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Brasilien, Nicaragua, Weißrussland: Drei Virusverächter bleiben hart

  • Die Präsidenten von Brasilien, Nicaragua und Weißrussland schlagen alle Warnungen vor dem Coronavirus in den Wind.
  • Können Jair Bolsonaro, Daniel Ortega und Alexander Lukaschenko das politisch überleben?
  • Die bedrückende Antwort lautet: Ja. Denn ihre Kritiker in Politik und Medien sind schwach.
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Jair Bolsonaro, der rechtspopulistische Präsident Brasiliens, wurde dieser Tage vor laufenden Kameras von Journalisten auf die Tatsache angesprochen, dass es immer mehr Corona-Tote in seinem Land gebe.

Antwort: “Na und? Ich trauere um sie. Was wollen Sie noch?”

Dann ließ Bolsonaro noch ein kleines Wortspiel folgen. Unter Hinweis auf seinen zweiten Vornamen sagte er: “Ich bin ein Messias, kann aber keine Wunder vollbringen.”

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Unter allen Virusverächtern weltweit, die derzeit höchste Staatsämter bekleiden, ist Bolsonaro der mit der größten Wirkung – und der größten Bevölkerung. In Brasilien leben mehr als 210 Millionen Menschen, unter anderem in den dicht besiedelten Megastädten Rio de Janeiro und São Paulo.

In vielen Teilen des Landes werden derzeit Massengräber ausgehoben, um rasch die vielen Toten zu beerdigen, über deren genaue Zahl die Behörden keine Auskunft geben können – die Dunkelziffer soll enorm sein. Aber schon die offiziellen Totenzahlen aus Brasilien liegen inzwischen weit über denen, die China gemeldet hatte.

Wirtschaft oder Leben? Bolsonaro gibt eine klare Antwort

Wochenlang hatte Bolsonaro die weltweiten Vorsichtsmaßnahmen gegen das Virus als “verrückt” abgetan und als “Hysterie”. Seinen Gesundheitsminister, der eine strengere Linie forderte, feuerte er. Inzwischen schlägt Bolsonaro zwar andere Töne an. Ausdrücklich aber hält er daran fest, dass die Wirtschaft des Landes Priorität habe.

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"Ich bin ein Messias, kann aber keine Wunder vollbringen": Brasiliens rechtspopulistischer Präsident Jair Bolsonaro. © Quelle: Eraldo Peres/AP/dpa

Gouverneure in den Provinzen gehen aber auf Gegenkurs, ebenso die Bürgermeister mehrerer Städte. Anhänger Bolsonaros riefen zu Protestmärschen auf, seine Gegner ebenso. Zu einem ernsten Konflikt kam es am 19. April, als Anhänger Bolsonaros die Schließung des Obersten Gerichtshofs und eine Wiederherstellung der Militärdiktatur forderten. Bolsonaro begrüßte die Demonstranten mit den Worten: “Ihr seid hier, weil ihr an Brasilien glaubt.” Später ging er auf Distanz zum Anliegen der Demonstranten, die Demokratie abzuschaffen. Die Justiz leitete Ermittlungen gegen die Organisatoren der Demonstration ein. Brasiliens Militär stellt sich, bislang jedenfalls, auf die Seite derer, die die demokratische Verfassung achten. Beobachter sagen aber, niemand wisse, wie lange dies alle noch gut gehe.

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Wirtschaftsexperten sagen für Brasilien einen steilen Absturz voraus, mit vielen Millionen Arbeitslosen. Bolsonaro will die Shutdown-Politiker in den Provinzen dafür verantwortlich machen, die Opposition zeigt mit dem Finger auf Bolsonaro und gibt ihm und seiner mangelnden Präventionspolitik die Schuld. Die Verteilungs- und Machtkämpfe dürften in nächster Zeit zu neuen Eruptionen von Gewalt führen – wobei Rio und São Paulo schon jetzt weltweite Rekordplätze bei den Mordraten belegen.

In Nicaragua deutet unterdessen der linke Präsident Daniel Ortega das Coronavirus auf seine ganz eigene Weise: als “Zeichen Gottes”. Die ganze Welt werde nun darauf aufmerksam gemacht, dass die USA, “die zu wenig Geld ausgeben für Gesundheit und zu viel für Rüstung”, auf dem falschen Weg seien. In Nicaragua dagegen, wo das Gesundheitswesen exzellent sei, werde das öffentliche Leben natürlich weitergehen wie bisher.

"Ein Zeichen Gottes gegen die USA": Daniel Ortega, Präsident von Nicaragua, mit seiner Frau Rosario Murillo.

Zum Entsetzen von Experten aus aller Welt lässt Ortega sogar Fußballspiele und Partys zu. Über diesen Leichtsinn beschweren sich sogar ehemalige linke Freunde in Havanna: “Wie viele Menschen müssen in Nicaragua sterben, bevor die Regierung Ortega aufwacht?”, fragte der aus Nicaragua stammende Epidemiologe Leonel Arguello in einem aufrüttelnden Beitrag für die “Havana Times”.

In Weißrussland bleibt Präsident Lukaschenko dabei, dass sich das Virus leicht mit Wodka bekämpfen lässt. Seinen Landsleuten sagte er: “Mit Wodka solltet ihr nicht nur die Hände waschen, sondern ihr solltet auch 40 bis 50 Milliliter pro Tag trinken.”

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Viruskrise? Welche Viruskrise? Alexander Lukaschenko, Präsident von Weißrussland, trägt einen Hund in einem umgehängten Behälter und pflanzt junge Bäume auf einem Feld ein, während eines Subbotniks, eines Säuberungstags nach sowjetischem Vorbild. © Quelle: Maxim Guchek/POOL BelTa/AP/dpa

Beobachter in Minsk berichten aber, dass immer mehr Menschen vorsorglich zu Hause bleiben oder Masken tragen. Anders als Russlands Präsident Wladimir Putin könne Lukaschenko es sich schon aus finanziellen Gründen nicht leisten, Arbeitnehmer in bezahlten Urlaub zu schicken. Er fürchte eine Wirtschaftskrise mehr als viele Tote. Das habe auch damit zu tun, dass das Regime Arbeitslosigkeit nicht verheimlichen könne. Dagegen sei beim Tod älterer Leute oder Vorerkrankter nie mit Gewissheit zu sagen, was genau die Todesursache gewesen sei. Lukaschenko habe es ausdrücklich untersagt, öffentlich über einen Zusammenhang zwischen dem Tod eines Menschen und einer möglichen Infektion durch das Coronavirus zu spekulieren.

RND

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