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  • Bundestagswahl: SPD mit Scholz an der Spitze - Laschets Union auf historischem Tiefpunkt

SPD schiebt sich im Rennen ums Kanzleramt an die Spitze – die Analyse zur Forsa-Umfrage

  • Knappe sechs Wochen vor der Bundestagswahl schieben sich die Sozialdemokraten im Rennen ums Kanzleramt an die Spitze.
  • Dass Unionskanzlerkandidat Armin Laschet das Ruder noch einmal herumreißen kann, glauben immer weniger.
  • Die Union ist nach aktuellen Daten des Forsa-Instituts auf einem historischen Tiefpunkt angekommen.
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Berlin. Die Union hat ihren Vorsprung im Wahlkampf verspielt. Das Umfrageinstitut Forsa taxiert die Sozialdemokraten mit 23 Prozent erstmals seit 15 Jahren vor CDU und CSU, die nur noch auf 22 Prozent Zustimmung kommen. Der aktuell für die Union ermittelte Wert sei der schlechteste Wert, den das 1984 gegründete Institut Forsa jemals ermittelt habe, heißt es.

Die Woche nach dem offiziellen Wahlkampfauftakt 2021 der Union könnte als Wendepunkt in die Geschichte eingehen. Nach 16 Jahren Angela Merkel und drei Regierungsbeteiligungen in großen Koalitionen hat die SPD die Chance, selbst das Kanzleramt zu erobern.

Derzeit zieht ganz offensichtlich SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz seine Partei nach oben. Ausgerechnet Scholz, der einst als Scholzomat geschmähte SPD-Politiker, den noch nicht einmal seine Partei als Vorsitzenden haben wollte. Seit der frühen Ausrufung der Kanzlerkandidatur von Scholz vor gut einem Jahr gaben die SPD-Strategen aus, dass ihr Mann den großen Vorteil habe, als Vizekanzler und Finanzminister derjenige zu sein, der am ehesten die Lücke füllen kann, die Merkel hinterlassen wird.

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Die Strategie scheint aufzugehen: Scholz’ persönliche Werte sind im Vergleich zum Juni deutlich gestiegen. Auf der Skala von null bis 100 legte er sieben Punkte zu und erreicht nun einen Wert von 51. Nur CSU-Chef Markus Söder (53) und Merkel (65) liegen vor ihm. Beide stehen für den Spitzenjob im Kanzleramt nicht zur Wahl.

Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet hingegen erlebt in den Umfragen zurzeit einen freien Fall. Seine Beliebtheitswerte sanken erneut um elf Punkte auf nun nur noch 29. Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock hat ebenfalls erneut verloren und rangiert aktuell bei 33 Punkten.

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Je näher das Ende der Ära Merkel kommt, desto unübersichtlicher scheint die Verteilung der politischen Kräfte zu werden. Während der Amtszeit Merkels war die Union stets der Anker in der politischen Landschaft. Zur Regierungsbildung konnte sie sich ein oder zwei Partner auswählen. Die anderen Parteien hatten ohne Union keine echten Machtoptionen.

Video
Forsa-Umfrage: SPD erstmals seit Jahren vor Union
1:01 min
Die SPD gewinnt im Endspurt zur Bundestagswahl weiter an Fahrt. Erstmals seit Jahren ziehen die Sozialdemokraten in einer Umfrage an der Union vorbei.  © dpa

Viele mögliche Konstellationen

Das sieht nun ganz anders aus. Nach den aktuellen Daten sind unter SPD-Führung drei verschiedene Koalitionen möglich: die sogenannte Deutschland-Koalition aus SPD, Union und FDP, eine Ampel aus SPD, Grünen und FDP und ein Links-Bündnis aus SPD, Grünen und Linken. Auch die Union hätte in der Jamaika-Konstellation mit Grünen und FDP noch die Option, ein Regierungsbündnis anzuführen.

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Sollte es bei der Bundestagswahl tatsächlich ein Ergebnis geben, das eben diese Kräfteverhältnisse beschert, steht ein machtpolitisches Tauziehen bevor. Die Liberalen könnten sich in einer Ampel mit SPD und Grünen sehr teuer verkaufen. Gleiches gilt für die Grünen in einem Jamaika-Bündnis. Sondierungen und Koalitionsverhandlungen könnten erneut Monate in Anspruch nehmen.

Während Scholz seine SPD in den Umfragen nach oben zieht, kann Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet die Erwartungen seiner Unterstützer in der CDU nicht erfüllen. In den Reihen der CDU-Wahlkampfstrategen macht sich inzwischen Verzweiflung breit. Die Hoffnung schwindet, dass Laschet das Ruder noch einmal herumreißen kann.

Auch die Bevölkerung glaubt nicht an eine Trendwende. „60 Prozent der Befragten werten es als Fehleinschätzung, dass die Union noch Wähler gewinnen könnte, die aus Angst vor einer SPD-geführten Bundesregierung lieber CDU/CSU wählen würden“, heißt es in der Analyse von Forsa.

Dass er als NRW-Ministerpräsident bei dem einen Auftritt während der Flut mit seinem Lachen derart gepatzt hat, sehen viele in der Union als Laschets schwersten Fehler. Die steigenden Inzidenzzahlen in NRW gelten zudem als Hypothek für die Wochen bis zur Bundestagswahl.

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Für Scholz’ einsetzenden Höhenflug wiederum ist die Zeit günstig: Die Briefwahlen haben gerade begonnen. Der Wahltag ist nah genug, dass er sich nicht doch wieder bis zum 26. September entzaubert.

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