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Britischer Premier Johnson will „Booster-Kampagne boostern“

  • Im Sommer zählte Großbritannien zu den Hotspots der Corona-Pandemie.
  • Seitdem nun in Europa die Zahlen steigen, scheint das Königreich vergleichsweise glimpflich davonzukommen.
  • Wegen der neuen Coronavirus-Variante Omikron könnte die Regierung jetzt aber auch wieder unter Druck stehen.
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Während etliche europäische Staaten wieder neue Einschränkungen verhängten, schien das Leben in London von der Pandemie zuletzt fast unberührt zu sein. Am Themse-Ufer tranken die Menschen unbekümmert ihren Glühwein, in den Theatern liefen Vorstellungen bei voller Kapazität und in der ganzen Stadt trafen sich Freunde in den Pubs auf ein Bier oder zwei. Am Samstag kündigte der britische Premierminister Boris Johnson wegen der neuen Coronavirus-Variante Omikron aber neue Maßnahmen an. Zuvor waren zwei Fälle einer Infektion mit der Variante in England bestätigt worden.

Drei Lockdowns hat das Land bereits hinter sich, fast 145.000 Menschen sind nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben – europaweit sind nur in Russland noch mehr Opfer zu beklagen.

Experte: Großbritannien hat „Delta-Welle zu einer günstigen Zeit abbekommen“

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Im Sommer hatte die besonders ansteckende Delta-Variante in Großbritannien gewütet – ausgerechnet zu einer Zeit, als sich die Regierung für eine Rücknahme fast aller Restriktionen zur Eindämmung der Pandemie entschlossen hatte. Erst mit einiger Verzögerung wurde der Rest Europas von dieser Virus-Variante getroffen.

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Verdacht auf neue Virusvariante „Omikron“ in Deutschland
0:53 min
Die neue Omikron-Variante des Coronavirus ist nach Angaben des hessischen Sozialministers Klose „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ in Deutschland angekommen.  © dpa

Womöglich hatte das Land dabei Glück im Unglück. Weil die Delta-Variante Großbritannien in den Sommermonaten erreicht habe, in denen sich Atemwegsviren weniger leicht ausbreiten würden, sei die Entwicklung nicht so „explosiv“ gewesen, wie aktuell in einigen anderen europäischen Staaten, sagt Mark Woolhouse, Experte für die Modellierung von Infektionskrankheiten an der University of Edinburgh. „Das Vereinigte Königreich hat seine Delta-Welle zu einer günstigen Zeit abbekommen, während es etwa im Falle von Österreich genau umgekehrt ist.“

In Europa könnten bis zum Frühjahr noch weitere 700.000 Menschen sterben

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Die Weltgesundheitsorganisation WHO erklärte diese Woche, dass Europa die einzige Region der Welt sei, in der die Zahl der Corona-Fälle noch immer steige – und dass dort bis zum Frühjahr weitere 700.000 Menschen mit dem Virus sterben könnten, wenn nicht bald dringend erforderliche Maßnahmen ergriffen würden. Anders als noch vor wenigen Monaten galten die Warnungen aber diesmal nicht ganz so sehr für Großbritannien.

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Viele Wissenschaftler hatten vorausgesagt, dass Großbritannien nach dem 19. Juli, an dem fast alle Beschränkungen des Alltags aufgehoben wurden, einen dramatischen Anstieg der Infektionszahlen erleben würde. Doch die Katastrophe blieb aus. Nach wie vor verzeichnet das Land zwar täglich etwa 40.000 Ansteckungen. Aber dank einer relativ hohen Impfquote gibt es nicht so viele schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle wie während der vorherigen Wellen.

Großbritannien verschärft Einreise-Regelungen

Für eine Entwarnung ist es trotzdem zu früh. Auch in Großbritannien sind in der zurückliegenden Woche täglich etwa 130 Menschen mit dem Coronavirus gestorben. Die Krankenhäuser sind zwar nicht überlastet, aber durchaus ausgelastet. Und gerade in den vergangenen Tagen hat sich wieder einmal gezeigt, in welchem Maße die Pandemie für böse Überraschungen sorgen kann: Am Freitag ließen Großbritannien und mehrere weitere Länder Flüge aus Südafrika streichen, weil dort nun eine neue Virus-Variation auf dem Vormarsch ist, die als noch gefährlicher als die bisherigen gilt.

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Um die Ausbreitung auszubremsen, sei es notwendig, „gezielte und vorbeugende Maßnahmen“ zu ergreifen, sagte Johnson. „Im Moment ist das die verantwortungsvolle Vorgehensweise“, gab er an. Jeder der aus dem Ausland in England eintreffe, müsse sich am zweiten Tag nach der Ankunft einem PCR-Test unterziehen. Sollte jemand positiv auf die Omikron-Variante getestet werden, müssten sich enge Kontakte unabhängig vom Impfstatus zehn Tage in Selbstisolation begeben. Zuletzt mussten sich enge Kontakte von Coronavirus-Infizierten nicht in Quarantäne begeben, wenn sie vollständig geimpft waren.

Premier Johnson will „Booster-Kampagne boostern“

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Wie Johnson weiter sagte, müssen in Geschäften und in öffentlichen Verkehrsmitteln Masken getragen werden. Eine die Regierung beratende Wissenschaftlergruppe sei angewiesen worden, das Impfprogramm voranzutreiben. „Ab heute werden wir die Booster-Kampagne boostern“, sagte Johnson.

Beim Thema Impfen will London weiter auf Freiwilligkeit setzen, während in immer mehr Ländern Europas die Option einer Pflicht ins Spiel gebracht wird. Nur in sensiblen Bereichen wie dem Gesundheitswesen ist eine Immunisierung seit einiger Zeit obligatorisch. Derweil scheint der gesellschaftliche Widerstand gegen Impfungen geringer zu sein als anderswo – 88 Prozent der Briten über zwölf Jahren haben bereits mindestens eine Spritze bekommen. Und Johnson regte seine Landsleute diese Woche an, sich möglichst bald eine Auffrischungsdosis geben zu lassen.

RND/AP

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