Bildungsbericht: Was in der Corona-Krise noch schlimmer wird

  • In Berlin haben Wissenschaftler den Nationalen Bildungsbericht 2020 vorgelegt.
  • Dass Deutschland in Sachen digitales Lernen zurückhinkt, ist nicht neu – doch es wirkt sich in Zeiten von Corona besonders gravierend aus.
  • Ein weiterer Befund gibt Anlass zu großer Sorge.
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Berlin. Mehr junge Menschen ohne Schulabschluss, Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung: Diese und andere Herausforderungen stellen Wissenschaftler im Nationalen Bildungsbericht 2020 heraus. Durchschnitt reiche nicht aus, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) bei der Vorstellung des Berichts in Berlin. Mit Blick auf die Digitalisierung fügte sie hinzu, einiges müsse nun schneller gehen. “Jetzt ist Learning by Doing angesagt”, betonte sie.

Wo hat Deutschland sich in Bildungsfragen positiv entwickelt?

“Die Durchlässigkeit im Bildungswesen wurde durch Reformen der Struktur des Bildungssystems über viele Jahrzehnte erhöht”, schreiben die Autoren des Bildungsberichts. Wichtige Bildungsentscheidungen fielen zwar immer noch sehr früh, könnten aber leichter korrigiert werden. Das heißt: Wer heute mit mäßigen Noten die Grundschule verlässt, hat bessere Möglichkeiten als früher, es bis zum Abitur zu schaffen. Dazu tragen insbesondere Schulen bei, auf denen verschiedene Bildungsabschlüsse gemacht werden können. Auch für Erwachsene ist das Angebot, sich weiter zu qualifizieren, breiter als früher.

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Heißt das, jetzt herrscht Bildungsgerechtigkeit in Deutschland?

Nein. In Deutschland ist der Bildungserfolg nach wie vor stark an den sozialen Hintergrund gekoppelt. Auch Kinder, bei denen zu Hause kein Deutsch gesprochen wird, müssen besser gefördert werden. Der vielleicht traurigste Befund des Bildungsberichts: Die Probleme am unteren Ende der Bildungsskala sind größer geworden – ein Trend, der sich durch die Corona-Krise noch verschärfen könnte. Verglichen mit dem Tiefststand von 2013 verlassen wieder mehr junge Menschen die Schule ohne einen Hauptschulabschluss, nämlich 6,8 Prozent.

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Wie schaut es am oberen Ende der Bildungsskala aus?

Während in der Vergangenheit gelegentlich eine Inflation höherer Bildungsabschlüsse beklagt wurde, zeigt sich nun: Die Entwicklung zu immer höheren Abschlüssen stößt an Grenzen. Die Quote derer, die in einem Jahrgang die allgemeine Hochschulreife erreichen, ist auf 39,9 Prozent gesunken, auch bei den mittleren Abschlüssen gibt es einen Trend nach unten.

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Ein Schwerpunkt des Berichts ist die Digitalisierung im Bildungsbereich. Wie fällt das Urteil der Wissenschaftler hier aus?

“Bislang fehlt es an einer überzeugenden und abgestimmten Strategie für Bildung in einer digitalisierten Welt”, sagte der Sprecher der Autoren des Bildungsberichts, Kai Maaz vom Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation. Der Bericht – erhoben aufgrund von Daten vor der Corona-Krise – unterstreicht hier die Erfahrungen, die viele Eltern von Schulkindern in der Corona-Krise gemacht haben. Während das digitale Lernen an der einen Schule schon funktioniert, fehlt es an der anderen an der grundlegenden Ausstattung. Die Aus- und Weiterbildung von Lehrern zu dem Thema ist noch unzureichend.

Müssen Lehrer angesichts der Corona-Krise in den Sommerferien Fortbildungen zum Thema digitales Lernen machen?

“Für uns Eltern ist es keine Frage, dass es für Lehrer in den Sommerferien Fortbildungen in Sachen digitales Unterrichten geben muss”, hat der Vorsitzende des Bundeselternrats, Stephan Wassmuth, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) gesagt. Die Bildungsgewerkschaft GEW hat das fehlende Angebot bemängelt, besteht aber auf Freiwilligkeit. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Stefanie Hubig (SPD), nannte den Befund im Bildungsbericht zur Digitalisierung einen “Weckruf für uns alle”. Die Länder intensivierten die Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Onlinekursen für die Lehrer, es gebe aber “keine Weiterbildungsverpflichtung”.

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