Boris Johnson: Der Brexit-Treiber hat sich überschätzt

  • Boris Johnson verliert die Parlamentsmehrheit.
  • Sein starrsinniger Brexit-Kurs konnte nicht ohne Konsequenzen bleiben.
  • Der britische Premier hat auf ganzer Linie versagt, kommentiert Katrin Pribyl.
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London. Premierminister Boris Johnson hat politisch versagt. Anstatt den dringend nötigen Konsens zu suchen, hat er seine Kritiker mit seinem unnachgiebigen, kaltschnäuzigen Kurs weiter gegen sich aufgebracht. Die Gründe dafür, dass nun ein rebellischer Abgeordneter von den Konservativen zu den Liberaldemokraten überläuft, muss Johnson bei sich selbst suchen. Glaubt er immer noch, allein mit einer Mischung aus Drohungen, rhetorischem Getrommel und leeren Versprechungen ließe sich ein moderner europäischer Staat regieren?

Auch Johnsons Strategie, das Parlament in die Zwangspause schicken zu wollen, geht nach hinten los. Wer hätte es jemals für möglich gehalten, dass vor den Toren von Downing Street Tausende Demonstranten „Stopp den Putsch“ rufen? Was ist aus diesem stolzen Mutterland der Demokratie geworden, der einstigen Heimat von Mäßigung und Common Sense? Das Volk zeigt sich gespaltener denn je, polarisiert, wütend, frustriert.

Dass sich die Tories vor den Augen der Welt selbst zerfleischen, ist eine Sache. Hinzu kommt aber, dass sie zugleich das gesamte Land in den Abgrund ziehen. Johnson hatte in diesem Spiel eine besonders üble Rolle: Immer wieder haben er und seine von antieuropäischen Ideologien besessenen Cheerleader gegen die Regierung von Ex-Premierministerin Theresa May gestimmt. Der geregelte Brexit hätte längst Realität sein können. Johnson aber suchte immer neue Machtproben – und überschätzte sich dabei selbst. Entsetzt blickt er jetzt auf ein Parlament, das auf die von ihm gestellte Machtfrage eine Antwort gibt.

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Kräftemessen um No-Deal-Brexit: Regierung droht mit Neuwahl
1:09 min
Regierungskreisen zufolge plant die Regierung Neuwahlen, sollte sie bei der anstehenden Auseinandersetzung um einen No-Deal-Brexit im Parlament unterliegen.  © Katrin Pribyl/dpa

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