• Startseite
  • Politik
  • Bundestags-Kunstwerk “Archiv der deutschen Abgeordneten” misst DDR Parlamentarier

30 Jahre nach letzter Volkskammerwahl: Abgeordnete vergessen

  • Das Bundestags-Kunstwerk “Archiv der deutschen Abgeordneten” verzeichnet 5000 Namen frei gewählter deutscher Abgeordneter von 1919 bis 1999.
  • 256 Namen von Parlamentariern der letzten DDR-Volkskammer fehlen – darunter sind Persönlichkeiten wie die 2001 verstorbene Sozialdemokratin Regine Hildebrandt.
  • Grünen-Abgeordnete fordern von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU), endlich Abhilfe zu schaffen.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Am 18. März jährt sie sich zum 30. Mal – die Wahl der letzten DDR-Volkskammer. Sie hatte besondere Bedeutung, denn es war die Letzte. Und: Es war eine freie Wahl.

Der Bundestag würdigt diese frei gewählten deutschen Parlamentarier nicht anständig, kritisieren nun 23 Grünen-Abgeordnete um Parteichefin Annalena Baerbock und Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt in einem Schreiben an das Bundestagspräsidium, das dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

Kritikpunkt ist die Installation “Archiv der deutschen Abgeordneten” des französischen Künstlers Christian Boltanski, die 5000 Namen frei gewählter deutscher Abgeordneter von 1919 bis 1999 verzeichnet. 256 Namen von Parlamentariern fehlen – darunter sind Persönlichkeiten wie die 2001 verstorbene Sozialdemokratin Regine Hildebrandt oder Jens Reich vom Neuen Forum.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Mehrere erfolglose Bitten

Nach mehreren erfolglosen Bitten bei Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU), das Fehlen zu korrigieren, sind seitens des Bundestags inzwischen die Internetpräsentation des “Archives” angepasst und die zugehörigen Flyer modifiziert wurden. Den Grünen reicht das aber nicht.

18.03.1990, Leipzig: DDR-Bürger stehen in einem Wahllokal in Leipzig bei der Stimmzettelvergabe an. © Quelle: picture alliance / dpa

Sie kritisieren, dass am Ort des “Archives” bislang immer noch nicht darauf hingewiesen wird, dass die 256 “vergessenen” Abgeordneten der frei gewählten Volkskammer zu den demokratisch gewählten Abgeordneten gehören.

Anzeige

“Ein Jahr hatte der Künstler Christian Boltanski Zeit, sein Werk zu ergänzen”, heißt es in dem Schreiben. “Ein Jahr hatten Sie Zeit, vor Ort eine Einordnung und Ergänzung vorzunehmen, ohne das Kunstwerk selbst zu verändern. Beides ist offensichtlich nicht geschehen.”

Die Grünen schlagen deshalb vor, “einen künstlerischen Wettbewerb auszurufen, um im Umfeld des ‘Archives’ die 'vergessene’ Wahl sowie die darob ‘vergessenen’ Abgeordneten darzustellen und die Umstände des ‘Vergessens’ aufzuarbeiten”.

Anzeige

“Keine falsche Geschichte”

Der Initiator bei den Grünen, Stefan Gelbhaar, sagt: “Gerade die Wahl vom 18. März 1990 in der DDR hat eine für ganz Deutschland enorme geschichtliche Relevanz. Die Installation darf nicht weiter eine falsche Geschichte erzählen.”

Schäuble hatte bislang argumentiert, dass es sich beim “Archiv der deutschen Abgeordneten” um ein Kunstwerk und keine wissenschaftliche Arbeit handele.

Am 5. April 1990 hatte sich die frei gewählte Volkskammer konstituiert.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen