Brandbeschleuniger bei der Feuerwehr

  • Fünf von sieben Vizechefs des Deutschen Feuerwehrverbandes opponieren gegen ihren Präsidenten – auch weil er klar gegen die AfD ist.
  • Schon einmal haben sich deutsche Feuerwehren in den Dienst einer menschenverachtenden, zerstörerischen Ideologie gestellt.
  • Das darf nie wieder passieren, kommentiert Jörg Köpke.
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Berlin. Die Feuerwehr genießt in der Gesellschaft ein ähnlich hohes Ansehen wie die Polizei. Ihre 1,3 Millionen Mitglieder in Berufs- und Freiwilligenwehren löschen Brände und retten Leben. Sie werden gerufen und kommen zu jeder Tages- und Nachtzeit – unabhängig von Hautfarbe, Religion oder politischer Vorliebe der in Not geratenen Menschen.

Gerade weil die Feuerwehren so sehr in der Mitte von Gemeinden und Städten verankert sind, weil sie als Kümmerer gelten, werden sie zunehmend zum Ziel der extremen Rechten. Wer in der Mitte nach Stimmen fischen will, muss in Vereine und Verbände gehen. Das hat die AfD, die sich so gern das Etikett „bürgerlich“ anhängt, längst erkannt.

Hartmut Ziebs fordert einen Verhaltenskodex für Feuerwehrleute

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Umso dringlicher ist es, dass sich der Deutsche Feuerwehrverband klar gegen rechtsextreme Tendenzen in den eigenen Reihen abgrenzt. Nicht mehr und nicht weniger hat Verbandspräsident Hartmut Ziebs vor einigen Wochen vorgeschlagen, eine Art Verhaltenskodex für Feuerwehrleute. Doch genau das soll ihm nun zum Verhängnis werden. Er soll die parteipolitische Neutralität verletzt haben. Fünf von sieben Vizepräsidenten fordern seinen Rücktritt, wohl auch weil er eine Frau mit türkischen Wurzeln zur Bundesgeschäftsführerin gemacht hat.

Der Fall wirft einen Schatten auf die Feuerwehr. Er zeigt, wie tief die radikale Rechte auf ihrem Marsch in die Mitte der Gesellschaft schon gekommen ist. Es wird sich nicht vermeiden lassen, dass auch die Feuerwehr ein Spiegelbild der Gesellschaft darstellt. Auch unter ihren Mitgliedern wird es Anhänger der AfD geben, gemäßigte und radikale. Wer bei der Feuerwehr ist, darf Uniform tragen. Auch das mag einige Kreise anziehen.

Die Gegner einer klaren Abgrenzung zu rechtsextremen AfD-Sympathisanten sollten gehen

Die Aufgabe der Bundesspitze muss darin liegen, die breite Mehrheit der verfassungstreuen Mitglieder von den extremen Rändern zu trennen. Wenn Vizepräsidenten die Ablösung ihres Vorsitzenden fordern, weil dieser vehement gegen rechtsextreme Tendenzen in den eigenen Reihen vorgeht, unterstützen sie die nationalradikale und völkische Unterwanderung einer so wichtigen gemeinnützigen Organisation wie der Feuerwehr.

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Nicht Präsident Ziebs sollte sich einem Abwahlantrag stellen müssen, sondern jene fünf Gegner, die nicht verstanden haben oder verstehen wollen, dass sie sich zum Brandbeschleuniger einer gesellschaftlichen Radikalisierung machen. Schon einmal in der deutschen Geschichte haben sich Feuerwehren auf die Seite einer menschenverachtenden, zerstörerischen Ideologie gestellt. Das darf nie wieder passieren.