Gesichter, links, rechts, Ost, West, Frauen und Männer, Etablierte und Quereinsteiger, Migrationshintergrund und CSU – Klima, Sicherheit, Wirtschaft, Bildung, Digitales, Familie, Soziales und Kultur. Gelungene Mischung.

Diese Teampräsentation wirkt dennoch wie eine Verzweiflungstat. Und dass die achtköpfige Mannschaft die Umfragewerte der Union, die gerade wie ein Steinschlag vom Berg stürzen, noch aufhalten kann, ist ungewiss.

Kein schlechtes Team, aber ein unmöglicher Zeitpunkt

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Seit Ende April weiß Laschet, dass er sich als Kanzlerkandidat der Union durchgesetzt hat und man fragt sich: Waren er und die CDU auf diesen Moment nicht vorbereitet? Ein Team hätte im Mai vorgestellt werden müssen, nicht drei Wochen vor der Bundestagswahl. Die Männer und Frauen, die nun mit ihren Themenfeldern an Laschets Seite kämpfen, sind durchaus eine gute Wahl. Abgesehen von Friedrich Merz sind sie einer breiten Öffentlichkeit aber nicht bekannt. Sie haben auch nur noch wenig Zeit, das zu ändern.

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Es drängen sich mit Blick auf die CDU gerade so viele historische Vergleiche auf, in denen Wahlkämpfe schief gelaufen sind. Martin Schulz 2017 zum Beispiel, der auch weder Programm noch Mannschaft hatte, als er überraschend für die Sozialdemokraten ins Rennen ging. Oder auch Rudolf Scharping 1994, der im Vergleich zu Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine als der weniger Kämpferische galt – so wie jetzt Laschet im Vergleich zu CSU-Chef Söder.

Aus der Defensive präsentiert Laschet nun sein Wahlkampfteam als Sturzgeburt. Es ist unklar, welche Botschaft diese acht Köpfe in den kommenden drei Wochen eigentlich senden sollen, um die zu SPD, Grünen und Liberalen flüchtenden Wählerinnen und Wähler aufzuhalten.

Inzwischen liegt die Union bei allen Umfrageinstituten zwei bis fünf Prozentpunkte hinter der SPD. Die Briefwahlen laufen schon seit drei Wochen. Die Union verhält sich wie ein unsicherer Schwimmer, der zu lange auf eine nahende große Welle starrt und nicht weiß, ob er drunter durchtauchen oder in die Höhe springen soll. Wenn man zu lange wartet, überrollt einen die Welle einfach.

Von der Welle überrollt

Laschet hat zu lange gezögert, ob er überhaupt ein solches Team aufstellt. Aus Rücksicht auf die Regierungsmannschaft hat er zunächst davon abgesehen. Die sollte nicht düpiert werden. Nun ist sie es doch, während die frisch präsentierte Mannschaft noch nicht als mögliche Regierungsriege wahrgenommen wird.

Obwohl der Trend eindeutig gegen die Union läuft, ist das Rennen wirklich nicht entschieden. Die Stimmungsumschwünge in diesem Wahlkampf sind alle schnell und überraschend gekommen. Umgekehrt muss man aber auch festhalten: Die Union wird nur mit etwas Unvorhergesehenem den Trend noch drehen können. Die Präsentation des Teams reicht da noch nicht.

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