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Branchenverbände fordern klares Bekenntnis der Politik zum Erdgasauto

  • Die Zahl der erdgasbetriebenen Fahrzeuge in Deutschland steigt.
  • Der Rohstoff verursacht im Verkehr bis zu 25 Prozent weniger CO₂ als Benzin.
  • Dennoch fehle ein klares Bekenntnis der Politik, kritisieren Branchenverbände.
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Berlin. Mit klaren Forderungen an die Politik gehen die großen Branchenverbände der Gasindustrie in ein zweitägiges Symposium, das am Dienstag und Mittwoch in Berlin stattfindet. Im Jahr 2020 stellte Erdgas fast 27 Prozent der Energie zur Verfügung, die in Deutschland verbraucht wurde. Und auch der Anteil an mobiler Energie wächst, aber längst nicht so, wie sich das die Branche wünscht.

„Obwohl wir mit Erdgas und Wasserstoff in unterschiedlichsten Formen eine echte Alternative zur CO₂-Emission durch Diesel- und Benzinfahrzeuge bieten, wird das beispielsweise im Pkw-Sektor viel weniger beworben als die E-Mobilität“, kritisierte Gerald Linke, Geschäftsführer des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW), der von 14.000 Mitgliedern, darunter 3400 Firmen, getragen wird.

Es sei ein toller Erfolg, dass im vergangenen Jahr fast 10.000 Erdgasfahrzeuge neu zugelassen worden sind und davon etwa 1300 Lkw-Zugmaschinen, aber die Politik lasse den notwendigen Pragmatismus vermissen und verunsichere Autohalter und Logistikunternehmen mit komplizierten Diskussionen, sagte Linke beim Branchengespräch mit der Presse am Montag. So würden Menschen zu halbherzigen Hybridlösungen greifen, statt etwas zu nehmen, was es gibt und was funktioniert: Erdgas.

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Bislang nur drei Hersteller

Der Unternehmer René Reinert, Inhaber von Reinert Logistik Cottbus, berichtete aus eigener Erfahrung von der schrittweisen Umstellung seiner Fahrzeugflotte auf Gas. Von 550 schweren Lkw in dem Unternehmen fahren schon 300 mit LNG. Dabei handelt es sich um verflüssigtes aufbereitetes Erdgas, das nur etwa ein Sechshundertstel des Volumens von normalem Erdgas aufweist.

Der Bund fördert direkt den Kauf eines LNG-Lkw, es gibt eine Befreiung von der Lkw-Maut und von der Mineralölsteuer. Da zunächst aber das Tankstellennetz bundesweit klein war, mussten die Lastkraftwagen mit großen Tanks ausgerüstet werden, damit sie die notwendige Reichweite erzielten.

„Wir sparen 25 Prozent CO₂-Emission ein, die Lkw laufen viel leiser“, lobte Reinert sein Pilotprojekt. Aber auch er vermisst „klare Perspektiven für die nächsten Jahre“, die Politik sei zu sprunghaft. Mal werde die Befreiung von der Maut verlängert, dann stehe sie in Brüssel plötzlich wieder zur Diskussion.

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Zudem gebe es bislang nur drei Hersteller, die überhaupt Erdgastrucks bauen: Iveco, Scania und Volvo. Die Wartungsintervalle seien kürzer, und alle Kunden wollten grüne Logistik, aber keiner wolle einen Cent zusätzlich an Transportkosten bezahlen.

Timm Kehler, Vorstand des Branchennetzwerks Zukunft Gas, hob hervor, dass es binnen kurzer Zeit gelungen sei, das Netz der LNG-Tankstellen auf derzeit 45 bundesweit zu erhöhen. Fahrzeuge mit großen Tanks haben eine Reichweite von 1600 Kilometern, die mit kleineren Tanks schaffen 1300 Kilometer.

Es gehe vorwärts, sagte er, kritisierte aber auch die pauschalisierte Festlegung von CO₂-Flottengrenzwerten durch die Politik, die im Pkw-Bereich einen 330-PS-Hybridwagen besserstelle als einen normalen Kleinwagen. Kehler: „Gas bietet derzeit die günstigste Variante, einen Pkw zu führen, und das wird überhaupt nicht propagiert.“

600.000 neue Gasheizungen

Insgesamt war Erdgas im vergangen Jahr laut Bilanz von Zukunft Gas weiter auf dem Vormarsch: Bereits die Hälfte der Deutschen heizt mit Erdgas. Im Jahr 2020 wurden über 600.000 neue Gasheizungen installiert: Ein Rekord, der möglicherweise auch auf die Corona-Pandemie und damit verbundene Überlegungen für Investitionen im eigenen Heim zurückzuführen ist, heißt es im Branchenbericht.

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„Durch die günstigen und stabilen Preise, den Umweltvorteil sowie das weitverbreitete Netz hat die Gasheizung ganz klare Vorteile. Der Wechsel von Öl- zu Gasheizungen ließ im vergangenen Jahr die Zahl der Neuanschlüsse stark steigen“, sagte Kehler.

Mit dem Wechsel könnten CO₂-Emissionen um bis zu 40 Prozent reduziert werden. Von diesem Umweltvorteil würden auch die Kunden profitieren. Der in diesem Jahr eingeführte CO₂-Preis fällt bei Erdgas spürbar geringer aus als bei Heizöl.

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