Spionage für Russland: Bulgarien entlarvt Agentennetz

  • Bulgarien hat eine Gruppe entlarvt, die für Russland spioniert haben soll.
  • Dabei handelt es sich um fünf aktuelle oder frühere Militärs.
  • Einen ähnlichen Fall habe es seit der kommunistischen Machtergreifung 1944 nicht gegeben, sagt Generalstaatsanwalt Iwan Geschew
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Sofia. Im Nato- und EU-Staat Bulgarien soll erstmals eine organisierte Gruppe aufgedeckt worden sein, die für Russland spioniert hat. Festgenommen wurden fünf jetzige und frühere bulgarische Militärs, wie die Sprecherin des Generalstaatsanwalts, Sijka Milewa, am Freitag sagte. Unter den Festgenommenen sei auch ein früherer Militärattaché, der jetzt das Register für klassifizierte Information beim bulgarischen Parlament leitet.

Die Ermittlung des Falls sei von „besonderer Bedeutung“ für die nationale Sicherheit von Bulgarien, der EU, der Nato und den USA, betonte Generalstaatsanwalt Iwan Geschew vor der Presse. Einen ähnlichen Fall habe es seit 1944 nicht gegeben, sagte er in Anspielung auf die kommunistische Machtergreifung in Bulgarien.

Chef der Spionagegruppe sei ein früherer hochgestellter Mitarbeiter der Militäraufklärung des bulgarischen Verteidigungsministeriums, sagte die Sprecherin weiter. Dieser sei bei der russischen Militäraufklärung ausgebildet worden. Seine Aufgabe sei gewesen, ein „illegales Agenturnetz“ aufzubauen. Er habe Personen angeworben, die Zugang zu klassifizierter Information über Bulgarien, die Nato und die EU hätten.

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Aufdeckung kurz vor Parlamentswahl im April

Zum Spionagering gehörte demnach auch seine Ehefrau mit bulgarischer und russischer Staatsangehörigkeit und guten Kontakten zur russischen Botschaft in Sofia. Der Presse wurden abgehörte Telefonate zwischen dem Chef der Gruppe und seiner Frau sowie Videos vorgeführt, die vor ihren Besuchen bei Russlands Botschaft aufgenommen worden seien.

Das Nato- und EU-Mitglied Bulgarien hat wegen Spionage wiederholt russische Diplomaten zu unerwünschten Personen erklärt, zuletzt Ende 2020. Dies führte zu Verstimmung zwischen Russland und Bulgarien, das im früheren Ostblock als engster Verbündeter Moskaus galt.

Das Außenministerium in Sofia begrüßte die Aufdeckung des Spionageringes: „Wir sind nicht zum ersten Mal Zeugen von Handlungen ausländischer Botschaften, die unvereinbar mit der Wiener Konvention über diplomatische Beziehungen sind und bezeichnen diese Fälle als unzulässig“, heißt es in einer Erklärung.

Die Aufdeckung des Spionagerings erfolgt kurz vor der Parlamentswahl in Bulgarien am 4. April. Dabei tritt erstmals eine sich offen als prorussisch präsentierende Partei auf. Der Chef der Bewegung der Russlandfreunde in Bulgarien, der wegen Spionageverdachts für Russland angeklagt ist, wurde vom russischen Präsidenten Wladimir Putin mit einem Orden ausgezeichnet.

RND/dpa

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