Bericht: Weniger antisemitische Vorfälle in Berlin

  • Die Zahl antisemitischer Vorfälle in der Hauptstadt ist laut der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin im ersten Halbjahr 2019 zurückgegangen.
  • Der Antisemitismus bleibe jedoch auf einem hohen Niveau.
  • Auch der Ansprechpartner des Landes Berlin für Antisemitismus sieht keinen Grund zur Entwarnung.
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Berlin. Die Berliner Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias Berlin) hat ihren Bericht über antisemitische Vorfälle in der Hauptstadt in der ersten Jahreshälfte 2019 veröffentlicht. Im Vergleich zum Vorjahr seien die Vorfälle zurückgegangen, der Antisemitismus in Berlin bleibe jedoch auf einem hohen Niveau, teilte Rias Berlin am Donnerstag mit.

404 antisemitische Vorfälle erfasste die Organisation demnach von Januar bis Juni. Darunter waren Sachbeschädigungen, Beleidigungen, Bedrohungen und körperliche Angriffe vor allem auf Juden und jüdische Institutionen. Dem stehen 579 dokumentierte Fälle aus dem Vorjahreszeitraum gegenüber. „Trotz der niedrigeren Gesamtzahl von antisemitischen Vorfällen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum prägt das antisemitische Grundrauschen den Alltag in Berlin“, sagte der Rias-Berlin-Projektleiter Benjamin Steinitz laut der Mitteilung. Gerade Personen, die als jüdisch erkennbar sind, seien von Anfeindungen betroffen.

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Den größten Anteil an der Gesamtzahl haben laut Rias Berlin Fälle „verletzenden Verhaltens“. Das umfasse alle Vorfälle, „bei denen jüdische Institutionen oder Personen gezielt böswillig oder diskriminierend adressiert werden“, ebenso wie Vorfälle, bei denen nicht jüdische Personen oder Institutionen das Ziel antisemitischer Aussagen oder Schmierereien sind. Als Beispiel nennt Rias Berlin einen Fall vom 15. Mai: Eine am Telefon hebräisch sprechende Frau sei in der U-Bahn mit dem arabischen und türkischen Wort „Yahud“ (Jude), sowie als „böse“ und „Babymörder“ beschimpft worden.

13 antisemitische Angriffe

In 13 Fällen sei es außerdem zu direkten antisemitischen Angriffen gekommen. So sei beispielsweise am 18. Juni im Stadtbezirk Steglitz-Zehlendorf ein Jude attackiert worden. Drei Männer hätten ihn angesprochen und ihm Fragen zu seiner Religion gestellt. „Als der Betroffene sagte, dass er Jude sei, schlug ihm einer der drei Männer ins Gesicht“, so Rias Berlin.

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Der Ansprechpartner des Landes Berlin für Antisemitismus, Lorenz Kogel, sagte laut Rias-Mitteilung, Antisemitismus bleibe ein gravierendes Problem, „mit dem wir uns in Berlin nicht abfinden dürfen“. Die im Vergleich zum Vorjahr geringere Zahl sei kein Grund zur Entwarnung. „Wir wissen, dass antisemitische Konjunkturen jederzeit und sehr kurzfristig einen drastischen Anstieg der Vorfallzahlen zur Folge haben können.“

Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus dokumentiert seit 2015 antisemitische Vorfälle in der Hauptstadt. Grundlage der Statistik sind Meldungen von Betroffenen, eigene Beobachtungen und die Zusammenarbeit mit der Polizei. Einige der Vorfälle tauchen in den offiziellen Polizeistatistiken nicht auf, weil sie nicht angezeigt wurden oder keinen Straftatbestand erfüllen. Im Jahr 2018 wurde außerdem ein Rias-Bundesverband gegründet, um die Erfassung antisemitischer Vorfälle auf das gesamte Bundesgebiet auszuweiten.

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RND/fh