Blitz-Aufstieg: Warum Silvia Breher AKKs Stellvertreterin wird

  • Nach dem Wechsel von Ursula von der Leyen nach Brüssel verändert die Frauenquote das Besetzungsverfahren.
  • Neue Vize-Chefin der Partei soll kein prominentes Gesicht werden, sondern die bundespolitisch bisher eher unbekannte Bundestagsabgeordnete Silvia Breher.
  • Niedersachsens CDU-Chef Bernd Althusmann hat das Nachsehen.
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Berlin. Bisher ist es in der CDU meist so gewesen: In die oberste Führungsrunde der Partei rückte auf, wer Minister, Ministerpräsident oder zumindest Spitzenkandidat bei einer Landtagswahl war. Vize-Parteichef, das war etwas für die, die schon ziemlich lange dabei waren und bundespolitisch ein bestimmtes Gewicht hatten.

Bei der anstehenden Besetzungsrunde wird dieses Prinzip durchbrochen: Die bisherige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen scheidet aus, weil sie EU-Kommissionspräsidentin geworden ist und damit nicht mehr wirklich Zeit hat für Parteiarbeit. Richtig warm geworden ist sie damit ohnehin nie.

Ihren Posten als Stellvertreterin von Annegret Kramp-Karrenbauer soll nun eine Frau übernehmen, die auf der bundespolitischen Ebene bislang kaum wahrnehmbar war: Silvia Breher ist 2017 erstmals als Abgeordnete in den Bundestag gewählt worden, seit Mai dieses Jahres führt sie den niedersächsischen CDU-Bezirk Oldenburg, der dort Landesverband heißt.

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Ein schneller Sprung nach oben

Es ist ein sehr schneller und sehr jäher Sprung in die Spitzenpolitik für die 46-jährige Juristin, die vor ihrer politischen Karriere Geschäftsführerin eines regionalen Bauernverbandes war. Ihren Wahlkreis, die konservative CDU-Hochburg Cloppenburg-Vechta, übernahm sie von Franz-Josef Holzenkamp, einem ausdrücklichen Verfechter der konventionellen Landwirtschaft.

Dass Breher bei ihrem Aufstieg in der CDU-Hierarchie nun sogar den niedersächsischen Landesvorsitzenden Bernd Althusmann überflügelt, liegt wohl nicht an dessen fehlendem Ehrgeiz, sondern eher an der Frauenquote.

Fünf Vize-Parteichefs gibt es, ohne von der Leyen bleiben eine Frau und drei Männer übrig - Bundesagrarministerin Julia Klöckner, die Ministerpräsidenten von Hessen und Nordrhein-Westfalen, Volker Bouffier und Armin Laschet, sowie Baden-Württembergs Vize-Regierungschef Thomas Strobl.

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Chancen und Risiken

Für von der Leyen, das war die Vorgabe aus der Parteispitze, müsse eine Frau nachrücken. Die Niedersachsen-CDU, die den Vize-Posten unbedingt behalten wollte, nominierte keine Landesministerin, sondern ein neues Gesicht. Gewählt werden soll Breher dann auf dem CDU-Bundesparteitag Ende November.

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Althusmann, der seinen normalen Präsidiumssitz behält, erklärte: „Wir wollen mehr Frauen in der Politik und daran halten wir uns.“ Außerdem habe Breher ja „umfangreiche Erfahrungen“.

Für die CDU hat die Lösung Risiken und Chancen. Es sei nicht klar, ob man Breher mit der neuen Aufgabe nicht überfordere, ist in der Partei zu hören. Andererseits hat sich Breher mit Familienpolitik beschäftigt - in diesem traditionellen CDU-Feld kann die Partei gut noch einen Vertreter brauchen.

Eine andere Perspektive

Auch die Agrarpolitik gehört zu Brehers bisherigem Aufgabenspektrum. Dazu gehört es auch, Sätze zu sagen wie: „Wir werden unsere Sauenhalter nicht im Stich lassen.“ Bei der Förderung ländlicher Räume - auch so ein aktuelles Thema - hat sie eine andere Perspektive als andere.

Sie erzählt von Geburtenüberschuss, Zuzug, Wohnungs- und Fachkräftemangel in ihrer Region. Es ist wirklich mal was anderes.

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