Boris Johnson vergleicht Großbritannien mit dem „Hulk“

  • Ex-Premierminister David Cameron rechnet mit dem aktuellen Regierungschef Boris Johnson ab.
  • Der wiederum wagt einen äußerst ungewöhnlichen Vergleich.
  • Er vergleicht Großbritannien mit der berühmten Comic-Figur „Hulk“.
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London. Hartnäckig halten sich Berichte über eine mögliche Annäherung zwischen London und Brüssel im Brexit-Streit. Passend dazu sagte der amtierende britische Regierungschef Boris Johnson der „Mail on Sunday“, er sei „sehr zuversichtlich“ vor seinem Gespräch mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Montag in Luxemburg. Derzeit würden große Fortschritte erzielt.

Im Interview wählte Johnson ein ungewöhnliches Bild, indem er Großbritannien mit einer berühmten Comic-Figur verglich – dem Wissenschaftler Bruce Banner, der sich in ein muskelbepacktes Monster namens „Hulk“ verwandelt, wenn er in Rage gerät. „Banner mag Handschellen tragen“, sagte Johnson der Zeitung, „aber wenn man ihn provoziert, sprengt er sie. ‚Hulk‘ ist immer entkommen, egal wie eng gefesselt er war – und so ist das auch mit diesem Land. Wir werden rausgehen am 31. Oktober, und wir werden es vollbringen.“

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Die nächste Etappe nach dem Arbeitsessen mit Juncker in Luxemburg nimmt sich dagegen etwas weniger spektakulär aus. Am Dienstag beginnt die Anhörung vor dem obersten britischen Gericht zu der Frage, ob die von Johnson auferlegte fünfwöchige Zwangspause des Parlaments rechtmäßig ist. Ein schottisches Gericht hatte zuvor die Schließung bis zum 14. Oktober für unrechtmäßig erklärt und Johnson vorgeworfen, die Abgeordneten kaltstellen zu wollen.

„Aushängeschild des wahrheitsverdrehenden Zeitalters des Populismus“

Auch der frühere britische Premierminister David Cameron geht mit Johnson hart ins Gericht und kritisiert ihn als politischen Opportunisten und prinzipienlosen Populisten. Sein Parteikollege habe sich vor dem Brexit-Referendum 2016 aus rein egoistischen Motiven als Verfechter eines britischen EU-Austritts inszeniert, heißt es in einem Auszug aus Camerons Memoiren, den die „Sunday Times“ vorab veröffentlichte. Johnson reagierte zunächst nicht auf die Vorwürfe und beteuert weiterhin, er werde Großbritannien am 31. Oktober aus der EU führen – notfalls auch ohne vorherige Einigung mit der Europäischen Union.

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London: Brexit-Zeitplan - Was als nächstes ansteht
1:12 min
Rund sieben Wochen vor dem geplanten EU-Austritt Großbritanniens am 31. Oktober geht das Ringen um den Brexit in die heiße Phase.  © dpa
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„Boris hat etwas unterstützt, an das er selbst nicht glaubte“, heißt es im Vorabdruck aus Camerons Memoiren mit dem Titel „For the Record“ (Fürs Protokoll), die der konservative Ex-Premier kommende Woche veröffentlichen will. „Er hat einen Ausgang (der Volksabstimmung) riskiert, an den er selbst nicht glaubte, um seine politische Karriere zu befördern.“ Johnson habe sich „widerwärtig verhalten, die eigene Regierung attackiert, das miese Vorgehen des eigenen Lagers ignoriert“ – und sei ein „Aushängeschild des Experten verleumdenden, wahrheitsverdrehenden Zeitalters des Populismus geworden“.

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Cameron hält zweites Brexit-Referendum für möglich

Die beiden Männer verbindet eine langjährige, von starker Konkurrenz geprägte Beziehung. Sie kennen sich bereits aus Schultagen im Elite-Internat Eton – und die Rivalität scheint noch immer nachzuwirken. Erst vor Kurzem war ein aktuelles Regierungsdokument an die Öffentlichkeit gelangt, in dem Johnson seinen Vor-Vorgänger als „mädchenhaften Streber“ bezeichnet.

Cameron war nach dem Brexit-Votum der Briten im Jahr 2016 zurückgetreten. Er hatte das Referendum vor allem initiiert, um seine Position in der Konservativen Partei gegen die EU-Kritiker zu festigen. Cameron warb für den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union, unterlag aber knapp den Befürwortern eines Austritts, zu deren Wortführern Johnson gehörte. Inzwischen hält Cameron ein zweites Brexit-Referendum für möglich, einen EU-Austritt ohne Abkommen – wie von Johnson angedroht – aber für keine gute Idee.