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Boostern gegen die Omikron-Welle: Lauterbach erwartet zunächst keine neuen Einschränkungen

  • Gesundheitsminister Karl Lauterbach rechnet mit einem weiteren Anstieg der Zahlen in der Corona-Pandemie, glaubt aber, die aktuellen Gegenmaßnahmen reichen aus.
  • Das erklärte der Politiker in einem gemeinsamen Lagebericht mit dem Robert-Koch-Institut.
  • RKI-Präsident Lothar Wieler machte deutlich, dass die reinen Fallzahlen zukünftig weniger entscheidend sein werden.
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Berlin. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach erwartet eine weiter steigende Omikron-Welle - sieht aber vorerst keinen Grund für neue schärfere Alltagsauflagen im Kampf gegen das Coronavirus. „Ich glaube, dass wir jetzt in ein schwieriges Fahrwasser kommen“, sagte der SPD-Politiker am Freitag in Berlin. Kliniken und Labore würden an ihre Belastungsgrenzen kommen. Aktuell reiche das Paket mit Gegenmaßnahmen aber aus. Die Strategie sei, die Infektionswelle zu verlangsamen und zu strecken und in dieser Zeit so viele Menschen wie möglich mit Auffrischimpfungen zu boostern. Der Bundesrat billigte den Rechtsrahmen für neue Quarantäneregeln.

Die Zahl der an einem Tag erfassten Neuinfektionen überschritt jetzt erstmals die Schwelle von 90.000. Die Gesundheitsämter meldeten 92.223 Fälle in 24 Stunden, wie das Robert Koch-Institut (RKI) bekannt gab. Auch die Sieben-Tage-Inzidenz erreichte einen Höchststand von 470,6 neuen Fällen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen.

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Strategie gegen Corona: Lauterbach warnt vor zu früher Durchseuchung
1:33 min
Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) betonte am Freitag in Berlin, dass die Zahl der Opfer, die wir dann beklagen müssten, sicherlich zu hoch sein würde.  © Reuters
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„Neue Phase der Pandemie“

Lauterbach sagte, er rechne mit noch stärker steigenden Zahlen. Das Ziel sei jetzt, „aus der sonst zu erwartenden steilen Wand der Infektionszahlen möglichst einen Hügel zu machen oder dass die Wand nicht so hoch ist“. Es sei aber ein Sonderproblem Deutschlands, dass es in der gefährdeten Gruppe älterer Menschen viele Ungeimpfte gebe.

Aus Sicht von RKI-Präsident Lothar Wieler tritt Deutschland in eine „neue Phase der Pandemie“ ein. „Die reinen Fallzahlen werden weniger entscheidend sein. Wichtiger ist, wie viele Menschen schwer an Covid-19 erkranken und wie stark das Gesundheitssystem dann belastet sein wird.“ Der Virologe Christian Drosten sagte, Omikron sei nach derzeitigem Kenntnisstand zwar milder im Krankheitsverlauf. Weil es aber zu viele Fälle seien, werde dieser Gewinn „wieder ausgelöscht“. Er stellte in Aussicht, dass gegen Omikron wahrscheinlich noch einmal bei der Impfung nachgesteuert werden müsse. Drosten bekräftigte seinen Appell an Ungeimpfte, sich dringend immunisieren zu lassen.

Lauterbach sagte, die schon geltenden Beschränkungen zeigten Wirkung - etwa mit einer längeren Verdoppelungszeit der Infektionszahlen in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern. Hinzu kämen nun noch verschärfte Zugangsregeln auch für Geimpfte und Genesene mit zusätzlichen Tests (2G plus) in der Gastronomie. Aus seiner Sicht sei zur jetzigen Zeit „das richtige Maßnahmenpaket am Platz“.

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Lauterbach mahnt zu flächendeckender Umsetzung der Beschränkungen

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Sollten die Fallzahlen aber noch deutlich steigen und eine Überlastung der medizinischen Versorgung zu erwarten sein, müsse auch mit anderen Maßnahmen gegengesteuert werden. „An dem Punkt sind wir nicht“, sagte Lauterbach. Nötig seien aber Kontrollen und flächendeckende Umsetzung bestehender Beschränkungen.

Der Minister erläuterte, dass die Kapazitäten für PCR-Labortests sich der „Volllast“ näherten. Mangel gebe es derzeit nicht. Mit Blick auf Freitestungen aus der Quarantäne habe er nun veranlasst, dass es für Gesundheitspersonal einen Vorrang bei der PCR-Test-Auswertung in den Laboren gebe.

Noch schlägt sich die Omikron-Welle nicht auf den Intensivstationen nieder. Die Zahl der dort behandelten Corona-Infizierten sank erstmals seit Mitte November wieder knapp unter die 3.000er-Marke, wie aus Daten des Divi-Intensivregisters hervorgeht (Stand: Donnerstag). Seit dem Höhepunkt der vierten Welle im Dezember mit rund 5.000 Corona-Intensivpatienten gleichzeitig sinkt die Zahl stetig. Auch bei den gemeldeten Erstaufnahmen ist der Trend rückläufig. Experten sehen aber noch keinen Grund zur Entwarnung für die nächsten Wochen.

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Keine Quarantäne mehr für geboosterte Kontaktpersonen

Für die von Bund und Ländern vereinbarten neuen Quarantäneregeln ist der Weg frei. Der Bundesrat billigte am Freitag einstimmig eine Verordnung, die dafür einen rechtlichen Rahmen schafft. Die neuen Regeln sehen vor, dass sich dreifach geimpfte Kontaktpersonen von Infizierten nicht mehr in Quarantäne begeben müssen. Das gilt auch für frisch doppelt Geimpfte oder frisch Genesene. Außerdem werden kürzere Quarantänezeiten ermöglicht, um bei stark steigenden Infektionszahlen wichtige Versorgungsbereiche am Laufen zu halten.

Corona-Impfungen mit dem Präparat des US-Herstellers Novavax sollen voraussichtlich Ende Februar starten können. Die erste Lieferung von 1,75 Millionen Dosen soll ab dem 21. Februar zur Verfügung stehen, wie Lauterbach mit Verweis auf Firmenangaben sagte. Genaue Termine für weitere 3,25 Millionen Dosen, die gekauft wurden, stünden noch nicht fest. Er hoffe auf Lieferung noch im Februar. Lauterbach erläuterte, das Präparat, das „quasi ein Totimpfstoff“ sei, solle denjenigen besonders zur Verfügung stehen, die diese Art der Impfung bevorzugten. Er selbst könne die Wertigkeit für Omikron nicht gut einschätzen. Er gehe aber davon aus, dass der Impfstoff gut wirke.

RND/dpa

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