• Startseite
  • Politik
  • Bundesgesundheitsminister Spahn zur Corona-Lage: „Es ist noch nicht vorbei, es werden harte Wochen“

Bundesgesundheitsminister Spahn zur Corona-Lage: „Es ist noch nicht vorbei, es werden harte Wochen“

  • Der Bundesgesundheitsminister ruft zu weiteren Anstrengungen bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie auf.
  • Er räumt ein, dass er gern mehr Impfstoff hätte.
  • Auch RKI-Chef Wieler und Virologe Drosten informieren über den Verlauf der Pandemie.
Luisa Wellenbrock
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Bevölkerung zu weiteren Anstrengungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie aufgerufen. „Es ist noch nicht vorbei. Auch nach einem Jahr nicht, auch wenn wir uns das alle wünschen“, sagte Spahn am Freitag in der Bundespressekonferenz in Berlin.

Die Zahlen der leicht rückläufigen Neuinfektionen in den vergangenen Tagen seien ermutigend. „Wir sehen eine erste Entlastung.“ Zugleich sei das Gesundheitssystem aber weiter belastet.

Video
Trotz sinkender Corona-Zahlen: Spahn mahnt in Pandemie zur Geduld
1:57 min
"Die Zahlen entwickeln sich in die richtige Richtung, aber sie sind noch auf einem zu hohen Niveau", sagt der CDU-Politiker in Berlin.  © Reuters
Anzeige

Aus Sicht des Gesundheitsministers ist die Null-Covid-Strategie für Deutschland nicht geeignet. Grund dafür sei die zentrale Lage in Europa. „Deswegen sehe ich Null als dauerhafte Zielmarke nicht als das, was in einem Land wie Deutschland mit unserer Lage und Situation funktionieren könnte.“ Die Initiative „Zero Covid“ hatte sich zuletzt mit diesem Ziel für einen kompletten Shutdown europaweit starkgemacht.

RKI-Chef Wieler: „Bedrückende, schier unfassbare Zahl“

Er räumte ein, auch er hätte gern mehr Impfstoff. Es gebe aber auch Hoffnung. 60 Prozent der alten Menschen seien bereits geimpft, die ersten hätten jetzt die Zweitimpfung erhalten. Er setze auf Entspannung im Sommer. Spahn sagte: „Ich bitte, machen Sie jetzt mit. Es werden noch harte Wochen. Aber wir werden gestärkt aus dieser Krise herausgehen.“

Spahn kam mit dem Präsidenten des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, dem Virologen Christian Drosten und Gernot Marx, Präsident Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), in die Pressekonferenz.

Anzeige

Wieler mahnte, nach wie vor seien die Fallzahlen zu hoch. Wieler sagte über die hohen Todeszahlen, das sei eine „bedrückende, schier unfassbare Zahl“. Er appellierte an die Bürgerinnen und Bürger, die Maßnahmen weiter konsequent umzusetzen, und das Impfangebot wahrzunehmen.

Über die Impfdosen sagte er: „Sie sind sicher. Sie sind verträglich und sie schützen.“ Er bemühte sich aber auch um Zuversicht. Wie Spahn betonte er, Deutschland sei auf einem guten Weg.

Der RKI-Chef antwortet auf die Frage nach der Inzidenzzahl der Influenza im Vergleich zu Covid-19: „Wir haben derzeit kaum Influenza-Fälle, das ist sehr schön und zeigt, dass die Maßnahmen auch vor anderen Viren schützen.“ Leider sei das Coronavirus eben durch die Aggressivität und die Ansteckung vor den ersten Anzeichen der Krankheit ein schwieriger Fall.

Drosten: Mutierter Virus mit Reiseverkehr eingeschleppt

Im Hinblick auf eine mögliche Lockerung des Lockdowns im Februar äußerte sich Spahn zurückhaltend. „Wichtig ist die Situation in den Pflegeheimen“, so der Bundesgesundheitsminister. Alles werde Schritt für Schritt durchdacht.

Anzeige

Virologe Drosten gab an, das mutierte Virus sei vermutlich über die Weihnachtsfeiertage mit dem Reiseverkehr eingeschleppt worden – und zwar nicht nur aus England. Man müsse die Virusmutation jetzt ernst nehmen.

Zur Frage nach aufkommenden Zweifeln am PCR-Test für den Nachweis einer Corona-Infektion stellt Drosten klar: „Es gibt keinerlei Zweifel an der Glaubwürdigkeit dieses Tests.“ Grundlage für die Nachfrage in der Bundespressekonferenz war ein Dokument der Weltgesundheitsorganisation.

Marx informiert über die derzeitige Lage der medizinischen Versorgung. Er sprach von einer extremen Belastung des Pflegepersonals und der Ärzte. Er mahnte: „Wir sind noch weit weg von einer Situation, von der man als Entspannung sprechen kann.“

Die Pandemie und wir In unserem Newsletter ordnen wir die Nachrichten der Woche, erklären die Wissenschaft und geben Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.

Manche Patienten blieben 90 Tage in der Klinik. Die Infektionszahlen müssten drastisch reduziert werden. Marx sagte: „Wir müssen verhindern, dass es zu einer dritten Welle kommt, ohne dass wir die zweite Welle bewältigt haben.“ Der Kurs müsse sein: „Kontakt vermeiden und impfen.“

Nach Angaben des Gesundheitsministers rechnet die Regierung mit einer Zulassung des Impfstoffs des Herstellers Astra Zeneca am Ende der kommenden Woche. Damit würde bereits im Februar ein deutlicher Unterschied bemerkbar werden, so Spahn weiter. Die Bundesregierung werde vorerst an der bisherigen Impfstrategie festhalten, anderweitige Vorschläge, beispielsweise von der Barmer oder ähnlichen Unternehmen, würden derzeit geprüft.

Anzeige

50.000 Menschen mit Corona gestorben

In Deutschland sind seit Beginn der Pandemie mehr als 50.000 Menschen im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben.

Die deutschen Gesundheitsämter meldeten dem Robert-Koch-Institut (RKI) 859 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden, wie das RKI am Freitagmorgen bekannt gab.

Damit stieg die Gesamtzahl der Todesfälle auf 50.642. Vor genau einer Woche waren 1113 neue Todesfälle binnen 24 Stunden verzeichnet worden. Der Höchststand von 1244 neuen Todesfällen war am 14. Januar erreicht worden.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen