Bundesinnenministerium warnt vor Corona-Müdigkeit und Gewalt

  • Die Deutschen gehen die Einschränkungen ihres Alltags durch Regierungsregeln in der Corona-Pandemie diszipliniert an.
  • Die Durchhaltefähigkeit der Bevölkerung gerate jedoch an ihre Grenzen, warnt ein Papier aus dem Innenministerium.
  • Es könnten sich Denunziantentum und Rücksichtslosigkeit breitmachen.
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Berlin. In einem Strategiepapier des Bundesinnenministeriums über die Folgen der Beschränkungen in der Corona-Krise wird davor gewarnt, dass „die Durchhaltefähigkeit der Bevölkerung" an ihre Grenzen gerate. Das berichtet der “Tagesspiegel”, der aus dem Papier zitiert.

Danach sei damit zu rechnen, „dass die derzeit bestehende hohe Zustimmungsrate für die Maßnahmen massiv sinkt und die Notwendigkeit, Sinnhaftigkeit und rechtliche Zulässigkeit der Maßnahmen deutlich hinterfragt wird“.

Die in der beginnenden warmen Jahreszeit gegebenen Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien würden „die Anordnung des Verbleibs in engen Wohnungen zusätzlich in Frage stellen“.

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Warnung vor Verrohung

In dem Papier wird davor gewarnt, dass die massiven Einschränkungen und die hohe Anspannung zu „Phänomenen wie Denunziantentum – wer verstößt gegen die Corona-Regeln? – und einer Verrohung der Gesellschaft führen“ könnten. Bereits jetzt seien „Egoismus, Rücksichtslosigkeit sowie Widerstand gegen die Staatsgewalt“ zu beobachten, warnen die Autoren um Staatssekretär Markus Kerber.

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Sie weisen auf weitere Risiken hin:

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  • Erschöpfung und Stress durch familiäre Enge,
  • Überforderung von Eltern und Alleinerziehenden schulpflichtiger Kinder,
  • Anstieg häuslicher Gewalt gegen Frauen und Kinder,
  • wirtschaftliche Existenzängste,
  • Spätschäden beim Gesundheitspersonal in Form posttraumatischer Belastungsstörungen,
  • steigender Alkoholkonsum sowie
  • die mögliche Zunahme von Suiziden.

Je kürzer, desto besser

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Im Bundesinnenministerium gelte die Faustregel „Je kürzer die Isolationsphase, desto besser für die psychische Gesundheit“, zitiert die Zeitung.

Darum plädieren die Ministerialen für eine einheitliche und verständliche Kommunikation der Bundesregierung für den Fall, dass die Beschränkungen über das Ende der Osterferien hinaus aufrechterhalten werden müssen. „Alle Regierungsmitglieder müssen die gleiche Botschaft senden, sonst wird das Vertrauen in die Richtigkeit der Maßnahmen erschüttert” steht in dem Papier.

An der derzeitigen Situation sei positiv, dass „gutes Ansehen der Art des Krisenmanagements der Bundesregierung in der Bevölkerung“ vorhanden sei. Das fördere „ein positives Staatsverständnis“, heißt es. Die in den vergangenen Jahren entstandene „Aversion gegen den Staat ist bereits jetzt auf dem Rückzug“.

Die Ministerialen erkennen zudem „neue Formen der Solidarität“ und die Erkenntnis, dass alle Teile der Bevölkerung unabhängig vom individuellen Einkommen verletzlich seien.

RND

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