Wird die FDP den ungeliebten Platz neben der AfD los?

  • Wie in der Schule geht es auch im neuen Bundestag um die Sitzordnung.
  • Die FDP will den ungeliebten Platz neben der AfD loswerden und mehr in die Mitte des Plenums rücken.
  • Kann ihr das gelingen?
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Berlin. Wer sitzt neben wem? Das ist nicht nur im Klassenraum zu Beginn eines jeden Schuljahres eine sensible Frage, sondern auch im neu gewählten Bundestag. Das gilt in beiden Fällen insbesondere dann, wenn es jemanden gibt, neben dem niemand sitzen möchte.

Die FDP-Fraktion wäre in der neuen Legislaturperiode ihren Platz neben der AfD gern los. Die Abgeordneten der Liberalen hätten schon beim letzten Mal gern woanders gesessen, aber mussten den Platz nehmen, den ihr die anderen zuwiesen. Am liebsten würde die FDP jetzt den Platz mit der CDU tauschen und damit weiter in der Mitte des Plenums sitzen. Denn in der Mitte sieht sich die FDP auch politisch.

FDP: Sprüche der AfD oft „unerträglich“

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Die AfD sitzt im Bundestag – vom Platz des Bundestagspräsidenten aus gesehen – ganz rechts, daneben bislang die FDP, dann die Union, die Grünen, die SPD und ganz links die Linksfraktion. Zu den Erfahrungen als Sitznachbar der AfD heißt es aus der FDP-Fraktion, man habe schon vorhergeahnt, dass es „gruselig“ werden würde. Im Bundestagsalltag seien die Sprüche aus den Reihen der AfD-Fraktion oft „einfach unerträglich“ gewesen, insbesondere für weibliche Abgeordnete.

Dieses Modell zeigte bei der Ausstellung zum Tag der Deutschen Einheit in Halle die Sitzverteilung des Deutschen Bundestags vor der Wahl am 26. September. Neben den gelben Figuren der FDP befinden sich die blauen der AfD. © Quelle: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/

Doch auch die Union will ihren Platz in der Mitte des Plenums nicht aufgeben, sondern an der bisherigen Sitzordnung festhalten. Dem Vernehmen nach hat der amtierende Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) eine neue Sitzordnung vorgeschlagen, in der sich an der Sitzordnung der Parteien grundlegend nichts ändern soll – außer dass, angepasst an das Wahlergebnis, die Zahl der Sitze in der ersten Reihe geändert werden soll.

Aus Bundestagskreisen ist zu hören, dass die konstituierende Sitzung des Bundestags am 26. Oktober noch in der alten Anordnung der Fraktionen stattfinden soll. Auch die FDP dringt zurzeit offenbar noch nicht auf eine schnelle Entscheidung. Momentan seien die Sondierungsgespräche mit Sozialdemokraten und Grünen vorrangig, heißt es aus der FDP-Fraktion.

Bei einer Ampelkoalition könnte sich die Ordnung ändern

Damit ist aber auch klar: Wenn die Gespräche über eine Ampelkoalition auf den Weg kommen, ist der Tausch der Plätze mit der Union für die FDP greifbar. Denn dann würden SPD und Grüne sicherlich ihr Gewicht einbringen, um dem Koalitionspartner den Wunsch zu erfüllen. Die Fraktionen der neuen Regierung würden dann auch nebeneinandersitzen. Das wäre im Vergleich zur letzten Legislaturperiode eine ganz neue räumliche Nähe zwischen den Regierungsparteien.

Denn trotz der Zusammenarbeit in der großen Koalition saßen im Bundestag zwischen Union und SPD in den vergangenen vier Jahren die Grünen.

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