Scholz gegen Baerbock, Maaßen in Suhl: auf diese Wahlkreise blickt Deutschland

  • Bei der Bundestagswahl entscheidet sich, wie das kommende Parlament aussehen wird.
  • In 299 Wahlkreisen hoffen die Direktkandidierenden der Parteien, mit den Erststimmen in den Bundestag gewählt zu werden.
  • Das RND zeigt, welche Wahlkreise besonders im Fokus stehen.
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Hannover/Berlin. Deutschland wählt einen neuen Bundestag. Rund 60.000 Wahllokale haben am Sonntag um 8 Uhr ihre Türen geöffnet. Knapp 60,4 Millionen Bürger können noch bis 18 Uhr Erst- und Zweitstimme abgeben und damit über die Zusammensetzung des neuen Bundestags zu entscheiden. Wie wird das kommende Parlament aussehen? Welche Partei wird stärkste Kraft? In den Umfragen liegt die SPD knapp vor der Union – und auch in einigen der 299 Wahlkreise geht es für die Direktkandidaten eng zu. Das RedaktionsNetzwerk (RND) zeigt die Kreise, auf die Deutschland besonders aufmerksam schaut.

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Wahlkreis 7 – Pinneberg

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Dem Wahlkreis Pinneberg wird nachgesagt, er sei so etwas wie das deutsche Kanzlerorakel. Seit 1953 stellte die Partei, die den Wahlkreis für sich entschied, auch den Bundeskanzler. Für die CDU geht am Sonntag Michael von Abercron ins Rennen, der 2017 die Nase vorn hatte. Für die SPD tritt der frühere schleswig-holsteinische SPD-Landesvorsitzende, Minister und Fraktionschef Ralf Stegner an, den es von der Landes- in die Bundespolitik zieht.

Wahlkreis 15 – Rügen/Vorpommern

Wer tritt künftig Merkels Erbe im Wahlkreis 15 an? Seit 1990 holte die scheidende Bundeskanzlerin achtmal unangefochten das Direktmandat. An ihre Stelle ist nun Georg Günther getreten. Der 33-jährige Finanzbeamte war bislang in der Kommunalpolitik tätig. Nun will Günther, der sich laut „taz“ im liberalen denn konservativen Flügel der CDU sieht, den großen Sprung nach Berlin schaffen. Konkurrenz kommt dabei besonders von der AfD. Bei der vergangenen Bundestagswahl 2017 bekam der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Leif-Erik Holm, 19,2 Prozent der Stimmen im Wahlkreis.

Die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel (l, CDU) und ihr Nachfolger im Wahlkreis 15, Georg Günther (CDU). © Quelle: Stefan Sauer/dpa
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Wahlkreis 61 – Potsdam

Der Wahlkreis 61 dürfte bei der diesjährigen Bundestagswahl der prominenteste aller Wahlkreise sein. In Potsdam treten mit Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) gleich zwei Kanzlerkandidierende direkt gegeneinander an. Es geht nicht nur um den Wahlsieg, sondern auch um das Direktmandat. Ein Prestigeduell zwischen den womöglich bald in einer Koalition zusammenarbeitenden Spitzenkandidaten. Denn beide Kandidierenden werden sicher über die Landeslisten in den Bundestag einziehen.

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Vor vier Jahren gewann die damalige SPD-Kandidatin Manja Schüle mit 26 Prozent denkbar knapp gegen Saskia Ludwig von der CDU. Baerbock, die bereits zum dritten Mal antritt, kam 2017 auf 8 Prozent. Im Gegensatz zu Scholz, der erst 2018 in die Havel-Stadt zog und nun zum ersten Mal kandidiert, kennt sie die Stadt besser. Schon 10 Jahre lebt sie Potsdam. Es wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen erwartet.

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Wahlkreis 84 – Berlin-Treptow/Köpenick

Zwei prominente Bewerber um das Direktmandat gibt es auch im Berliner Wahlkreis 84. In Treptow-Köpenick tritt nicht nur Deutsch­lands erfolgreichste Winter­sportlerin, Eisschnellläuferin Claudia Pechstein an. Auch Linken-Urgestein Gregor Gysi will es noch einmal wissen. Seit 2005, immer unangefochten, holt der 73-Jährige den Sieg im Wahlkreis mit um die 40 Prozent der Erststimmen und 20 Prozent Abstand zum nächst­platzierten Kandidaten, der stets von der CDU kam. Für seine Partei Die Linke könnte Gysi und sein Direkt­mandat vielleicht noch dringender brauchen, als sie es jetzt wahr­haben will. In den Umfragen taumelt die Partei der Fünf-Prozent-Schwelle entgegen. Drei Direkt­mandate aber würden selbst bei deren Unter­schreiten für den Wieder­einzug reichen.

Wahlkreis 101 – Köln-Leverkusen

Die Corona-Pandemie war ein Sprungbrett für SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Interviews, Talkshows und seine rege Twitter-Präsenz verschafften ihm jede Menge Aufmerksamkeit als Pandemieerklärer. Doch an Lauterbach eckt damit auch an. An ihm scheiden sich die Geister – auch innerhalb seiner Partei. Mit Landeslistenplatz 23 ist eher geradezu angewiesen auf das Direktmandat im Wahlkreis 101.

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Doch in Köln-Leverkusen bekommt es der medienaffine SPD-Mann mit der Laschet-Vertrauten Serap Güler aus der CDU zu tun. Sie ist in der nordrhein-westfälischen Landesregierung die Staatssekretärin für Integration. In ihrer Partei wird Güler als Nach­wuchs­hoffnung und Anwärterin auf ein Regierungs­amt auch auf Bundes­ebene gehandelt. Vor allem durch ihre deutliche Positionierung gegen Kopftücher bei jungen Mädchen machte sie bundesweit von sich reden.

Wahlplakate der im Wahlkreis 101 Direktkandidierenden Karl Lauterbach (SPD) und Serap Güler (CDU). © Quelle: dpa

Wahlkreis 196 – Suhl-Schmalkalden

Kaum ein Politiker in der Union ist derzeit umstrittener als Hans-Georg Maaßen. Der CDU-Mann, seines Zeichens Ex-Verfassungsausschusschef, wird nachgesagt, zum rechten Flügel der Partei zu gehören. Seine Direktkandidatur löste deutschlandweit Empörung aus, auch in der eigenen Partei. Zuletzt sorgte er für Aufmerksamkeit, als er bei einem Wahlkampfauftritt zusammen mit Ex-SPD-Politiker und Buchautor Thilo Sarrazin („Deutschland schafft sich ab“) auf der Bühne zusammenkam.

Im Südthüringer Bundestagswahlkreis 196 tritt er gegen den SPD-Kandidaten Frank Ullrich an, der sich vor seiner Politikkarriere als Olympiasieger, Weltmeister und Bundestrainer im Biathlon einen Namen machte. Zwischen den beiden Kandidaten wird ein enges Rennen erwartet. Sogar aus Reihen der CDU und der Grünen wurde empfohlen, Ullrich zu wählen, um Maaßen zu verhindern.

Wahlkreis 244 – Nürnberg-Nord

Mit Tessa Ganserer (Grüne) könnte die erste Transfrau in den Bundestag einziehen. Der Wahlkreis 244 – Nürnberg-Nord – ist seit 2002 zwar fest in CSU-Hand, doch in diesem Jahr haben auch SPD-Kandidatin Gabriela Heinrich und die angesprochene Grünen-Kandidatin Tessa Ganserer reelle Chancen, das Direktmandat zu holen. In der Heimat des bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder schien der CSU-Kandidat Sebastian Brehm in Prognosen abgeschlagen. Vor vier Jahren erreichte er 31,3 Prozent der Wählerstimmen. Doch die CSU schwächelte zuletzt arg in den Umfragen.

Ganserer, die sich vor drei Jahren als transgeschlechtlich äußerte, hat dagegen einen hohen Bekanntheitsgrad. Seit 2013 im bayrischen Bundestag vertreten, könnte sie im Erfolgsfall eines der ersten Direktmandate für die Grünen in Bayern holen.

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