Ostbeauftragter stellt neues Konzept vor

Neue Zahlen: zu wenig Ostdeutsche an der Spitze von Bundesbehörden

Carsten Schneider, Beauftragter der Bundesregierung für Ostdeutschland.

Carsten Schneider, Beauftragter der Bundesregierung für Ostdeutschland.

Berlin. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider (SPD), hat einen Mangel an Ostdeutschen in der Spitze von Bundesbehörden beklagt – und will mithilfe eines am Mittwoch vorgestellten Konzepts gegensteuern. 13,9 Prozent der Führungskräfte in obersten Bundesbehörden sind der von Schneider initiierten aktuellen Erhebung zufolge gebürtige Ostdeutsche. Ohne Berlin liegt dieser Anteil sogar nur bei 7,5 Prozent – bei einem 20-prozentigen Anteil der Ostdeutschen an der Gesamtbevölkerung. Dabei sinkt der Anteil der Ostdeutschen mit der nächsthöheren Hierarchieebene. „Je höher man kommt, desto dünner wird die Luft“, sagte Schneider.

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Die Zahlen decken sich mit anderen Untersuchungen der letzten Jahrzehnte. Hier war die ermittelte Unterrepräsentanz von Ostdeutschen teilweise noch gravierender. „Es gibt gläserne Decken, und diese Decken sind aus Panzerglas“, kritisierte der Ostbeauftragte. So rekrutierten sich Eliten stets aus sich selbst heraus, nach Ähnlichkeiten. Hier liege „keine bewusste Diskriminierung“ der Ostdeutschen durch die Westdeutschen vor, sondern eine unbewusste, sagte er. Dennoch müsse Abhilfe geschaffen werden.

Eine Ostquote lehnte der aus Thüringen stammende SPD-Politiker ab. Diese sei nicht rechtssicher. So gelten in seinem Konzept zwar Ostdeutsche als Menschen, die in Ostdeutschland geboren wurden. Dieses Raster erfasse aber nicht alle, betonte er. So kam etwa Altkanzlerin Angela Merkel in Hamburg zur Welt und übersiedelte bereits als Säugling mit ihren Eltern in die DDR. Unterhalb der Schwelle einer Quote lässt sich laut Schneider manches tun.

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Erster Schritt: Problem erkennen

Er will die Westdeutschen für das Problem sensibilisieren. So sagten viele von ihnen noch heute: „Es gibt kein Problem.“ Ferner sprach sich Schneider dafür aus, die Zahlen nicht allein auf Bundesebene weiter und noch intensiver als bisher zu erheben. „Ich hoffe sehr, dass das von den Ländern und den kommunalen Gebietskörperschaften nachgearbeitet wird“, sagte er und mahnte eine gezieltere Personalpolitik an.

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Schließlich möchte der Ostbeauftragte anderen Ostdeutschen Mut machen, sich für Spitzenpositionen zu bewerben. In Fällen zum Beispiel, in denen ihr Englisch womöglich „nicht ganz perfekt“ sei, sollten Interessenten „trotzdem ihren Hut in den Ring werfen“. Schneider stellte fest: „Den Mut zum Einfordern muss man haben.“

Über das Thema einfach hinwegzugehen sei falsch. „Eine bessere Repräsentation und die öffentliche Sichtbarkeit von Ostdeutschen in Führungs­positionen gerade auch in der Bundesver­waltung können das Vertrauen in die Demo­kratie stärken und die Akzeptanz auch für schwierige politische Entscheidungen erhöhen“, heißt es in dem von Schneider verantworteten Konzept. Zudem nehme sich das vereinigte Deutschland ein „Potenzial an guten Leuten“, wenn es Ostdeutsche nicht ausreichend berücksichtige, und die Regierung nehme sich eine bessere Entscheidungsgrundlage, wenn es ostdeutsche Erfahrungen außer Acht lasse. Ziel muss aus der Sicht des Ostbeauftragten sein, dass mehr Ostdeutsche sagen könnten: „Das ist auch mein Land.“

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