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Newsletter „What's up, America?“

Bidens höllische Attacke auf Trump

„Bilder wie am Eingang zur Hölle“:  US-Präsident Joe Biden bei seiner Anti-Trump-Rede am 1. September in Philadelphia.

„Bilder wie am Eingang zur Hölle“: US-Präsident Joe Biden bei seiner Anti-Trump-Rede am 1. September in Philadelphia.

Liebe Leserinnen und Leser,

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es war nicht irgendeine Rede, die Joe Biden am 1. September im Independence National Historical Park in Philadelphia gehalten hat. Es war ein Auftritt fürs Geschichtsbuch.

Donald Trump und seine Anhänger, sagte Biden, „repräsentieren einen Extremismus, der die Grundfesten unserer Republik bedroht.“ Indem Trump noch immer einen Sieg bei der Wahl im Jahr 2020 reklamiere, zeige er, dass er die Verfassung nicht respektiert, nicht an den Rechtsstaat glaubt und den Willen des Volkes nicht anerkennt. Biden fügte hinzu: „Demokratie kann nicht überleben, wenn eine Seite glaubt, dass nur zwei Wahlausgänge möglich sind: Entweder sie gewinnt, oder sie ist um ihren Sieg betrogen worden.“

Es waren Worte wie Kanonenschüsse. Kritiker sprechen vom Beginn eines verbalen amerikanischen Bürgerkriegs. Das Nachlesen lohnt sich, den kompletten Redetext finden Sie hier. Fest steht jedenfalls: Noch nie hat ein amerikanischer Präsident in einem so vernichtenden Ton vor einem politischen Gegner gewarnt.

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Willkommen zur neuen Ausgabe von „What‘s up, America“. Viele Beobachter des Geschehens in den USA reiben sich derzeit verwundert die Augen: Warum schlägt Biden so aggressive Töne an? Hatte der 78-Jährige nicht immer gesagt, er wolle Amerika versöhnen statt spalten?

Auftritt mit „blutroter Nazi-Beleuchtung“

In früheren Reden vermied es Biden, seinen Amtsvorgänger auch nur zu erwähnen. Jetzt aber nannte er immer wieder Trumps Namen, voll Ekel und Abscheu, als spreche er nicht über einen Politiker mit anderen Ansichten, sondern über einen Teufel, den es endlich auszutreiben gelte. Anderenfalls riskiere Amerika, alles zu verlieren, seine Freiheit und seine Demokratie.

Zur Dramatik eines Kampfs zwischen Gut und Böse passte die ungewohnte teils rote, teils dunkle Bühnenoptik in Philadelphia. Kommentatoren im rechtsgerichteten Fernsehsender Fox mokierten sich prompt über „blutrote Nazi-Beleuchtung“ und „Bilder wie am Eingang der Hölle“.

Vielleicht ist Biden auch einfach nur ein bisschen selbstbewusster geworden in jüngster Zeit. Doch auch jene, die Biden gern verhöhnen, mussten registrieren: Der US-Präsident blickt derzeit auf noch immer schwache, aber immerhin wieder ansteigende Popularitätswerte.

Die Demoskopieplattform FiveThirtyEight ermittelnd laufend die aktuellen Zustimmungswerte für den Präsidenten aus einer Fülle Umfragen.

Die Demoskopieplattform FiveThirtyEight ermittelnd laufend die aktuellen Zustimmungswerte für den Präsidenten aus einer Fülle Umfragen.

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Hat Biden es in Philadelphia übertrieben, sich gar selbst geschadet? Wohl kaum. Auch wäre es falsch, Bidens Vorgehen gegen Trump mit einer Art Exorzismus gleichzusetzen. Die Sache ist viel schlichter. Es sieht so aus, als habe Biden dem Republikaner eine Falle gestellt – in die dieser dann prompt hineintappte, wie David Frum im Magazin „The Atlantic“ schreibt.

Trump sah sich persönlich herausgefordert. Er pumpte sich auf und wollte es dem Mann im Weißen Haus schnell heimzahlen: Trumps Auftritt in Wilkes-Barre, Pennsylvania, geriet zu einer einzigen fauchenden Hasstirade. Dazu trug auch Trumps Wut über die von Bundesbehörden angeordnete und richterlich genehmigte Durchsuchung seiner Privaträume in Florida bei.

