Bitte warten

  • Corona-Modellrechnungen zeigen: Bis zum normalen Leben ist es noch ein längerer Weg.
  • Nach der Amokfahrt von Trier ist die Trauer groß.
  • In Magdeburg geht der Streit um den Rundfunkbeitrag in die nächste Runde.
Das tägliche Briefing
|
Anzeige
Anzeige

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

am Ende dieses langen, seltsamen und mitunter deprimierenden Jahres gibt es Hoffnung auf Besserung. Eine Chiffre für diese Hoffnung lautet BNT162b2. Das ist der Name des Impfstoffes der Mainzer Firma Biontech, die jetzt bei der Europäischen Arzneimittel­behörde eine Zulassung beantragt hat, genauso wie Konkurrent Moderna. Es könnte nun also alles ganz schnell gehen. „Unser Ziel ist es, dass bereits im Januar die ersten Risikogruppen und Pflegebeschäftigen geimpft sind“, sagte Bundes­gesundheits­minister Jens Spahn am Dienstag.

Doch wie lange wird es dann noch dauern, bis alle Beschränkungen fallen, bis ein normales Leben wieder möglich sein kann? Prognosen sind schwierig, weil es nach wie vor zu viele Unbekannte gibt. Mindestens drei Nadelöhre gilt es zu bedenken: Gibt es genug Impfstoff? Gibt es ausreichende Impfkapazitäten? Und schließlich: Wie viele Menschen sind überhaupt bereit, sich impfen zu lassen?

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

RND-Hauptstadt­korrespondent Tim Szent-Ivanyi und RND-Redakteurin Saskia Bücker haben vorgerechnet, wie lange es wohl dauern könnte, bis Deutschland die sogenannte Herdenimmunität erreicht hat – dies wäre so, wenn 65 Prozent der Bevölkerung immun wären. Die Antwort: Grob gesagt, bis Ende des Jahres. Also nächsten Jahres. Allerdings wird es auf dem Weg dahin hoffentlich stetig bergauf gehen. Mit jedem Geimpften sinkt die Gefahr des Virus.

Hängepartie in Magdeburg

Eigentlich hätte es heute zum großen Showdown von Magdeburg kommen sollen. Weil die CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt die Erhöhung der Rundfunk­gebühren nicht hinnehmen will, hat sie ihr Veto im zuständigen Medienausschuss angekündigt – auch um den Preis, dass die CDU dann in zwei Wochen im Schulterschluss mit der AfD die ausgehandelte Erhöhung um 0,86 Cent im Landtag verhindert. Das wiederum würde wohl zum Bruch der Koalition aus CDU, SPD und Grünen führen und ganz bestimmt auch zu einer erneuten bundesweiten Debatte über einstürzende Brandmauern zwischen dem rechten Flügel der CDU und der AfD. Erfurt lässt grüßen.

Die Koalition wollte nun in letzter Sekunde eine Vertagung beschließen, um Zeit zu gewinnen. Ob es allerdings wirklich zu einer Vertagung kommt, war bis in den späten Abend hinein unklar. Wie sich bis zur Sitzung in der nächsten Woche die Konstellation ändern könnte, ist auch nicht absehbar. Die CDU fordert Nachverhandlungen zur Erhöhung der Gebühren für ARD und ZDF, was aber schon mehrere Staatskanzleien rundherum abgelehnt haben.

Anzeige

Ein Bruch der Kenia-Koalition steht nach wie vor im Raum. In etwas mehr als einem halben Jahr würde in jedem Fall ein neuer Landtag gewählt werden, von einem vorzeitigen Ende könnten sich also mehrere Parteien eine gute Ausgangsposition versprechen. Für die AfD ist die Konstellation in jedem Fall ein Glücksfall. Zum einen ist die Erhöhung der ungeliebten Rundfunkabgabe nicht nur in AfD-Kreisen umstritten. Zum anderen sieht sie wieder einmal die Chance, die restlichen Parteien vorzuführen. Nur um den Rundfunkbeitrag jedenfalls geht es in Magdeburg längst nicht mehr.

