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  • "Black Lives Matter": Silent Demos in Berlin, Hamburg, Frankfurt und vielen weitere Städten

Zehntausende demonstrieren in Deutschland gegen Rassismus und Polizeigewalt

  • In rund 25 deutschen Städten waren für diesen Samstag Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt angemeldet.
  • Sowohl in Hamburg als auch in mehreren Städten in Baden-Württemberg kamen deutlich mehr Teilnehmer, als angemeldet waren.
  • Nicht nur in Hamburg und Berlin kamen deutlich mehr Teilnehmer, als angemeldet waren.
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In mehreren deutschen Städten sind am Samstag Tausende Menschen gegen Rassismus und Polizeigewalt auf die Straße gegangen. So auch in Hamburg, wo deutlich mehr Menschen kamen, als angemeldet waren.  @ Quelle: imago images/Blaulicht News
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Hamburg/Stuttgart. Tausende Menschen haben am Samstag in mehreren deutschen Städten gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstriert. So auch erneut in Hamburg. Die Polizei sprach von 9000 Teilnehmern am Jungfernstieg, erlaubt waren wegen der Coronamaßnahmen nur 525.

Es sei sehr eng vor Ort und die Polizei befinde sich im Gespräch mit den Veranstaltern, sagte eine Polizeisprecherin. Eine weitere Kundgebung war für den nahe gelegenen Rathausmarkt angemeldet.

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Black Lives Matter - Demonstrationen in London und Berlin
1:29 min
Tausende Menschen demonstrieren gegen Rassismus, sie solidarisieren sich mit den Protesten gegen Polizeigewalt in den USA.  © Reuters
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Die Hamburger Polizei hatte bereits vor den Demonstrationen ihre Solidarität erklärt. “Wir sind an eurer Seite!”, twitterte sie vor Beginn der Kundgebungen. “Rassismus darf in unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Wir arbeiten täglich dafür, dass sich alle Menschen in Hamburg sicher fühlen können.”

Die Polizei rief alle Teilnehmer auf, die Auflagen wie Abstandsregeln und das Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen einzuhalten. Die Teilnehmerzahlen seien wegen der Corona-Krise begrenzt. Die Polizei erklärte in den Tweets, ihr Auftrag sei es, Straftaten zu verfolgen und Gefahren abzuwehren. “Wenn wir entsprechend einschreiten, dann tun wir dies unabhängig von Hautfarbe, Religion oder sozialem Status einer Person.” Für zwei größere Kundgebungen am Samstag am Jungfernstieg und am Rathausmarkt gibt es Ausnahmegenehmigungen für insgesamt etwa 800 Demonstranten.

Bereits am Vortag hatten etwa 4500 Menschen vor dem US-Konsulat am Alsterufer in Hamburg gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstriert - angekündigt waren lediglich 250.

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Tausende Menschen gehen gegen Rassismus auf die Straße
0:42 min
  © Reuters

“Silent Demo” auf dem Berliner Alexanderplatz

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Auf dem Berliner Alexanderplatz versammelten sich nach Polizeiangaben etwa 15.000 Menschen. Die Veranstaltung verlief weitgehend friedlich, sagte Polizeisprecherin Anja Dierschke am Nachmittag. Damit waren weit mehr Menschen gekommen als von den Veranstaltern erwartet, die 1500 Teilnehmer angemeldet hatten. Die Polizei rief dazu auf, die Corona-Regeln einzuhalten und angrenzende Straßen zu nutzen.

Viele der Demonstranten hatten sich dunkel gekleidet. Bei einer Schweigeminute setzten sich die Demonstranten, darunter viele Jugendliche, auf den Boden. Sie dauerte genau 8 Minuten und 46 Sekunden. So lange drückte ein Polizist in Minneapolis Floyd sein Knie an den Hals, bis dieser sein Bewusstsein verlor und kurz darauf starb.

8000 Menschen bei Demo in Frankfurt, 600 in Rostock

Rund 8000 Menschen versammelten sich in Frankfurt am Main, um zu demonstrieren. Nicht mal eine Stunde nach dem Beginn der Kundgebung sei der Römerplatz bereits voll gewesen, teilte ein Sprecher der Polizei mit. Weitere Teilnehmer könnten deshalb auf den nahegelegenen Paulsplatz ausweichen. „Bisher ist alles friedlich“, sagte der Sprecher am Samstagmittag. Auch die Hygiene- und Mundschutzregeln würden eingehalten.

Mehr als 600 Menschen demonstrierten in Rostock. Für die Veranstalter ging es aber nicht nur um den Vorfall in Minneapolis, sondern auch um rechtsextreme Gewalt oder den Alltagsrassismus bei Behörden, auf der Arbeit oder beim Einkauf. Obwohl auf dem kleinen Doberaner Platz die wegen der Corona-Pandemie ausgerufenen Abstandsregeln nicht eingehalten werden konnten, griff die Polizei nicht ein. „Dies würde auf eine Konfrontation hinauslaufen“, sagte der Rostocker Polizeichef Achim Segebarth.