Trump sieht im FBI ein „bösartiges Monster“

Trump zog alle Register rechtsextremistischen Denkens. Er nannte seinen Gegner Biden einen Volksfeind („enemy of the people“). Zugleich wischte Trump jeden Respekt vor staatlichen Institutionen weg: Das FBI und das Justizministerium seien bösartige Monster („vicious monsters“).

Dieser verstörende Auftritt gab allen Recht, die in Trump einen ausgerasteten, machthungrigen Egomanen auf dem Weg zu Verfassungsbruch und Alleinherrschaft sehen. Doch jenseits aller staatspolitischen Debatten ergibt sich jetzt ein handfester parteitaktischer Vorteil für die Demokraten: Je mehr jetzt von Trump die Rede ist, umso besser.

Der frühere Präsident schlägt hart gegen den „Volksfeind Biden“ zurück: Donald Trump am 4. September bei einer Kundgebung in Wilkes-Barre, Pennsylvania.

Der frühere Präsident schlägt hart gegen den „Volksfeind Biden“ zurück: Donald Trump am 4. September bei einer Kundgebung in Wilkes-Barre, Pennsylvania.

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Noch bis vor Kurzem galt als sicher, dass die Demokraten bei den Zwischenwahlen am 8. November ihre knappen Mehrheiten sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat verlieren würden. Die Inflation drückt auf die Stimmung, zudem ist zwei Jahre nach Amtsbeginn eines neuen Präsidenten ein Ausschlag des Pendels zur jeweils anderen Seite normal.

Das Thema Trump aber könnte Biden und seinen Demokraten helfen, das absehbare Desaster zu vermeiden oder es zumindest in Grenzen zu halten. Dazu müsste es den Demokraten gelingen, die Zwischenwahlen zu einer Art vorgezogenen Volksabstimmung über eine mögliche Wiederkehr Trumps bei der Präsidentschaftswahl 2024 zu machen. Auf diese Weise könnte die Partei des Präsidenten einen bei den „mid-terms“ entscheidenden Faktor zu ihren Gunsten beeinflussen: die Wahlbeteiligung der eigenen Leute.

Versöhnen statt spalten? Biden blickt derzeit nach einer langen Durststrecke auf wieder ansteigende Popularitätswerte. Im zweiten Amtsjahr reicht es ihm völlig aus, wenn er seine zeitweilig arg enttäuschten Wähler mit sich und seiner Regierung versöhnen kann.

Wenn es zeitgleich gelingt, mit dem Thema Trump eine Spaltung der Republikaner in Gang zu bringen, stünden aus Sicht des Weißen Hauses alle innenpolitischen Zeiger im grünen Bereich. Das große staatspolitische Versöhnungsprojekt mit Blick auf ganz Amerika hat schließlich noch zwei Jahre Zeit.

 

FACTS AND FIGURES: Das Wasser wird knapp

Im Westen der USA herrscht Trockenheit, im Süden machen Überschwemmungen Kläranlagen unbrauchbar: Allerorten beginnt derzeit ein ungewohnt heftiger Kampf um Wasser.

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So trocken wie in diesem Sommer war es noch nie: Diese Aufnahme entstand vor wenigen Tage am Great Salt Lake Yachthafen in der Nähe von Salt Lake City.

So trocken wie in diesem Sommer war es noch nie: Diese Aufnahme entstand vor wenigen Tage am Great Salt Lake Yachthafen in der Nähe von Salt Lake City.

  • Die 150.000 Einwohner von Jackson, Mississippi, leben schon seit Tagen ohne sauberes Trinkwasser – und ein Ende der Krise ist nicht in Sicht. Aktuelle Ursache ist der Ausfall einer Kläranlage, doch die Wurzeln des Problems liegen laut „Washington Post“ tiefer. Schon seit Jahren versäume es der republikanisch regierte Südstaat, seine mehrheitlich von Schwarzen bewohnte Hauptstadt verlässlich mit sauberem Wasser zu versorgen. Derzeit liefert die Nationalgarde den Einwohnern von Jackson tonnenweise Mineralwasser.
  • Quer durch die USA leiden Landwirte unter der Dürre. Der Agrarverband American Farm Bureau Federation fürchtet einen Rückgang der Erträge um bis zu 30 Prozent. Ob es um Mais gehe, Weizen oder Tomaten: Klarer denn je erweise sich jetzt der Klimawandel als Preistreiber.
  • In Kalifornien drückt das dritte Jahr einer extremen Dürre auf die Stimmung. Auch nach jüngsten Regenfällen bleibt der Pegelstand großer Wasserreservoirs in dem Bundesstaat besorgniserregend niedrig. Der Colorado River liefert den Kaliforniern bereits seit 20 Jahren immer weniger Wasser. In diesem Jahr fürchtet man den „Dead Pool“-Effekt, der eintreten könnte, wenn die Stauseen so weit abfallen, dass das Colorado-Wasser nicht mehr nach Süden fließt. Bei einem solchen Totalabriss der Strömung stünde die Wasserversorgung von rund 40 Millionen Amerikanern auf dem Spiel.
 

POPPING UP: Die Prügelstrafe ist wieder da

Der Schulbezirk Cassville im Südwesten von Missouri erlaubt es Lehrern seit Ende August, Schüler für Fehlverhalten im Unterricht körperlich zu bestrafen. Vorgesehen sind Schläge mit einem Holzpaddel aufs Gesäß. Die Körperstrafen hängen jedoch von der Einwilligung der Eltern ab. Die Lokalzeitung Springfield News-Leader berichtete, den Eltern seien Formulare ausgehändigt worden, auf denen sie angeben sollen, ob sie die Schule autorisieren, ein Paddel bei ihrem Kind zu verwenden.

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Hier darf geschlagen werden: Reporter aus allen Teile der USA berichteten in den vergangenen Tagen über die Wiedereinführung der Prügelstrafe an den Schulen von Cassville, Missouri.

Hier darf geschlagen werden: Reporter aus allen Teile der USA berichteten in den vergangenen Tagen über die Wiedereinführung der Prügelstrafe an den Schulen von Cassville, Missouri.

Die Schulverwaltung lehnt die meisten Medienanfragen aus dem In- und Ausland ab. Die „Washington Post“ notierte, auch ihr habe der zuständige Superintendent Merlyn Johnson kein Interview geben wollen. Dem „News-Leader“ sagte Johnson immerhin so viel: Jüngere Schüler sollten ein oder zwei Paddelschläge erhalten, ältere bis zu drei. Die Mehrheit der Eltern, sagte Johnson, hätten dem Distrikt dafür gedankt, dass er die Praxis genehmigt habe, die im ganzen Land größtenteils rückläufig sei.

Die Vereinten Nationen betrachten körperliche Züchtigung als Menschenrechtsverletzung. Die UN-Konvention über die Rechte des Kindes fordert alle Länder nachdrücklich auf, diese Praxis zu verbieten. In 19 US-Bundesstaaten indessen sind körperliche Strafen in der Schule prinzipiell erlaubt, auch wenn sie de facto oft nicht mehr praktiziert werden. Im Jahr 1977 beließ der Supreme Court die Angelegenheit in der Autorität von Eltern und regionalen Schulbehörden, eine Verfassungsbeschwerde aus Florida hatte damals keinen Erfolg.

 

DEEP DIVE: Mal ein Lob für Deutschland

Etwas Positives über Deutschland liest man in den Kommentarspalten international einflussreicher Zeitungen derzeit, milde gesagt, eher selten. Zu hoch war die Abhängigkeit der Deutschen von russischem Gas, zu zögerlich Berlins Militärhilfe für die von Russland überfallene Ukraine, als dass die Deutschen anderen westlichen Gesellschaften im Augenblick in irgendeiner Art vorbildlich erscheinen könnten.

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Umso mehr ließ jetzt ein Beitrag von Fared Zakaria in der „Washington Post“ aufhorchen. Die Welt dürfe den ebenso schnellen wie umfassenden Wandel nicht verkennen, der in Deutschland im Gang sei, schreibt Zakaria. Er deutet auf die von Kanzler Olaf Scholz verkündete Zeitenwende, auf Berlins energiepolitischen Umbau, auf die auf lange Sicht angelegten deutschen Hilfen für die Ukraine und auf den insgesamt stabilen Eindruck, den die deutsche Demokratie derzeit in schwieriger Zeit macht.

Der in Indien geborene Fareed Zakaria, der die US-Universitäten Yale und Harvard besucht hat, gehört zu den einflussreichsten politischen  Journalisten in den USA. Im Sender CNN moderiert er eine eigene Sendung. Er arbeitete bereits für „Time“, „Newsweek“ und das renommierte Fachmagazin „Foreign Affairs“. Er ist Autor des Buchs  „Zehn Lektionen für eine Welt nach der Pandemie“.

Der in Indien geborene Fareed Zakaria, der die US-Universitäten Yale und Harvard besucht hat, gehört zu den einflussreichsten politischen Journalisten in den USA. Im Sender CNN moderiert er eine eigene Sendung. Er arbeitete bereits für „Time“, „Newsweek“ und das renommierte Fachmagazin „Foreign Affairs“. Er ist Autor des Buchs „Zehn Lektionen für eine Welt nach der Pandemie“.

Der Beitrag erwähnt nicht ausdrücklich die bestürzende Spaltung der USA, die fortwährende Lähmung Londons durch den Populismus, den nur knappen jüngsten Sieg Emmanuel Macrons über Marine Le Pen oder die am 22. September bevorstehende Machtübernahme in Rom durch Italiens Neofaschisten. Dies alles aber scheint mitzuschwingen, wenn Zakaria schreibt: „Wir verpassen oft die gute Nachricht, besonders wenn sie nicht in Form eines einzelnen Ereignisses kommt. Einer der auffälligsten positiven Trends in der Welt dieser Tage ist in der demokratischen Stärke, dem Charakter und der Führungsstärke Deutschlands zu finden.“

Ein solcher „pat on the back“ tut manchmal ganz gut.

 

WAY OF LIFE: Lake Superior? Warum nicht?

Einkaufen in New York? In Sichtweite von Delphinen schwimmen in Florida? Manche Reiseziele in den USA haben, so schön sie sind, den Nachteil, dass sie sich irgendwann abnutzen – und mittlerweile fast jeder schon mal da war.

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Eine neue Aufmerksamkeit gilt inzwischen den Geheimtipps weit abseits der ausgetretenen Pfade. Zu diesem Trend passen die „22 am meisten unterschätzten Reiseziele in den USA“, die der Reisejournalist Joe Yogerst am 5. September für CNN zusammengestellt hat.

Vielleicht liegt der wahre Zauber ja tatsächlich in der Zurückhaltung. Schlichtes Wandern auf dem New England Trail zum Beispiel, von New Haven, Connecticut, durch Zentral-Massachusetts bis New Hampshire, könnte sich, gutes Wetter vorausgesetzt, zu einer beglückenden Erfahrung entfalten. Große Städte liegen nicht auf dem Weg, man bleibt, egal welchen Abschnitt man wählt, immer im grünen Bereich.

Auch interessant: West Virginia. Wer Washington mit dem Auto Richtung Westen verlässt, kann sich schon zwei Stunden später in einer Traumwelt wiederfinden mit gurgelnden Bächen und grünen Wäldern, die jedem Naturenthusiasten das Herz aufgehen lässt.

Alles grün und blau: Lake Superior ist der größte Frischwassersee der Erde.

Alles grün und blau: Lake Superior ist der größte Frischwassersee der Erde.

Unterschätzt wird auch die stille Magie von Lake Superior. Unter den großen Seen ist Superior der größte, er ist sogar der größte Frischwassersee der Welt. Touristen haben ihn meist gar nicht auf dem Schirm. Dabei ist die Natur rund um Lake Superior einzigartig – und Angler können aus ihm mit etwas Glück 86 verschiedene Fischarten herausholen.

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Den nächsten USA-Newsletter bekommen Sie am 20. September. Bis dahin: Stay sharp – and stay cool!

Ihr Matthias Koch

 

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