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MDR-Sommerinterview: “Herr Höcke, das ist Framing”

  • Der Mitteldeutsche Rundfunk spricht in seiner Interviewreihe mit Landespolitikern auch mit dem Rechtsextremen Björn Höcke.
  • Der Sender musste sich schon im Vorfeld viel Kritik anhören.
  • Höcke nutzt die Bühne erwartungsgemäß und weicht Fragen aus – bis es dem Moderator zu viel wird.
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Berlin. Björn Höcke ist in der Defensive. Der Mitteldeutsche Rundfunk auch. So war die Ausgangsposition vor dem Sommerinterview des MDR mit dem thüringischen AfD-Landeschef. Höcke steht nach dem schlagartigen Aus seines engsten Verbündeten Andreas Kalbitz auf der AfD-Rechten stark geschwächt da. Der Sender wiederum musste sich fragen lassen, warum sie einem Rechtsextremen eine Livebühne bieten. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) hatte sich mit Kalbitz an den See gesetzt und nur nett geplaudert – als Folge stellte der Sender seine Sommerinterviews ein. ZDF-Moderator Theo Koll wiederum setzte sich mit AfD-Chef Tino Chrupalla ans Neißeufer und unterbrach ihn so oft, dass kein Gespräch zustande kam.

Das Aufeinandertreffen des MDR-Moderators Lars Sänger mit Höcke lag dazwischen. Oft, allzu oft, erlag der Fragesteller dem Redeschwall des AfD-Chefrhetorikers, der keine Fragen beantworten, sondern Propagandaphrasen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen platzieren wollte. Sachlich falsche Begriffe wie “Merkels Grenzöffnung” und “millionenfache illegale Einwanderung” flimmerten so unwidersprochen über den Sender. Auch eine AfD-Untergangsrhetorik wie “Das Land geht vor die Hunde” hätte Widerspruch verdient.

Doch irgendwann reicht es dem duldsamen Sänger, und er geht Höcke direkt an: “Sie unterstellen uns immer Framing. Was Sie machen, das ist Framing!” Höcke widerspricht nicht, lässt sich auch nicht beeindrucken, sondern macht einfach weiter.

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Höcke beklagt “systematisches Mobbing”

Wie bereits im vergangenen Jahr fragt Sänger den AfD-Landeschef nach seiner Vergangenheit, nach den Texten in zwei NPD-Postillen unter dem Pseudonym “Landolf Ladig” und der persönlichen Bekanntschaft mit NPD-Kader und mutmaßlichem NSU-Unterstützer Thorsten Heise.

Höcke tut das, was er immer tut: Er weicht aus, beklagt “systematisches Mobbing”, zieht die Frage ins Lächerliche. Weder bestreitet er, dass er die Ladig-Texte geschrieben hat, noch distanziert er sich von Heise.

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Inhaltlich ging es nicht um viel. Höcke zeigt, wie stark sich die AfD als Anti-Establishment-Partei an die Corona-Proteste bindet und liefert gleich den Slogan dazu: “Corona ist vorbei”. Er ruft zur Teilnahme an der Berliner Demonstration am Sonnabend auf und sieht dort “besorgte Menschen aus allen politischen Lagern” am Werk. Dass inzwischen fast alle rechtsextremen Gruppierungen ebenfalls zur Teilnahme aufrufen, wischt er weg. Grenzen gibt es nicht mehr.

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Höcke schließt Kandidatur für Bundestag 2021 nicht aus

Über den Sturz seines Verbündeten Kalbitz in der “Milzriss-Affäre” schweigt er seit einer Woche und tut es weiterhin. “Die Parteibasis hat den dringenden Wunsch nach Ruhe und Frieden”, sagt er zur Begründung. So sieht Nibelungentreue in der heutigen Rechten aus.

Gegen seine innerparteilichen Widersacher um AfD-Chef Jörg Meuthen setzt Höcke zwei Nadelstiche, die erkennen lassen, dass er sich auch nach dem Verlust von Kalbitz nicht domestizieren lassen wird. Wie er im vergangenen Jahr mit einer Kandidatur für den Bundesvorstand kokettiert hatte, raunt er jetzt über eine mögliche Kandidatur für den Bundestag: “Ausschließen tue ich das nicht, 2021 für den Bundestag zu kandidieren.”

Und dass die Parteispitze sich im Verfahren gegen Kalbitz auf den Verfassungsschutz und Medienberichte stützte, nennt er natürlich einen “Fehler”.

Überraschend war das alles nicht.

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