Trauer in Trier

Anzeige
Ein Mann zündet an der Porta Nigra eine Kerze für die Opfer einer Amokfahrt eines 51-jährigen Mannes durch die Trierer Innenstadt an. © Quelle: Harald Tittel/dpa

In Zickzacklinien sei er gefahren, „um Menschen Leid zuzufügen“: So beschrieb der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz gestern Abend die erschütternde Tat des 51-Jährigen Mannes, der mit einem geliehenen Auto mit 1,4 Promille Alkohol im Blut durch die Fußgängerzone der Trierer Altstadt raste. Fünf Menschen sind getötet worden, darunter ein Baby, es gab mehrere Schwerverletzte. Der gebürtige Trierer war bislang nicht polizeilich aufgefallen. Über die Motivlage dieser „sinnlosen Tat“, erklärte der Staatsanwalt gestern, sei noch nichts bekannt, allerdings gebe es Hinweise auf psychische Probleme, nicht jedoch auf einen politischen Hintergrund.

Der Tatverdächtige ist gefasst – er wurde gestern Abend noch verhört. Es wird deshalb heute mit neuen Erkenntnissen gerechnet. Triers Bürgermeister Wolfgang Leibe jedenfalls forderte schon gestern Abend Aufklärung: „Ich will wissen, warum jemand so etwas tut.“

Der Tag Wissen, was der Tag bringt: Erhalten Sie jeden Morgen um 7 Uhr das Nachrichten-Briefing vom RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Zitat des Tages

Die Regierungen von Polen und Ungarn rasen wie in einem betrunkenen Traum auf die Wand zu.

Kommentar in der polnischen Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ zur Blockade des EU-Haushalts durch die beiden Länder
Anzeige

Leseempfehlungen

Die Termine des Tages

  • Sitzung des Klimakabinetts der Bundesregierung: Themen sind unter anderem die EU-Verhandlungen über ein Klimaschutzgesetz und ein höheres Klimaschutzziel für 2030 sowie eine Zwischenbilanz zum Klimaschutz­programm 2030.
  • Beratungen der Außenminister der Nato-Staaten (zweiter und letzter Tag): Thema sind unter anderem die Zukunft des Nato-Einsatzes in Afghanistan und die Bemühungen um eine Stärkung der politischen Dimension der Nato. Grundlage der Beratungen über die Stärkung der politischen Dimension wird der Bericht eines Expertengremiums sein, das von dem früheren deutschen Innenminister Thomas de Maizière und dem US-Diplomaten Wess Mitchell geleitet wurde.
  • Videokonferenz der Minister­präsidentinnen und Minister­präsidenten der Länder: Dabei soll es nach Angaben des aktuellen MPK-Vorsitzlandes Berlin vor allem um Themen abseits der Corona-Pandemie gehen, wie etwa die Energiewende und die Ganztagsschule.
  • Online-Pressekonferenz des Instituts für Demoskopie Allensbach zur Vorstellung der Allensbach-Umfrage „Generation Mitte“: Im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungs­wirtschaft (GDV) hat Allensbach die Sorgen und Ängste, die ökonomischen und sozialen Hintergründe der Generation Mitte beleuchtet.

Wer heute wichtig wird

Die Hongkonger Aktivisten Ivan Lam (rechts) und Joshua Wong (links) wurden auf einem Gefängnishof in Hongkong von Justizvollzugs­beamten aneinander­gekettet. © Quelle: Uncredited/Apple Daily/dpa
Anzeige

Für heute wird das Urteil gegen Joshua Wong und andere Hongkonger Aktivisten erwartet: Der bekannte Führer der Demokratie­bewegung und zwei seiner Mitstreiter haben sich schuldig bekannt, einen unerlaubten Protest organisiert zu haben, und sitzen schon in Haft. Wong, Ivan Lam und Agnes Chow drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis.

Jede Stunde neu: die News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

aus dem RND-Newsroom: Ihr Dirk Schmaler

Abonnieren Sie auch:

Die Schicksalswahl: Unser Newsletter zur Präsidentschafts­wahl in den USA, immer dienstags und freitags.

Die Pandemie und wir: Die wichtigsten Nachrichten der Woche, Erkenntnisse der Wissenschaft und Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.

Das Stream-Team: Die besten Serien- und Filmtipps für Netflix und Co. – jeden Monat neu.

Mit RND.de, dem mobilen Nachrichten­angebot des Redaktions­Netzwerks Deutschland, dem mehr als 60 regionale Medienhäuser als Partner angehören, halten wir Sie immer auf dem neuesten Stand, geben Orientierung und ordnen komplexe Sachverhalte ein – mit einem Korrespondenten­netzwerk in Deutschland und der Welt sowie Digital­experten aller Bereiche.

Falls Sie Anregungen oder Kritik haben, melden Sie sich gern direkt bei unserem Chefredakteur Marco Fenske: marco.fenske@rnd.de.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen