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Kommentar

Proteste im Iran: die Sprachlosigkeit in Berlin

Demonstranten fliehen am Montagabend in Teheran vor der Polizei während eines Protestes gegen den Tod der 22-jährigen Mahsa Amini in Polizeigewahrsam.

Demonstranten fliehen am Montagabend in Teheran vor der Polizei während eines Protestes gegen den Tod der 22-jährigen Mahsa Amini in Polizeigewahrsam.

Berlin. Bei manchen Exil-Iranern in Deutschland gilt der 1979 durch die Islamische Revolution gestürzte letzte Schah Reza Pahlavi, der gewiss kein Demokrat war, inzwischen schon als das kleinere Übel. In Berlin gibt es persische Restaurants, in denen das Porträt des autokratischen Herrschers in Uniform demonstrativ an der Wand hängt und der Wirt erklärt Gästen, wer den Schah kritisiere, habe keine Ahnung vom heutigen Iran.

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In der Tat zeigt sich das Regime in Teheran gerade wieder von seiner schlimmsten mittelalterlichen Seite, indem es Kleidervorschriften für Frauen mit Hilfe einer Sittenpolizei durchsetzen lässt und dabei offensichtlich nicht vor Gewalt zurückschreckt. Wegen ihrer „unislamischen Kleidung“ und unter dem Vorwurf, sie trage ihr Kopftuch nicht richtig, ist die 22-jährige Mashsa Amini vor einer Woche verhaftet worden und dann auf bislang ungeklärte Weise ums Leben gekommen.

Iran: Regierung schlägt Proteste mit Gewalt nieder

Die Polizei dementiert jegliche Gewaltanwendung, aber im Internet kursiert die Version, die Frau sei nach der Verhaftung auf den Kopf geschlagen worden. Inzwischen sind in den vergangenen Tagen Tausende Iraner auf die Straße gegangen und haben Aufklärung vom Regime in Teheran gefordert. Die erzkonservative Regierung unter Präsident Ebrahim Raisi kommt in Erklärungsnot und reagiert mit Gewalt gegen Demonstranten.

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Iran: Erneute Proteste nach dem Tod von junger Frau

Eine 22-Jährige war nach ihrer Festnahme durch die Sittenpolizei verstorben.

Wahrscheinlich werden die Proteste das System nicht ernsthaft erschüttern. Aber sie zeigen, dass immer mehr Menschen die Mullah-Diktatur ablehnen und sich nach Freiheit sehnen. Iranische Oppositionelle in Berlin bemühen beim Vergleich mit dem Schah-Regime das Bild „vom Regen in die Traufe“ und kritisieren, dass die Bundesregierung bislang zu den Vorgängen in ihrem Land schweigt.

Es bleibt zu hoffen, dass nicht die riesigen Gasvorkommen im Iran der Grund für Berlins Sprachlosigkeit sind.

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