Brückenbauer verzweifelt gesucht

  • Die Eskalation zwischen Israel und Palästinensern geht weiter.
  • Ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht.
  • Wer könnte jetzt vermitteln?
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

erinnern Sie sich noch an die Bilder aus dem zweiten Golfkrieg? Ich ja: Er war eines der ersten großen Nach­richten­ereig­nisse, die ich bewusst erlebt habe. Die grünstichigen Nachtaufnahmen, in denen leuchtende Raketen durch den Nacht­himmel fliegen, liefen damals, 1990/1991, im Fernsehen hoch und runter. Später brannten und qualmten die Ölfelder in der irakischen Wüste in den TV-Nachrichten.

Welche Bilder werden von der aktuellen Gewalteskalation zwischen den Palästinensern und Israel im Gedächtnis bleiben? Beeindruckend sind die Aufnahmen der israelischen Raketenabwehr Iron Dome. Wie Feuerwerk zischen die Geschosse über den Städten, um die Raketen der palästinensischen Extremisten abzufangen. Im wahrsten und bittersten Sinne des Wortes erschütternd sehen die Detonationen der Raketen aus, die in Gebäude einschlagen.

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Video
Israel: Die Gewalt eskaliert weiter
2:01 min
Nach Angaben Israels wurden hochrangige Hamas-Vertreter getötet.  © Reuters

Was von der Eskalation bleiben wird, hängt entscheidend davon ab, wann sie endet. Für einen wie auch immer gearteten Frieden und Ausgleich spricht im Moment wenig. Das liegt auch an der Lage der potenziellen Vermittler.

Für US-Präsident Joe Biden kommt der Konflikt zur Unzeit, schreibt unser US-Korrespondent Karl Doemens. Seine Administration hat bisher nicht einmal einen Botschafter in Israel. Und in seiner Partei gibt es linke Stimmen, die einen strengeren Ton gegenüber der israelischen Regierung fordern. Auch deshalb wollte sich Biden eigentlich zunächst auf andere außenpolitische Felder konzentrieren. Als erfolgreicher Brückenbauer zwischen Israel und Palästina scheidet er aktuell aus.

Bilder wie die vom lächelnden Bill Clinton, der Pate steht für einen historischen Handschlag zwischen Rabin und Arafat – noch so eine Kindheitserinnerung – scheinen aktuell unrealistisch.

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Und Deutschland? Das Existenzrecht Israels ist und bleibt deutsche Staatsräson. Der Versuch, den blutigen Konflikt di­plo­ma­tisch zu entschärfen als Deutschland, als Europa und als Teil der westlichen Wertegemeinschaft, muss weiter an erster Stelle stehen, kommentiert Eva Quadbeck, Leiterin des Berliner RND-Büros und stellvertretende RND-Chef­redak­teurin. Gleich­zei­tig erinnert sie daran, dass wir im eigenen Land unsere Hausaufgaben zu erledigen haben: Auf Anti-Israel-Demonstrationen in mehreren deutschen Städten ist offener Antisemitismus zur Schau gestellt worden. Das muss sich ändern.

Wer also soll die Brücken bauen zwischen den Konfliktparteien? Der Nahostkonflikt sei in seiner Komplexität an einem Punkt angekommen, an dem Europa und die USA ihn nicht werden lösen können, schreibt Quadbeck. „Die Lösung muss in der Region selbst liegen.“

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Zitat des Tages

Ich bitte euch: Das ist ein Tagesgeschäft, wir bekommen ständig auf die Fresse, wenn es nicht läuft, jetzt gönnt uns doch einfach den Abend, um das zu genießen.

Edin Terzic, Trainer von Borussia Dortmund, nach dem Pokalgewinn zu seiner Zukunft beim Verein
Dortmunds Trainer Edin Terzic (Mitte) feiert gemeinsam mit seinen Spielern den Gewinn des DFB-Pokals. © Quelle: Getty Images

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Video
35 Jahre Fernsehgarten, 35 Jahre heile Welt
6:53 min
Vergangenen Sonntag ist der „ZDF-Fernsehgarten“ in seine neue Saison gestartet. Tatsächlich flimmert diese Sendung seit inzwischen 35 Jahren über die Bildschirme.  © RND

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1770 Kilometer will der Schauspieler und Boutiquenbetreiber Rocco Stark im Ostseebad Boltenhagen laufen. Mehr als 800 hat er schon geschafft. Die Hüfte schmerzt, doch er macht weiter, berichtet die „Ostsee-Zeitung“.

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In Berlin beginnt der Parteitag der FDP. Der Vorsitzende Christian Lindner gibt heute seinen Rechenschaftsbericht ab. © Quelle: imago images/Political-Moments
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Der Podcast des Tages: Die Wochentester

Diese Themen „testen“ Wolfgang Bosbach und Christian Rach in dieser Woche:

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Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Christian Palm

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