• Startseite
  • Politik
  • Bundesliga ab Mai fortzusetzen widerspricht Vernunft und Gerechtigkeit

Eine Fortsetzung der Bundesliga widerspricht Vernunft und Gerechtigkeit

  • Mehrere Ministerpräsidenten haben vorgeschlagen, die Saison der Fußball-Bundesliga ab dem 9. Mai zu Ende zu spielen.
  • Zwar könnte dies manche Vereine vor der Insolvenz retten.
  • Unser Kommentator Markus Decker fände den Schritt trotzdem nicht akzeptabel.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Könnte es etwas Schöneres geben, als an einem dieser sonnigen Frühlingstage abends mal wieder den Fernseher einzuschalten und ein Spiel der Fußball-Bundesliga zu gucken? Vielleicht mit Freunden im Garten. Irgendjemand schmeißt den Grill an. Und alle jubeln, wenn – sagen wir - Erling Braut Haaland den Lederhosen-Bayern den Ball rechts oben in den Winkel donnert, unhaltbar für Manuel Neuer. Für 90 Minuten dieses ganze Corona-Ding bei einem kalten Bier vergessen - das wär’s.

Soweit der Traum. In der Wirklichkeit darf es das nicht geben.

Ein schöner Traum

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Sicher, wenn das runde Leder neun Spieltage wieder rollen könnte, dann würde damit womöglich der eine oder andere von insgesamt 13 existenzbedrohten Liga-Klubs vor der Insolvenz bewahrt. Es würde obendrein ein wenig Normalität simuliert in einer Welt, in der es gerade verdammt wenig Normalität gibt. Doch es geht hier nicht um Fußball. Es geht um Vernunft. Und um Gerechtigkeit.

+++Immer aktuell: Hier geht’s zum Corona-Liveblog+++

Das politisch propagierte Prinzip der Vernunft sagt, dass wir jetzt bitteschön alle noch zu Hause bleiben sollen. Dieses Prinzip wird mittlerweile aber längst von vielen Seiten durchlöchert. Nachdem zunächst nur von der Öffnung der Autohäuser die Rede war, sollten es bald auch die Möbelhäuser sein. Gottesdienste, sagen Kirchenvertreter, müssten ebenfalls wieder stattfinden. So wird das neue Prinzip der Vernunft dem alten Prinzip der Partikular-Interessen geopfert und verliert an Überzeugungskraft.

Video
Chronologie des Coronavirus
2:47 min
Der Beginn des verheerenden Coronavirus war vermutlich ein Tiermarkt in Wuhan/China. In nur wenigen Wochen erreichte das Virus auch Europa.  © RND
Anzeige

Man kann das im vorliegenden Fall sehr schön an jenen Ministerpräsidenten sehen, die sich für eine Fortsetzung der Bundesliga-Saison stark machen. Sie kommen aus Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen - und damit exakt aus jenen Ländern, in denen die ersten fünf der Tabelle beheimatet sind. Das ist weniger als die ganze Erklärung. Aber es ist gewiss mehr als reiner Zufall.

Womit wir bei der Gerechtigkeit wären. Wer will einer alleinerziehenden Mutter erklären, dass sie sich weiter daheim um ihre kleine Tochter kümmern muss, weil die Kita geschlossen bleibt, während ausgerechnet Fußball-Millionäre wieder ihrer Arbeit nachgehen dürfen? Wer vor allem will rechtfertigen, dass die Bundesliga-Klubs bis zu 20.000 Corona-Tests verbrauchen dürften, obwohl diese Tests weiter knapp sind? 20.000 Tests sollen jetzt in den Altenheimen des Saarlandes gemacht werden, wo es bereits 48 Corona-Tote gab.

Anzeige

Missbrauch von Tests

Nein, das passt nicht zusammen.

Zu diesem Schluss tragen die Profi-Fußballer selbst bei. Dieser Tage stand zu lesen, dass der eingangs erwähnte Bayern-Torwart Manuel Neuer künftig 20 Millionen Euro haben wolle - pro Jahr. Und zwar wohl auch deshalb, weil Stürmer Robert Lewandowski ähnlich viel bekommt. Sorry, das ist nicht vernünftig. Das ist auch nicht gerecht. Das ist in Zeiten, in denen es auf die Beachtung von Vernunft und Gerechtigkeit mehr denn je ankommt, einfach untragbar.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen