• Startseite
  • Politik
  • Bundestagswahl: Das sind die aktuellen Umfragewerte der Parteien

Bundestagswahl 2021 in Grafiken: die aktuellen Umfragewerte der Parteien

  • Wie schneiden die Parteien vor der Bundestagswahl im September in der Gunst der Wählerinnen und Wähler ab?
  • Hier finden Sie die neuesten Entwicklungen in den Umfragen und detaillierte Wahlergebnisse seit 1998.
  • Ein laufend aktualisierter Überblick in Grafiken.
Johannes Christ
|
Anzeige
Anzeige

Hannover. „Wen würden Sie wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre?“ Mit dieser Frage wenden sich die Meinungsforschungsinstitute regelmäßig an eine repräsentative Gruppe von 1000 bis 2000 Personen, um diese nach ihrer Wahlabsicht zu befragen. Die Institute Insa und Yougov setzen auf Onlinebefragungen, das Institut für Demoskopie Allensbach sucht den persönlichen Kontakt von Angesicht zu Angesicht, die übrigen Institute wie Forsa, Kantar und die Forschungsgruppe Wahlen setzen auf Telefoninterviews. Alle Umfragen sind Momentaufnahmen, denn bis zur Wahl kann sich noch einiges tun. Um dem tatsächlichen Ergebnis dennoch etwas näherzukommen, berücksichtigen die Wahlforscher auch langfristige Faktoren wie Grundüberzeugungen, Parteibindungen und taktischen Überlegungen.

Die folgende Grafik zeigt die jüngste Umfrage im Vergleich mit dem Wahlergebnis 2017.

Anzeige

Das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) liest fortlaufend die auf wahlrecht.de publizierten Umfragen der acht Meinungsforschungsinstitute aus und berechnet für jede Partei den Durchschnitt der vergangenen zehn Umfragen. Ausgehend vom Ergebnis der Bundestagswahl 2017 zeigt die folgende Grafik den Verlauf der Wahlabsichten bis zum aktuellen Stand vor der Bundestagswahl am 26. September 2021. Jeder Punkt entspricht einer einzelnen Umfrage. Die Linie zeigt den Durchschnittswert.

Im Verlauf der Legislaturperiode haben die Regierungsparteien CDU/CSU und SPD spürbar Zustimmung verloren. Den zwischenzeitlichen Aufschwung zu Beginn der Pandemie hat die Union mittlerweile wieder eingebüßt. Die Maskenaffäre, die anfangs schleppende Impfkampagne und der zähe Kampf um die Kanzlerkandidatur sind mögliche Gründe. Einen Teil der Verluste konnte die Partei seitdem allerdings wieder aufholen.

Die Grünen konnten in der Mitte der Legislaturperiode von den Klimaprotesten von Fridays for Future profitieren und erzielten gute Ergebnisse in der Europawahl. Derzeit sammeln sie viele enttäuschte Wählerinnen und Wähler der Union ein und bekamen nach der reibungslosen Nominierung von Annalena Baerbock als Kanzlerkandidaten viel Zustimmung. Die anschließende Kritik an nicht angemeldeten Nebeneinkünften, unkorrekten Angaben im Lebenslauf und abgeschriebenen Inhalten im Buch von Annalena Baerbock haben allerdings wieder einige Prozentpunkte in den Umfragen gekostet. Die FDP lag in der Anfangsphase der Pandemie nur knapp über der Fünf-Prozent-Hürde, hatte zuletzt aber wieder bessere Umfragewerte.

Welche Parteien eine Regierung bilden könnten

Wenn die Parteien ihre derzeitigen Umfragewerte in Wahlergebnisse ummünzen würden, wären folgende Koalitionen auf Bundesebene rechnerisch möglich. In der Auswahl sind nur Bündnisse mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit. Eine Zusammenarbeit mit der AfD beispielsweise haben die übrigen Parteien ausgeschlossen.

Als relativ wahrscheinlich gilt eine Koaltion von CDU/CSU und Grünen. Auch eine sogenannte Ampel aus Grünen, SPD und FDP und eine Jamaika-Koalition aus CDU/CSU, Grünen und FDP gilt als denkbar.

Anzeige

Wahlabsichten in der langen Sicht

Die folgende Grafik zeigt die durchschnittlichen Umfragewerte der Parteien seit 1998 und die Bundestagswahlergebnisse. Mit den Schaltern lassen sich einzelne Parteien an- und abwählen. Die Drop-down-Menüs verändern die dargestellte Zeitspanne und die dargestellten Meinungsforschungsinstitute.

Seit 1998 regierten Koalitionen aus SPD und Grünen (1998 bis 2005), Union und SPD (2005 bis 2009), Union und FDP (2009 bis 2013) und erneut aus Union und SPD (2013 bis 2021). Die einstmals große Koalition ist seit ihrer ersten Amtszeit von 70 Prozent auf rund 50 Prozent der Wählerstimmen geschrumpft und bekommt in den Umfragen derzeit nicht einmal mehr eine Mehrheit.

