Bidens Amtsübernahme – sanfter Ton, klare Ansage

  • In seiner ersten Rede macht der neue US-Präsident Joe Biden seine Distanz zu seinem Vorgänger Donald Trump deutlich.
  • Er bedankt sich nicht bei ihm und kritisiert Herumschreierei und Lügen.
  • Eine versöhnliche Umarmung wäre auch der falsche Schritt gewesen – Biden wäre als netter Grüßonkel gestartet, kommentiert Daniela Vates.
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Berlin. Es gibt Selbstverständlichkeiten, die doch etwas Besonderes sind. Joe Biden hat die US-Präsidentschaftswahl gewonnen, er wurde nun als neuer US-Präsident vereidigt, und die Zeremonie verlief ohne Zwischenfälle. So sollte das sein, und doch ist es bis zuletzt nicht sicher gewesen. Bidens Amtsvorgänger Donald Trump hatte lange versucht, diesen Tag zu verhindern, mit Lügen, Drohungen und der Anstiftung zu Gewalt.

Mit Biden zieht ein neuer Ton ein ins Weiße Haus. Hoffnung, Anstand, Heilung, Güte und Gemeinsamkeit beschwor der neue Präsident in seiner ersten Rede nach der Vereidigung. Es sind Worte, die sich schwer mit Trump in Verbindung bringen lassen.

Schlechter als mit einem notorischen Rüpel und Egomanen an der Spitze der mächtigen USA kann es kaum werden, nicht für das Land und nicht für die Welt. So gesehen hat es Biden fast leicht.

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Aber er hat es eben auch schwer: Trump hat international ein Trümmerfeld hinterlassen, und er hat die amerikanische Bevölkerung tief gespalten. Man müsse das Chaos überwinden, so hat es Biden ausgedrückt. Das wird enorme Kraft kosten.

Biden setzte in seiner Rede auf Versöhnung. Einen Fehler hat er dabei vermieden: Er hat nicht den netten Grüßonkel gegeben und Trump nicht in seine Umarmung einbezogen. Kein Wort des Dankes gab es für den Vorgänger – wofür auch.

Jeder weiß, wer gemeint ist, wenn Biden sagt, man müsse aufhören, herumzuschreien und Fakten zu manipulieren.

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Mit seinem Nein zu weißem Überlegenheitsdenken positionierte sich Biden klar in der Auseinandersetzung um Ungleichheit, in der sich Trump auf die Seite der Rechtsextremisten geschlagen hatte.

Gerechtigkeit, Wahrheit und Sachlichkeit – das klingt nach Selbstverständlichkeiten. Aus dem Mund eines US-Präsidenten sind sie nach vier Jahren Trump so besonders, dass sie aufatmen lassen.

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