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Flaschenwürfe und brennende Mülltonnen: Demo zum 1. Mai in Berlin eskaliert

  • Die linksradikale „Revolutionäre 1.-Mai-Demonstration“ in Berlin sollte die Situation von Migranten in der Corona-Pandemie in den Blick nehmen.
  • Stattdessen kam es zu schweren Ausschreitungen.
  • Demonstranten griffen die Polizei mit Glasflaschen an und zündeten Müllcontainer an.
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Berlin. Die „revolutionäre“ Demo sollte an diesem 1. Mai anders werden als in vergangenen Jahren: Mehr Inhalte, weniger Krawall und Alkohol. So hatten die Veranstalter es angekündigt. Doch daraus wurde nichts. In Berlin-Neukölln brennen am Samstagabend Mülltonnen, Glascontainer und mindestens ein Auto, Flaschen und Böller werden auf Polizisten geworfen. Nicht wenige der Flaschen sind Bierflaschen, die Demonstrationsteilnehmer vorher leer getrunken haben.

Die Demonstration wird bereits nach einem Bruchteil der Wegstrecke gestoppt und endet in einer Gewalteskalation.

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Berlin „Revolutionärer 1. Mai“: Heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei
0:47 min
In Berlin kam es bei der Demo am 1. Mai zu massiven Auseinandersetzungen mit der Polizei.  © RND
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Die „Revolutionäre 1.-Mai-Demonstration“ ist ein fester Termin im Kalender der linksradikalen Szene der Hauptstadt. Oft lief sie durch den Stadtteil Kreuzberg. In den vergangenen Jahren meldeten die Organisatorinnen und Organisatoren sie gar nicht erst bei der Polizei an. Der Protest gegen „Staat und Kapital“ vermischte sich mitunter mit Straßenfest und Saufgelage. Wer wirklich demonstrieren wollte und wer mehr an Alkohol und Geselligkeit interessiert war, ließ sich nicht immer klar trennen. Oft kam es zu schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei.

„Yallah Klassenkampf“

In diesem Jahr wurde die Demonstration von einem Bündnis migrantischer und internationalistischer linker Gruppen organisiert. Dabei sollten Ungleichheiten in der Gesellschaft in den Vordergrund gerückt werden, die sich besonders in der Corona-Pandemie zeigten, hieß es im Protestaufruf. Besonders wollten die Organisatoren auf die Situation vieler Migranten in Deutschland aufmerksam machen, die besonders häufig von wirtschaftlicher Ausbeutung, aber auch von Zwangsräumungen und Wohnungslosigkeit betroffen seien. Das Motto, das am Abend auch auf einem Transparent zu sehen ist: „Yallah Klassenkampf!“

Das Motto der Organisatoren: „Yallah Klassenkampf“. © Quelle: Felix Huesmann
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Die Organisatoren meldeten ihre Demonstration an, baten die Teilnehmer explizit darum, keinen Alkohol zu trinken. „Wenn ihr Bock auf Saufen habt, dann verschwindet bitte von der Demo“, ruft eine der Sprecherin zum Beginn der Demonstration am Hermannplatz von einem LKW, der als Bühne dient. Tausende haben sich hier versammelt. Die allermeisten tragen Mund-Nasen-Bedeckungen. An die Abstandsregeln halten sie sich jedoch größtenteils nicht – es sind zu viele Menschen auf zu wenig Raum. Mehrfach bitten die Sprecherinnen auf der Bühne, sich möglichst gut zu verteilen, um Abstand zu schaffen.

Als die Demonstration schließlich loszieht, stoppt sie schon nach wenigen Hundert Metern immer wieder. Die Polizei weist über Lautsprecher auf die Corona-Auflagen hin. Gegen 20 Uhr erklärt die Polizei schließlich, sie werde einzelne Blöcke aus der Demo ausschließen, weil die Versammlungsleitung „trotz mehrfacher Aufforderung nicht ausreichend auf die Teilnehmenden der Versammlung in Hinblick auf die Einhaltung der Hygieneregeln einwirken konnte“.

Angriffe auf Polizisten und brennende Mülltonnen

Als die Polizei versucht, Teile der Demonstration abzudrängen, kommt es zu ersten Auseinandersetzungen und Festnahmen. Schon zuvor waren Beamte mit Pyrotechnik beworfen worden. Die Spitze des Demo-Zuges wird etwa zeitgleich wenige Hundert Meter entfernt auf der Sonnenallee aufgehalten.

Nach kleineren Auseinandersetzungen und einzelnen Festnahmen eskaliert die Lage hier schließlich: Immer mehr Menschen werfen Glasflaschen und andere Gegenstände auf die Polizisten. Mülltonnen und Holzpaletten werden auf der Fahrbahn angezündet und brennen lichterloh. Erst einige Zeit später kann die Feuerwehr die Brände löschen.

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Auf der Sonnenallee setzten die Demonstranten mehrere Müllcontainer in Brand. © Quelle: Felix Huesmann

Um kurz nach 21 Uhr erklärt der Versammlungsleiter die Demonstration laut Angaben der Polizei für beendet. Der Krawall geht jedoch weiter. Auch in mehreren Seitenstraßen werden Gegenstände angezündet und liefern sich Demonstranten gewaltsame Scharmützel mit der Polizei. Laut Polizeiangaben wurden mehrere Beamte verletzt, eine abschließende Bilanz lag am späten Abend jedoch noch nicht vor.

Nach den gewaltsamen Auseinandersetzungen kritisiert die Opposition den rot-rot-grünen Senat. CDU-Fraktionsvorsitzender Burkard Dregger warf ihm einen „Kuschelkurs mit der linken Szene“ vor. Der Senat müsse sich fragen lassen, welchen Anteil an Verantwortung er für das Demo-Geschehen trage, sagte Dregger am Sonntag. „So lange Rot-Rot-Grün mit gewaltbereiten Chaoten sympathisiert, wird es keinen friedlichen 1. Mai geben“, warnte er.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) verurteilte die gewalttätigen Ausschreitungen ebenfalls: „Ich habe kein Verständnis, wenn einige Gewaltbereite die angespannte und schwierige Lage ausnutzen und Polizistinnen und Polizisten angreifen, zündeln und damit auch viele friedlich demonstrierende Menschen gefährden“, sagte Müller. „Die vielen verletzten Einsatzkräfte sind eine bittere Bilanz, die mich wütend macht.“

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