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Mindestens 72 Tote, Plünderungen, Bürgerwehren: Südafrika kommt nicht zur Ruhe

  • Brutale Gewalt hat Teile Südafrikas im Griff.
  • Es gab Tote und Verletzte, das Militär wurde zur Unterstützung der Polizei entsendet.
  • Nun formiert sich ziviler Widerstand – die Frage nach der Ursache der Gewalt bleibt aber offen.
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Johannesburg. Nach tagelangen gewalttätigen Protesten und Plünderungen mit mindestens 72 Toten in Teilen Südafrikas formiert sich in einigen Provinzen ziviler Widerstand.

Aus Townships rund um Städte wie Kapstadt, Mahikeng oder East London kamen Berichte über zivile Anwohnergruppen, die ihre Infrastruktur gegen Plünderer zu schützen versuchten. Nachdem es Polizeiberichte zu einem Übergreifen der Plünderungen auf weitere Provinzen gab, formierten sich dort Gegenbewegungen. Dennoch gab es weitere Berichte über Plünderungen.

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Tote und Plünderungen in Südafrika
1:23 min
Bei den tagelangen Ausschreitungen in Südafrika sind nach Angaben der nationalen Sicherheitskräfte bislang mehr als 70 Menschen getötet worden.  © Reuters
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Zulu-König fordert Ende des Chaos

Der 47-jährige Monarch der in der betroffenen Provinz KwaZulu-Natal lebenden Volksgruppe der Zulu, König Misuzulu, forderte in einer landesweit übertragenen Rede ein Ende des Chaos. „Es hat große Schande über uns gebracht; das Volk meines Vaters begeht Selbstmord“, meinte er. Die Plünderungen müssten umgehend aufhören.

Der König hat großen Einfluss in der Zulu-Bevölkerung, der auch Ex-Präsident Jacob Zuma angehört. Er war nach dem Tod seines Vaters erst vor kurzem inthronisiert worden. „Ich rufe die Zulu-Nation auf, sich von der Zerstörung unserer Nation Südafrika zurückzuziehen“, forderte er. Sie zerstöre die Wirtschaft des Landes und auch zahlreiche Jobs der Armen. Vor dem Hintergrund wachsender Spannungen rief er auch dazu auf, die starke indischstämmige Bevölkerung in KwaZulu-Natal als Brüder und Schwestern zu behandeln.

In dem Ort Vosloorus im industriellen Zentrum rund um Johannesburg (Gauteng-Provinz) distanzierte sich der Vorsitzende des regierenden Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) von Behauptungen, die Gewalt sei ein Protest gegen die Inhaftierung des früheren ANC-Vorsitzenden, Ex-Präsident Jacob Zuma.

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„Einkaufskomplexe niederzubrennen hat nichts mit Zuma zu tun, aber eine Menge mit Kriminalität“, sagte er vor laufender Kamera. Auf die Frage nach einer möglichen Begnadigung Zumas meinte er: „Inmitten einer Krise blinzelt man nicht.“ Kriminelle sabotierten die Grundlage der Wirtschaft und zerstörten eine Infrastruktur, die den Armen letztlich ihre Jobs nehme.

Somalier wiederholt Ziele von Attacken

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Das mittlerweile zur Unterstützung der Polizei mobilisierte Militär wurde laut Regierungsangaben vor allem an strategischen Punkten rund um Krankenhäuser und Flughäfen, aber auch im Township Alexandra bei Johannesburg stationiert. Während der Unruhen wurden auch mindestens vier Ausländer aus Somalia getötet und weitere verletzt.

Wie das somalische Außenministerium am Dienstag zudem bestätigte, wurden auch zahlreiche somalische Geschäfte in der Provinz KwaZulu-Natal geplündert. Somalische Händler waren in der Vergangenheit bei Übergriffen in Südafrika wiederholt Ziel von Attacken. Das somalische Außenamt appellierte daher an Südafrikas Regierung, somalische Staatsbürger vor brutalen Übergriffen zu schützen.

Bürgerwehren in der Heimatprovinz Jacob Zumas

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Auch die Afrikanische Union (AU) rief angesichts der Gewalt dringend zu einer Wiederherstellung der Ordnung auf. Bürgerwehren in Zumas Heimatprovinz KwaZulu-Natal sowie der Gauteng-Provinz versuchten, ein Überschwappen der Gewalt in die Wohnviertel zu verhindern.

Dort wurden ganze Gewerbegebiete geplündert und in Brand gesteckt. Neben Baumärkten, Imbissen, Elektrogeschäften und Supermärkten wurden auch Kliniken und Impfzentren attackiert, was zu einer Unterbrechung der Covid-19-Impfungen führte. Zudem drohen Versorgungsengpässe.

Begonnen hatten die Krawalle als eine Form des Protestes gegen die Inhaftierung des Ex-Präsidenten Jacob Zuma; innerhalb weniger Tage entwickelten sie sich dann aber zu großflächigen Ausschreitungen.

Zuma war wegen Missachtung der Justiz zu einer Haftstrafe von 15 Monaten verurteilt worden, die er vor einer Woche antrat. Er muss sich vor einer Untersuchungskommission wegen verschiedener Korruptionsvorwürfe während seiner Amtszeit (2009-2018) verantworten, war aber einer Vorladung nicht gefolgt.

RND/dpa

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