• Startseite
  • Politik
  • Bluttat in Kongsberg als Terror eingestuft: Geheimdienst in Norwegen ermittelt

Norwegens Geheimdienst bewertet tödlichen Angriff in Kongsberg als Terrorakt

  • Die Behörden in Norwegen haben den Angriff in Kongsberg vorläufig als Terrorakt eingestuft.
  • Das teilte der Geheimdienst in Norwegen am Donnerstag mit.
  • Zum Motiv äußerten sich die Behörden noch nicht.
Anzeige
Anzeige

Oslo. Der Sicherheitsdienst der norwegischen Polizei (PST) stuft den tödlichen Angriff in Kongsberg mit fünf Toten von Mittwochabend als Terrorhandlung ein. Das teilte die PST am Donnerstag mit. Zum Motiv wird laut des Inlandsgeheimdienstes weiterhin ermittelt. Der Beschuldige sei dem Geheimdienst von früher bekannt.

„Die Bedrohungslage in Norwegen wird nach wie vor als moderat eingeschätzt“, heißt es in einer Mitteilung .Gleichzeitig untersuche man derzeit, ob das Geschehene zu weiteren schweren Gewalttaten führen könne, wie Racheaktionen oder Nachahmungstaten. Man halte es nach wie vor für möglich, dass extreme Islamisten und Rechtsextreme versuchen, Terroranschläge in Norwegen zu verüben.

Angriffe auf beliebige Personen an öffentlichen Orten seien ein wiederkehrender Modus Operandi extremistischer Islamisten, die im Westen Terror ausüben, so der Geheimdienst in einer Mitteilung.

Beschuldigter hat sich möglicherweise radikalisiert

Anzeige

Der nach einem Amoklauf in Norwegen festgenommene Mann war nach Angaben der Polizei zum Islam übergetreten und hatte sich möglicherweise radikalisiert. Entsprechende Sorgen hätten bestanden, sagte Polizeichef Ole B. Sæverud am Donnerstag. Staatsanwältin Ann Iren Svane Matthiassen sagte dem Fernsehsender TV2, der Verdächtige sei ein polizeibekannter 37 Jahre alter Däne. Er sei in der Nacht verhört worden und habe die Tat eingeräumt, bei der in Kongsberg fünf Menschen getötet und zwei weitere verletzt worden seien.

Der Tag Was heute wichtig ist. Lesen Sie den RND-Newsletter "Der Tag".
Anzeige

Gewalttat in Kongsberg mit mehreren Toten

Der Mann hatte am Mittwochabend unter anderem in einem Supermarkt um sich geschossen, wie der Rundfunksender NRK berichtete. Die norwegische Nachrichtenagentur NTB meldete unter Berufung auf die Polizei, der Angreifer habe auch andere Waffen eingesetzt.

Der Angreifer sei nach einer „Konfrontation“ mit der Polizei festgenommen worden, sagte deren Sprecher Øyvind Aas. Man gehe davon aus, dass er allein gehandelt habe. Die beiden verletzten Personen wurden auf der Intensivstation behandelt. Eine von ihnen war Polizeimitglied außer Dienst. 

Ermittlerin Ann Iren Svane Mathiassen sagte der Nachrichtenagentur AP, der Verdächtige habe die Tat ruhig und klar geschildert. „Er hat eingeräumt, die fünf Menschen getötet zu haben“, sagte sie. Die Polizei habe mit 20 bis 30 Augenzeugen gesprochen.

Augenzeuge Erik Benum sagte der AP, er habe gesehen, wie Ladenmitarbeiter aus Geschäften geflohen und sich in Hauseingängen versteckt hätten. „Ich sah, wie sie sich in der Ecke versteckten“, sagte er. „Dann bin ich hinaus, um zu sehen, was los ist und ich sah die Polizei mit Schilden und Waffen. Es war ein sehr unheimlicher Anblick.“

König Harald V. sprach den Einwohnerinnen und Einwohnern sein Mitgefühl aus. Ihr sicheres Umfeld sei plötzlich ein gefährlicher Ort geworden. „Es erschüttert uns alle, wenn schreckliche Dinge in unserer Nähe passieren, wenn man es am wenigsten erwartet - mitten im Alltag, auf offener Straße“, sagte der König.

Video
Bogenschütze tötet mehrere Menschen im norwegischen Kongsberg
1:28 min
Der Mann sei festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Das Motiv ist bislang unklar.  © Reuters

Kongsberg steht unter Schock

Der neue Ministerpräsident Jonas Gahr Støre, der sein Amt am Donnerstag antrat, sprach von einer schrecklichen Tat. „Es ist unwirklich, aber die Wahrheit ist, dass fünf Menschen getötet worden sind, viele verletzt wurden und viele unter Schock stehen“, sagte Støre dem Sender NRK.

Anzeige

UN-Generalsekretär António Guterres twitterte, die Nachrichten aus Norwegen hätten ihn schockiert und betrübt.

Vor etwas mehr als zehn Jahren war Norwegen von einem der brutalsten Verbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg heimgesucht worden. Der Rechtsextremist Anders Behring Breivik ließ im Juni 2011 eine Bombe im Osloer Regierungsviertel detonieren und richtete dann in einem Sommerlager der sozialdemokratischen Parteijugend auf der Insel Utøya ein Massaker an. 77 Menschen kamen insgesamt ums Leben.

Kongsberg mit seinen rund 26.000 Einwohnern stand unter Schock. Der mutmaßliche Täter lebte in der Stadt südwestlich von Oslo.

RND/dpa/AP/scs

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen