Bund und Länder einig: Astrazeneca wird für alle freigegeben

  • Gegenüber dem Impfstoff von Astrazeneca gibt es Vorbehalte in der Bevölkerung.
  • Viele wollen sich damit aber impfen lassen.
  • Deshalb soll die Priorisierung für das Vakzin aufgehoben werden.
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Berlin. Der Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmaunternehmens Astrazeneca wird bundesweit für alle Impfwilligen freigegeben.

Das kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag nach Beratungen mit seinen Ressortkollegen aus den Ländern mit.

Die Freigabe gilt für die Impfung in einer Arztpraxis. Zudem wird es dem impfenden Arzt freigestellt, in Absprache mit dem Impfwilligen den Abstand zwischen der ersten und der zweiten Impfung innerhalb eines Zeitraumes von vier bis zwölf Wochen festzulegen. Bislang gilt generell eine Zwölf-Wochen-Frist.

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Zudem rechnet Spahn mit einer baldigen Zulassung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer auch für Kinder ab zwölf Jahren.

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Bund gibt AstraZeneca ohne Priorisierung frei
1:22 min
Bundesgesundheitsminister Spahn hat die Aufhebung der Impfpriorisierung von AstraZeneca bekanntgegeben.  © Reuters

EMA kann im nächsten Monat entscheiden

Spahn sagte, wenn nichts Unvorhergesehenes geschehe, könne die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) im nächsten Monat eine entsprechende Entscheidung treffen.

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Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hätten vereinbart, dass sich die Länder bereits jetzt an die Erarbeitung von Impfkonzepten für die Jüngeren machen, um jedem Zwölf- bis 18-Jährigen bis Ende August ein Impfangebot machen zu können, sollte die Zulassung im Juni kommen.

Das Mittel von Biontech ist derzeit für Menschen ab 16 Jahren zugelassen.

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Für die Impfstoffe neben Astrazeneca gilt nach dem Beschluss weiterhin die Impfreihenfolge, nach der besonders gefährdete Gruppen zuerst immunisiert werden. Die Priorisierung soll insgesamt nach Aussage der Bundesregierung voraussichtlich im Juni aufgehoben werden. In den meisten Bundesländern wird derzeit schon die letzte Priorisierungsgruppe 3 geimpft.

Hirnvenenthrombosen in seltenen Fällen

Beim Impfstoff von Astrazeneca war nach seltenen Fällen von Hirnvenenthrombosen nach der Impfung die Impfempfehlung geändert worden. Das Mittel soll vor allem an über 60-Jährige verabreicht werden, weil die seltene Nebenwirkung vor allem bei Jüngeren und dabei vor allem bei Frauen aufgetreten war. Auch Jüngere können sich aber nach Rücksprache mit dem Arzt mit Astrazeneca impfen lassen. Einige Bundesländer hatten die Priorisierung für den Impfstoff bereits aufgegeben.

Gegen das Präparat des britisch-schwedischen Pharmakonzerns gibt es teils erhebliche Vorbehalte. Es wird nach dem Auftreten von Blutgerinnseln im Gehirn bei jüngeren Geimpften nur noch für über 60-Jährige eingesetzt. Andererseits gibt es viele Jüngere, die sich gerne damit impfen lassen würden, aber in der Impfreihenfolge noch nicht dran sind.

Bisher haben 29,5 Prozent der Bevölkerung zumindest eine Impfung erhalten. 8,3 Prozent sind vollständig geimpft, haben also erforderlichenfalls auch eine zweite Impfung erhalten.

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Die Ständige Impfkommission (Stiko) befürwortet zunächst weiter eine bevorzugte Impfung besonders gefährdeter Gruppen gegen Covid-19. „Nach Ansicht der Stiko sollte an der Priorisierung zunächst festgehalten werden“, teilte das Gremium am Robert Koch-Institut am Donnerstag mit.

Hohe Impfbereitschaft

Es gebe bei anhaltend hoher Impfbereitschaft einen „noch beträchtlichen Anteil an impfbereiten Personen mit hohem Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf, die noch keine Möglichkeit zur Impfung hatten“.

So seien rund 45 Prozent der 70- bis 79-Jährigen und fast 70 Prozent der 60- bis 69-Jährigen bisher nicht geimpft (Stand: 28. April). Es handelt sich allein in diesen beiden Gruppen nach Stiko-Angaben um 10,8 Millionen Menschen.

Auch bei jüngeren Vorerkrankten sei nur etwa ein Viertel einmal geimpft. Wenn zunehmend Impfstoff verfügbar werde, könnten in den nächsten Monaten verschiedene Gruppen parallel geimpft und Priorisierungsstufen regional zeitversetzt angepasst werden, erklärte die Kommission.

Priorisierung sinnvoll

„Dennoch ist eine Priorisierung weiterhin sinnvoll.“ Die Stiko appelliere an die Solidarität der Ärzteschaft und der gesamten Bevölkerung, „bis auf Weiteres vorrangig besonders gefährdeten Personen eine Impfung zu ermöglichen“.

Das Gremium verteidigte die getroffene Priorisierung: Dies habe dazu beigetragen, dass besonders gefährdete Menschen zuerst geimpft wurden „und dadurch schwere Covid-19-Verläufe und Todesfälle deutlich reduziert werden konnten“.

Bewohner von Pflegeheimen seien mittlerweile nahezu komplett mindestens einmal geimpft, bei den Menschen ab 80 Jahren seien es 80 Prozent. Befragungsstudien des RKI hätten ergeben, dass drei Viertel des Personals in medizinischen Einrichtungen einmal geimpft seien. „In den am höchsten priorisierten Gruppen sind damit bereits große Fortschritte erzielt worden.“

RND mit dpa

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