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Anti-Rassismus – nicht Anti-Amerika

  • Zehntausende Menschen haben in Deutschland gegen den sinnlosen Tod des schwarzen Amerikaners George Floyd demonstriert.
  • Diese antirassistischen Proteste machen Hoffnung.
  • Sie machen Hoffnung, dass die Humanität nicht verloren geht, kommentiert Markus Decker.
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Berlin. 7000 Kilometer liegen zwischen der amerikanischen Stadt Minneapolis, wo ein Polizist den wehrlosen Schwarzen George Floyd umbrachte, und Hannover. Und doch demonstrierten in Hannover am Samstag knapp 10.000 Menschen gegen Rassismus im Allgemeinen und Floyds sinnlosen Tod im Besonderen. In zahlreichen deutschen Städten taten sie es den Menschen in Hannover gleich.

Warum?

Die Macht der Bilder

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Das hat sicher mit der Macht der Bilder zu tun. Jeder, der will, kann sich den knapp neun Minuten langen Tod Floyds ansehen – auf einem Video, das seit Tagen in den sozialen Netzwerken kursiert. Was er oder sie da sieht, ist unfassbar. Es ist unfassbar in seiner kalten Brutalität. Es ist aber noch unfassbarer in seiner Selbstverständlichkeit.

Video
Tausende Menschen gehen gegen Rassismus auf die Straße
0:42 min
  © Markus Decker/Reuters

Schließlich verübten die Polizisten ihre Tat, obwohl sie dabei gefilmt wurden. Angst vor Konsequenzen hatten sie offenbar nicht – mussten sie wohl auch nicht haben. Bis jetzt. Bis zu den Protesten im eigenen Land und jenseits davon.


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Die Demonstrationen in Hannover und anderen deutschen Städten haben ferner damit zu tun, dass die bisherige demokratische Vormacht des Westens ins Wanken gerät. Alle ahnen: Wenn US-Präsident Donald Trump im November wieder gewählt wird, dann steht diese Demokratie auf dem Spiel – mit entsprechender Ausstrahlung in andere Staaten.

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In mehreren deutschen Städten sind am Samstag Tausende Menschen gegen Rassismus und Polizeigewalt auf die Straße gegangen. So auch in Hamburg, wo deutlich mehr Menschen kamen, als angemeldet waren.  @ Quelle: imago images/Blaulicht News

Ohnehin wäre die gegenwärtige Verzweiflung über die USA kaum denkbar ohne die Liebe zu den USA – und ihrem historischen Freiheitsversprechen. Minneapolis liegt im Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten, Woodstock aber auch. Man hat jedenfalls nicht den Eindruck, als würde sich in Deutschland der alte linke Antiamerikanismus Bahn brechen. Vielmehr findet eine Solidarisierung mit den Demonstranten in den USA statt.

“Black Lives Matter” everywhere

Der dritte Grund für die Proteste ist bei uns zu finden, in unserem eigenen Land. Nein, die deutsche Polizei ist nicht so wie die amerikanische Polizei. Sie ist gewiss besser ausgebildet und gewiss nicht so rassistisch.

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Allerdings haben Rechtsextremisten in Deutschland seit 1990 rund 200 Menschen umgebracht. Der “Nationalsozialistische Untergrund” (NSU) hat quer durch die Republik gezielt Männer erschossen, nur weil sie Wurzeln in anderen Ländern hatten - während die Polizei allzu oft die Opfer als kriminell verdächtigte. Dem folgten die Attentate von Kassel, Halle und Hanau. Neuerdings zählen die Sicherheitsbehörden 30.000 Neonazis, immer wieder führen ihre Spuren auch in die Sicherheitsbehörden selbst. Zwischen Minneapolis und Hannover liegen also nur physisch 7000 Kilometer. Politisch ist die Distanz geringer. Und: “Black Lives Matter” everywhere.

Die Demonstrationen vom Samstag, so viel steht fest, haben Hoffnung gemacht – Hoffnung darauf, dass den Unmenschen viele andere Menschen gegenüberstehen, die die Menschlichkeit nicht verloren geben. In den Vereinigten Staaten von Amerika. Und im Rest der Welt.

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