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Demo in Düsseldorf: Mehr Demonstranten als erwartet

In Düsseldorf prangerten ebenfalls mehrere Tausend Menschen Rassismusan. „Wir haben genug gesehen und zu lange nichts getan. Es ist Zeit, tätig zu werden“, erklärte die 23-jährige Sephora Bidiamba. Angemeldet waren der Polizei zufolge zuvor 2000 Menschen. Ein Sprecher der Polizei sagte, dass mehr Demonstranten auf den Straßen waren als erwartet.

Zwar war die Demo als stiller Marsch geplant, aber immer wieder waren die Rufe „No Justice, No Peace“ und „Black Lives Matter“ zu hören. Rufe, die auch bei den Protesten in den Vereinigten Staaten immer wieder fallen. Der gewaltsame Tod des Afroamerikaners George Floyd habe „das Fass zum Überlaufen gebracht, aber Rassismus gibt es überall“, sagte Bidiamba.

7000 Menschen bei Demo in München - zugelassen waren 200

In Magdeburg gingen rund 1500 Menschen auf die Straße. Nach einer Kundgebung vor dem Hauptbahnhof zogen sie durch die Innenstadt bis zum Domplatz. Sie hatten Schilder und Transparente dabei, auf denen etwa stand: „Rassismus ist nicht erst seit 1 1/2 Wochen ein Problem“.

In München hatten sich rund 7000 Menschen versammelt, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren. Genehmigt war die Demonstration am Königsplatz nur für 200 Teilnehmer. „Die Abstandsregeln werden derzeit nicht eingehalten“, sagte ein Polizeisprecher. Der Einsatzleiter müsse nun entscheiden, wie mit der Situation weiter umgegangen werde.

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Tausende Demonstranten auch in Baden-Württemberg

Auch in Baden-Württemberg gingen mehrere Tausend Menschen auf die Straße - von Stuttgart über Mannheim bis Karlsruhe. Zu den Protesten kamen dort ebenfalls mehr Menschen als erwartet: So waren in Mannheim (angemeldet: 650) und Stuttgart (angemeldet: 700) jeweils mehrere Tausend Menschen auf den Straßes, in Karlsruhe schätzte die Polizei die Zahl auf rund 500 (angemeldet: 200).

„Rassismus ist auch in Deutschland aktiv“, sagte die Organisatorin der Stuttgarter Demo, Nadia Asiamah. Teil des Protests ist ein acht Minuten und 46 Sekunden langes Schweigen - so lange kniete der Polizist auf dem Hals Floyds.

Friedliche Demos in Sachsen und Niedersachsen

In Sachsen demonstrierten ebenfalls tausende Menschen gegen Rassismus. In Dresden versammelten sich nach Polizeiangaben etwa 4000, in Leipzig etwa 700 Teilnehmer unter dem Motto „Black Lives Matter“. Nach Angaben der Polizei verliefen beide Demonstrationen friedlich. Auch für den Sonntag sind Kundgebungen geplant, so hieß es in Leipzig.

Mehrere Tausend Menschen gingen zudem in Niedersachsen auf die Straße. Am Schloss in Osnabrück beteiligten sich der Polizei zufolge etwa 2000 Personen an einer stillen Kundgebung. In Göttingen seien 1750 Menschen durch die Stadt gezogen, sagte eine Polizeisprecherin. Bis auf einige von Demonstranten gezündete Knallkörper habe es keine Zwischenfälle gegeben. Auch die anderen Kundgebungen verliefen den Angaben zufolge friedlich. Weitere Demonstrationen waren für den späteren Nachmittag in Hannover und Braunschweig angekündigt.

Silent Demos in Gedenken an George Floyd

In mehreren deutschen Städten hatten sich am Samstag Menschen zu sogenannten „Silent Demos“ (deutsch: Stille Demonstrationen) versammelt. Die Kundgebungen reihen sich ein in die weltweiten Proteste nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis. Laut Veranstalter stehe der Name symbolisch für die knapp neun Minuten, die Floyd von dem Polizisten zu Boden gedrückt wurde und in denen die Teilnehmer ihm still gedenken wollen.

Im Internet waren Aufrufe zu den „Silent Demos“ veröffentlicht worden. „Nein zu Rassismus“ und „Black Lives Matter“ (Schwarze Leben zählen), hieß es dort. Die Demonstranten wurden aufgefordert, in schwarzer Kleidung zu erscheinen. Man wolle während der Demonstration still und schweigend („silent“) an den Tod von Floyd erinnern.

RND/dpa/epd/das

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