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Bericht: Türkei soll Flüchtlingsansturm auf Griechenland angefacht haben

  • Der deutsche Auslandsgeheimdienst soll Hinweise haben, dass die Türkei die Ausschreitungen an der griechischen Grenze vor einem Monat absichtlich angefacht haben könnte.
  • Flüchtlinge sollen etwa in Busse gezwungen und zur Grenze gebracht worden sein.
  • Vertreter des türkischen Sicherheitsapparats bestreiten demnach eine Beteiligung.
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Berlin. Tausende Flüchtlinge haben Ende Februar versucht, aus der Türkei nach Griechenland zu gelangen. Wie das Nachrichtenmagazin “Spiegel” nun berichtet, geht der Bundesnachrichtendienst (BND) bei den Ausschreitungen von einer Mitwirkung türkischer Kräfte aus.

Behörden sollen Flüchtlinge zur Grenze gebracht haben

Laut dem Bericht sollen türkische Behörden Flüchtlinge in Busse gezwungen und sie ins türkisch-griechische Grenzgebiet gefahren haben. Auch hätten sich Türken unter die Menschenmenge gemischt und die Krawalle an den Zäunen befeuert, wie griechische Sicherheitsbeamte dem “Spiegel” berichteten.

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Vertreter des türkischen Sicherheitsapparats sollen eine Beteiligung bestritten haben. Der BND habe sich auf Anfrage nicht geäußert.

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Im “Dschungel” am Rande Europas – Teil 1: Die Flüchtlinge
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Der Dschungel – So nennen die Betroffenen die rasch wachsende Flüchtlingssiedlung auf der griechischen Insel Samos.  © RND

Die türkische Regierung hatte ihre Grenzen Richtung Europa Ende Februar für Migranten und Flüchtlinge geöffnet. Präsident Recep Tayyip Erdogan wollte damit bei der EU mehr Unterstützung für syrische Flüchtlinge in der Türkei erzwingen. Tausende Migranten machten sich danach auf zur Landgrenze mit Griechenland, das dort wiederum Einsatzkräfte postierte, um Grenzübertritte zu verhindern. Es kam zu Gewalt und Ausschreitungen.

Konflikt zwischen Türkei und Griechenland vorerst abgemildert

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Mittlerweile hat sich der migrationspolitische Konflikt zwischen der Türkei und Griechenland vorerst abgemildert. Die türkischen Behörden brachten am Freitag im Zuge der Corona-Krise Hunderte Migranten weg von der Grenze zu Griechenland, wie die türkische staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Eine genaue Zahl nannte sie nicht, in einem Lager an der Grenze hatten zuletzt aber geschätzt 2000 Menschen darauf gewartet, nach Griechenland zu kommen.

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Sie seien mit Bussen vom Grenzposten in der Provinz Edirne weggefahren worden und würden nun in staatlichen Gasthäusern zur Quarantäne untergebracht. Danach sollten sie in andere Regionen verlegt werden. Laut Anadolu baten einige Migranten um die Verlegung, während andere überredet werden mussten. Mehrere Busse seien beim Verlassen der Gegend gesehen worden, berichtete ein türkischer Journalist aus Edirne. Danach hätten die Behörden den Lagerbereich desinfiziert.

Griechenland begrüßte die Entwicklung als “wichtigen Schritt für unser Land und Europa”. Das Lager sei offenbar abgebaut und “diejenigen an der Evros-Grenze sind weggebracht worden”, sagte der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis bei einer Telefonkonferenz mit Kabinettsmitgliedern. “Ein Kapitel mag sich nun potenziell schließen, aber der Kampf geht zweifelsohne weiter”, hieß es in einer Stellungnahme aus Misotakis’ Büro. “Wir haben eine sehr wichtige Sache für unser Land und Europa sichergestellt. Die Fähigkeit und Effizienz, unsere Land- und Seegrenzen zu bewachen.”

RND/jst/AP

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