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Hungerstreik von Klimaaktivisten in Berlin: „Unser Zustand verschlechtert sich“

  • Seit 17 Tagen befinden sich sechs Klimaaktivisten in Berlin im Hungerstreik.
  • Sie fordern ein ehrliches Gespräch mit den Spitzenpolitikern von CDU, Grünen und SPD über eine Wende in der Politik.
  • Ihr Gesundheitszustand hat sich bereits massiv verschlechtert.
Jorid Behn
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Berlin. Die Blicke sind gesenkt, die Bewegungen nur noch langsam. Blass und müde sehen die sechs Klimaaktivisten im Spreebogenpark aus. Seit 17 Tagen sind sie nun schon im Hungerstreik. Ihre Forderung: ein ehrliches und öffentliches Gespräch mit den drei Spitzenkandidaten Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz über die Realität der Klimakatastrophe. Es müsse eine radikale Wende geben. Außerdem fordern sie einen Bürgerrat, der der Politik Sofortmaßnahmen vorgeben soll.

Diese Ziele sind ihnen so wichtig, dass sie dafür ihre eigene Gesundheit aufs Spiel setzen. „Wir haben jetzt schon neun Kilogramm abgenommen. Unser Zustand verschlechtert sich“, sagt Henning Jeschke. Bei der Pressekonferenz im Camp liegen die Aktivisten auf einer Matratze. Stehen fällt ihnen zunehmend schwerer. „Wir haben mittlerweile ein hohes Bedürfnis nach Ruhe und uns wird häufig schwarz vor Augen“, sagt Jeschke.

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Draußen am Zelt hängt ein Notfallplan. Wenn jemand anfängt, sehr viel zu reden, sollten die anderen auf ihn Acht geben. Regelmäßig müsse der Blutdruck gemessen werden. Fällt jemand in Ohnmacht, muss im schlimmsten Fall der Krankenwagen gerufen werden. Erst am Dienstag war das notwendig. Jakob Heinze hatte in der Sonne gelegen, weil sein Körper die Temperatur nicht mehr selbst regeln kann. Beim Aufstehen wurde ihm schwarz vor Augen und er fiel in Ohnmacht. Ein Krankenwagen brachte ihn in die Charité. Doch den Hungerstreik beendete er trotzdem nicht.

Klimakatastrophe: Es bleiben nur noch drei bis vier Jahre zum Handeln

Für die Klimaaktivisten steht viel auf dem Spiel, erklären sie. Aufgeben sei keine Option. Sie bezeichnen sich als die „letzte Generation“: „Es geht hier nicht um uns, sondern um diejenigen, die jetzt noch leben und die Tausenden Generationen danach“, betont die Sprecherin der Aktivisten, Hannah Lübbert, immer wieder.

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Bis zum Äußersten: Klimaaktivisten im Hungerstreik
1:44 min
Der Hungerstreik einiger junger Aktivisten setzt die Kanzlerkandidaten vor der Bundestagswahl unter Druck.  © dpa
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Mit jedem Tag würde es schwerer, das Klima noch zu retten. „Täglich sterben Menschen durch Dürren, Feuer oder solche Fluten wie in Ahrweiler“, sagt Jakob Heinze. „Laut Experten haben wir noch drei bis vier Jahre Zeit für eine radikale Wende.“ Diese fordern sie hier ein, mit ihrer Gesundheit als Druckmittel.

Von der Politik fühlen sie sich allerdings bisher nicht ernst genommen. „16 Tage wurden wir ignoriert. Unser Anliegen wurde totgeschwiegen“, sagt Lübbert. Auf ein Gespräch noch vor der Wahl wollen sich die drei Spitzenkandidaten nicht einlassen. Stattdessen bitten sie die Aktivisten, ihren Hungerstreik zu beenden.

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Die Aktion würden sie nicht angemessen finden, berichten die Aktivisten: Annalena Baerbock, Olaf Scholz und Armin Laschet hätten ihnen das Angebot übermittelt, nach der Wahl persönlich in Einzelgesprächen und nicht öffentlich mit ihnen zu sprechen. „Das können wir nicht annehmen. Das ist das Gegenteil von dem, was wir fordern“, sagt Hannah Lübbert. „Das zeigt, dass den Politikern die Sorgen der Jugend nicht so wichtig sind.“

Bürgerrat soll über Maßnahmen entscheiden

Dass die Politiker jetzt, in der Endphase des Wahlkampfs, von einem Termin zum nächsten eilen müssen, lassen die Klimaschützer nicht gelten. „Wir sind schon den Kompromiss eingegangen, nur noch die Zusage zu dem Gespräch zu fordern und nicht mehr den Bürgerrat“, sagt Lübbert.

Die Treffen seien nicht verhandelbar. Den Politikern haben sie deshalb nun einen Termin diktiert. „Am 23. September um 19 Uhr stehen wir bereit, mit den Politikern zu reden.“ Es müsse endlich ehrlich über Klimafakten gesprochen werden und darüber, welche Maßnahmen nötig sind.

Welche das seien, lassen die Hungerstreikenden offen. „Der Bürgerrat soll die Maßnahmen erarbeiten.“ Experten hätten bereits viele Wege vorgeschlagen, an denen soll dieser Rat sich orientieren, sagt Lübbert. „Wir wollen nicht den einen Weg vorschreiben.“

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