Vom Niedergang der Volksparteien, insbesondere der SPD, profitieren die kleineren Parteien in unterschiedlichem Maß. Die FDP verpasste zwischenzeitlich sogar den Einzug in den Bundestag, hatte bei der Wahl 2017 aber immerhin wieder ein zweistelliges Ergebnis. Die AfD wurde neu gegründet und zog 2017 mit 12,6 Prozent erstmals in den Bundestag ein.

Die Grünen holten 2017 mit 8,9 Prozent zwar deutlich weniger Stimmen bei Wählerinnen und Wählern, konnten seither aber am stärksten in der Wählergunst zulegen und lagen im Juni 2019 erstmals in den Umfragen vor der Union. Die Linke liegt zwar meist komfortabel über der Fünf-Prozent-Hürde, konnte sich aber darüber hinaus kaum steigern.

Anzeige

Wo die Parteien ihre Hochburgen haben

Die Wahlkarte hat sich seit 1998 deutlich gewandelt. Während die SPD bis 2005 noch weite Teile Deutschlands vor allem im Norden und Osten nach Zweitstimmen für sich entscheiden konnte, ist die Parteifarbe im Jahr 2017 nur noch im Ruhrgebiet und in Nordhessen flächendeckend zu sehen. Die meisten übrigen Regionen konnte die Union für sich entscheiden. Nur einige Wahlkreise in Ostdeutschland fielen an Linke, Grüne und AfD, die damit erstmals auf der Wahlkarte in Erscheinung trat.

Die folgende Karte zeigt die Bundestagswahlergebnisse in den Wahlkreisen seit 1998. Mit den Pfeilen lassen sich die einzelnen Wahljahre auswählen. Darunter lässt sich zwischen dem Ergebnis nach Erst- und Zweitstimmen hin- und herschalten. Neben der Färbung nach der stärksten Partei lassen sich auch die Ergebnisse einzelner Parteien anzeigen. Das jeweils beste und schlechteste Ergebnis ist hervorgehoben.

Das Bundesgebiet ist 2021 wie seit 2002 üblich in 299 Wahlkreise eingeteilt. Dabei werden die Wahlkreise so zugeschnitten, dass in jedem Wahlkreis etwa gleich viele Bürgerinnen und Bürger leben, um die Gleichmäßigkeit der Repräsentation zu gewährleisten (etwa 250.000). Im Vergleich zur Bundestagswahl 2017 wurden deshalb 17 Wahlkreise neu abgegrenzt.

Bei Bundestagswahlen haben die Wählerinnen und Wähler zwei Stimmen: Mit der Erststimme wählen sie einen Kandidaten ihres Wahlkreises (Direktmandat), mit der Zweitstimme wählen sie die Landesliste einer Partei. Entscheidend für die späteren Kräfteverhältnisse im Parlament sind dabei die Zweitstimmen, nach deren Verhältnis die Sitze an die Parteien verteilt werden.

Die Erststimme soll hingegen sicherstellen, dass jeder Wahlkreis in Deutschland mindestens einen Abgeordneten entsendet, sodass Bürgerinnen und Bürger sich bei regionalen Belangen direkt an diesen Abgeordneten wenden können. Es kann zu Überhangmandaten kommen, wenn die eine Partei mehr Direktmandate holt, als ihr nach der Anzahl der Zweitstimmen zustehen. Dieses Wahlsystem wird auch als „personalisiertes Verhältniswahlrecht“ bezeichnet.

Wie die Parteien in den Ländern abschneiden

Neben der Bundestagswahl werden in unterschiedlichen Abständen 16 Landtage gewählt. Am 26. September 2021 beispielsweise werden gleichzeitig zur Bundestagswahl die Landtage in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und voraussichtlich Thüringen gewählt. Die folgenden Grafiken zeigen die Stimmenanteile der Parteien in den Landtagswahlen und in den entsprechenden Umfragen in den einzelnen Bundesländern. Klicken Sie auf „größere Zeitspanne“, um sich eine längerfristige Entwicklung anzeigen zu lassen.

Während im Bund bisher der Regierungschef bzw. die Regierungschefin die meiste Zeit von der CDU und einige Jahre von der SPD gestellt wurde, sieht das Bild in den Ländern etwas vielfältiger aus. In Baden-Württemberg etwa regiert der Grüne Winfried Kretschmann, in Thüringen der Linke Bodo Ramelow. In Sachsen konkurriert die AfD mit der CDU darum, die stärkste politische Kraft zu werden. Bisher ist aber keine Partei bereit, zusammen mit der AfD eine Regierung zu bilden.

RND

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen