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Biden nach US-Truppenabzug aus Afghanistan: Es war die beste Entscheidung für Amerika

US-Präsident Joe Biden (Archivfoto)

Berlin/Washington. Nach dem vollendeten Truppenabzug aus Afghanistan hat US-Präsident Joe Biden die Entscheidung, den Krieg zu beenden, einmal mehr verteidigt. „Ich bin davon überzeugt, dass es eine richtige, weise und die beste Entscheidung für Amerika war”, sagte er am Dienstag in einer Rede an die Nation in Washington. Viele US-Amerikaner seien in den vergangenen 20 Jahren durch die Hölle gegangen. Viele dramatische Schicksale habe es gegeben. „Wir sehen es an den Überlebenden. Sie tragen den Krieg ihr Leben lang mit sich“, so Biden. Krieg gebe es niemals zu geringen Kosten. „Es ist Zeit, in die Zukunft zu schauen, nicht in die Vergangenheit.“

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Biden sang zudem ein Loblied auf die Evakuierungsmission der USA. Man habe Zehntausende Menschen evakuiert. Keine Nation habe jemals Vergleichbares erreicht. 100 oder 200 US-Amerikaner seien noch da, die das Land verlassen wollen. Aber 90 Prozent derjenigen US-Bürger, die weg wollten, seien evakuiert worden. „Wir werden unsere diplomatischen Bemühungen fortsetzen, um sie herauszuholen“, versprach er. „Wir sind weit entfernt davon, fertig zu sein.“

Der UN-Sicherheitsrat habe am Montag ferner eine klare Botschaft gesandt: Die Taliban müssten denen, die das Land verlassen wollten, die Freiheit dazu einräumen.

Er lobte die Fähigkeiten des US-Militärs, von US-Diplomaten und Ortskräften, die geholfen hätten. Trotz der Gefahr durch die Taliban hätten sie ihr Leben riskiert. 20 US-Amerikaner hätten sich verletzt, 13 Helden ihr Leben gegeben, sagte er mit Blick auf den Anschlag am Flughafen Kabul in der vergangenen Woche.

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Taliban übernehmen Kontrolle über Flughafen von Kabul

Die US-Truppen haben Afghanistan verlassen. Inzwischen kontrollieren die Taliban den Flughafen. Spezialeinsatzkräfte der Islamisten sind vor Ort.

Keine willkürliche Entscheidung

Der Truppenabzug zum 31. August sei nicht auf eine „willkürliche Frist“ zurückzuführen, sagte Biden zudem. „Er war so ausgelegt, um amerikanische Leben zu retten.“ Sein Amtsvorgänger Donald Trump habe eine Vereinbarung mit den Taliban getroffen und den Abzug der US-Truppen zugesagt. Er selbst habe die Wahl gehabt, daran festzuhalten oder Zehntausende weitere US-Soldaten nach Afghanistan zu schicken und den Einsatz fortzusetzen. Die USA hätten allein die Wahl gehabt, das Land zu verlassen oder den Konflikt zu eskalieren.

„Ich übernehme die Verantwortung für die Entscheidung“, sagte er. „Hätten wir im Juni oder Juli mit der Evakuierung begonnen, hätten wir mitten in einem Bürgerkrieg begonnen. Das wäre ebenfalls gefährlich geworden.“ Und weiter: „Fakt ist, alles hat sich verändert, nachdem mein Vorgänger eine Vereinbarung mit den Taliban getroffen hat.“

Auf Kerninteresse besinnen

Nach Bidens Ansicht haben die USA in Afghanistan nur ein Kerninteresse: Dass es niemals wieder ein Ort sein dürfe, von dem Gefahr ausgehe für die USA. „Es war Zeit, diesen Krieg zu beenden. Das ist eine neue Welt. Wir sind konfrontiert mit den Terrororganisationen Al-Shabab in Somalia und dem IS.“ Seine erste Aufgabe sei es, das Land gegen die Bedrohungen der Gegenwart zu beschützen. Und nicht gegen jene von 2001.

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„Unsere Strategie muss sich verändern. Wir brauchen keinen Bodenkrieg mehr, um uns zu verteidigen. Wir haben unsere Fähigkeiten erst letzte Woche unter Beweis gestellt“, sagte er mit Blick auf den Drohnenangriff auf Mitglieder des IS. Und: Jenen, die den USA Schlechtes wünschten, sei klar gesagt: „Wir werden nicht vergeben und vergessen. Wir werden euch jagen bis zum Ende.“

Wettkampf mit China

Biden betonte, ein Wahlkampfversprechen eingelöst zu haben. „Der Krieg in Afghanistan ist jetzt vorbei. Als ich für das Präsidentenamt kandidierte, versprach ich, diesen Krieg zu beenden. Und heute hab ich dieses Versprechen erfüllt“, sagte er weiter. Er verwies auf die US-Amerikaner, die ihr Leben gelassen haben und die Milliarden US-Dollar, die ausgegeben worden sind. „Seit 20 Jahren kannten wir kein Amerika in Frieden mehr.“

Die Welt verändere sich und „wir sind in einem ernsthaften Wettbewerb mit China“. Zudem müssten sich die USA den Bedrohungen durch Russland stellen. Da wäre nichts, was sich diese beiden Staaten mehr wünschen würden, „als dass wir ein weiteres Jahrzehnt in Afghanistan verbracht hätten“.

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Das letzte US-Militärflugzeug hob am Montagabend eine Minute vor Mitternacht vom Flughafen Kabul ab. Damit beendeten die USA ihren Militäreinsatz nach fast 20 Jahren. Der Abflug machte den Talibankämpfern den Weg auf das Flughafengelände frei, das sie sofort erkundeten. Militärisches Gerät hatten US-Soldaten vorher unbrauchbar gemacht – bis auf „ein paar Feuerwehrautos und ein paar Gabelstapler“, wie Pentagonsprecher John Kirby dem Sender CNN sagte.

Der Abzug der letzten US-Soldaten markierte auch das Ende der militärischen Evakuierung von US-Bürgern, Verbündeten und schutzbedürftigen Afghanen. Zurückgebliebene Amerikaner und andere Schutzsuchende wollen die USA nach Worten von Präsident Joe Biden aber weiter mit diplomatischen Mitteln soweit möglich aus dem Land holen.

RND/cz/dpa

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